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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein Vehikel für Brötchen und Sommerblumen
Zwischenüberschrift:
60 Jahre aus dem Leben eines Liefer-Dreirads
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vor 60 Jahren wurden Brötchen mit ihm transportiert, später zierte es ein Schaufenster, heute wachsen Blumen darin: Das Fahrrad oder besser Dreirad –, das heute vor der Pottblume in der Schweerstraße steht, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich.
" Ein paar Mal hab ich auch die Enkel meines Chefs darin zum Moskau gefahren", sagt Werner Hake und fügt schmunzelnd hinzu: " Deshalb können sie heute so gut schwimmen." Im Mai 1948 hatte der damals 15-Jährige seine Lehre bei der Konditorei Mönter an der Iburger Straße 20 begonnen.
Zu seinen Aufgaben gehörte es, mit dem schwarzen Lieferfahrrad morgens die Brötchen auszufahren. " Die Leute haben damals einen Beutel an ihre Türen gehängt. Da hab ich die frischen Brötchen hineingetan", erinnert Hake, der sich vor allem davor fürchtete, mit dem Rad in die Schienen der Hammersen-Bahn zu geraten. Mit der Bahn transportierte die Textilfabrik an der Iburger Straße ihre Waren.
Nachmittags lieferte Hake mit dem Gefährt Brot an große Kunden wie das Paulusstift in der Miquelstraße oder die Filialen der Konditorei wie die in der Sutthauser Straße: " Den Berg da hoch, das war was. Ich war doch nur so n kleiner Dotz", sagt Hake. Inzwischen hat er schlohweißes Haar, und klein ist er schon lange nicht mehr.
Sein damaliger Chef Anton Mönter hatte das Fahrrad bei Fahrrad Bücker in der Johannisstraße gekauft. Werner Hake ist sich sicher, dass es wirklich dieses Fahrrad ist, das vor der Pottblume steht, denn seine Geschichte lässt sich lückenlos verfolgen.
" Eine Zeit lang hat das Rad auf unserem Mehlboden gestanden, nachdem wir aussortiert hatten", erinnert sich Heinz-Joachim Mönter, den Werner Hake als Kind mit dem Fahrrad zum Moskau gefahren hatte. Heute leitet Heinz-Joachim Mönter die Konditorei.
Eines Tages hat der damalige Eigentümer der Firma Sandkühler das Rad unter dem Dach der Mönters entdeckt und es kurzerhand als Hingucker für das Schaufenster des Möbelladens in der Süsterstraße gekauft. Das Geschäft gibt es heute nicht mehr. Hier baut heute die Uni einen Komplex für die juristische Fakultät.
Als das Fahrrad " entsorgt" werden sollte, wie Mönter es ausdrückt, hat Heinrich Von der Haar die Gunst der Stunde genutzt, und das seltene Gefährt erworben. Den Tipp hatte er von seinem Mitarbeiter Johann Tammingar bekommen: " Das muss etwa 15 Jahre her sein", meint Von der Haar. Aber erst seit wenigen Jahren ziert es nun den Eingang seines Geschäfts.
Dem Fahrrad ist sein Alter anzumerken: Ein Schutzblech ist zerbrochen, es fehlen Schrauben, und den Bremsen ist auch nicht zu trauen. Aber das schwarze Vehikel hat Charme. Und mit der Bepflanzung aus Salbei, rotem und blauem Männertreu, Oregano, Lavendel und Sedum ist es allemal eine Zierde für ein Blumengeschäft.

Bildtext: Damals war′s: Werner Hake um 1950 mit dem Konditor-Dreirad in der Iburger Straße.

Bildtext: Sie retteten das historische Gefährt: Heinz Joachim Mönter, Johann Tammingar, Werner Hake und Heinrich von der Haar (von links) mit dem alten Dreirad.

Foto: Klaus Lindemann
Autor:
Marie-Luise Braun


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