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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Britenviertel sollen ihr Gesicht wahren
Zwischenüberschrift:
Gegen die Beliebigkeit aus dem Baumarktregal: Stadt will Spielräume festlegen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Noch sind die britischen Siedlungen am Westerberg und in der Dodesheide bewohnt. Aber schon jetzt drücken sich Kaufinteressierte die Nase an den Fensterscheiben platt. Nächstes Jahr kommen die Häuser unter den Hammer. Die Stadt will darauf hinwirken, dass die 50er-Jahre-Viertel ihren Charakter behalten.

Von Rainer Lahmann-Lammert
Osnabrück. 1951 entstanden die Doppelhäuser um die Wilhelm-Busch-Straße am Westerberg und die Offiziershäuser im Carrée um die Kopernikusstraße in der Dodesheide. 1954 folgten die nach Komponisten wie Liszt und Brahms benannten Höfe, zwei Jahre später wurde die Siedlung an der Kastanienstraße gebaut. Sie alle wurden zwar für die Briten gebaut, ihr Baustil orientiert sich aber eher an regionalen Mustern. Im kommenden Jahr will die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) die Häuser auf den Markt bringen.
Gemessen an heutigen Ansprüchen, sind die Wohnungen zwar recht klein. Aber ihre gute Lage und ihre Bauart machen sie zu begehrten Objekten. Immerhin eröffnet der bevorstehende Auszug der Briten auch die Chance, Wohnungen oder Häuser zusammenzulegen.
Stadtplaner Franz Schürings erwartet für die kommenden Jahre einen erheblichen Veränderungsdruck. Wenn die Häuser in neue Hände kommen, so kalkuliert der Leiter des Fachbereichs Städtebau, dann werde sich vieles ändern. Er rechnet damit, dass die neuen Eigentümer an- und umbauen werden, dass sie ihre Dachgeschosse ausbauen und Stellplätze für ihre Autos schaffen wollen. Auch die privaten und öffentlichen Grünanlagen dürften sich verändern. Und für die Stadt stellt sich die Frage, ob Kinderspielplätze fehlen, ob die Straßenquerschnitte verändert oder Wendehämmer angelegt werden müssen.
Bei all diesen Veränderungen will der Fachbereich Städtebau durchsetzen, dass die wesentlichen Charakterzüge der Siedlungen bestehen bleiben und nicht der Beliebigkeit aus dem Baumarktregal geopfert werden. Schürings betont jedoch, dass es nicht darum gehe, die Entwicklungsmöglichkeiten einzuschränken: " Wir wollen keine Uniformität", versichert er, Ziel sei es, den Handlungsspielraum zu definieren, damit die wesentlichen Charakterzüge der Siedlungen auch weiterhin sichtbar blieben.
Die Details will die Stadt in sieben neuen Bebauungsplänen festlegen, die nach den Sommerferien in den Stadtentwicklungsausschuss kommen. Aber nicht nur die Stadt sorgt sich um das Gesicht der 50er-Jahre-Siedlungen. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpfllege hat einen Ensembleschutz für die Siedlung um die Wilhelm-Busch-Straße erlassen.
Dass die Stadtplaner auf einem schmalen Grat wandeln, wenn sie zwischen Bestandsschutz und Eigentümerinteressen abwägen, hat sich schon Anfang der 90er Jahre im sogenannten Musikantenviertel gezeigt. Um den Veränderungsdruck rund um die Beethovenstraße in geordnete Bahnen zu lenken, wollte die Stadt damals eine Erhaltungs- und Gestaltungssatzung festlegen. Doch die Eigentümer der beschaulichen 20er-Jahre-Siedlung liefen Sturm gegen diesen Plan, weil sie sich reglementiert fühlten.
Inzwischen sind weitere der früheren Beamtenhäuser modernisiert und umgebaut worden. Einige wurden sogar durch größere Neubauten ersetzt. Aber im Großen und Ganzen, sagt Thomas Haarmann vom Bürgerverein Nord-West, habe die Diskussion die Eigentümer sensibler gemacht für die Besonderheiten ihres Viertels. In Einzelfällen seien kleinere " Bausünden" sogar nachträglich korrigiert worden.

Bildtext: Begehrte Objekte: Die Häuser an der Wilhelm-Busch-Straße und wie hier am Stormhof stehen unter Ensembleschutz.

Bildtext: Das Gesicht dieser Siedlung am Brahmshof (links) und am Liszthof (rechts) wird sich verändern, wenn die Häuser demnächst in neue Hände gelangen. Mit sieben neuen Bebauungsplänen will die Stadt den Charakter der britischen Viertel erhalten.

Fotos: Jörn Martens
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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