User Online: 1 | Timeout: 21:20Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Menschen vertreiben? Das wäre das Letzte"
Zwischenüberschrift:
Haster Bürger von der Aktion "Miteinander" besuchen Brennpunkte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Es ist Freitagabend und längst dunkel. Der Platz vor dem Supermarkt am Eberleplatz in Haste liegt im fahlen Laternenlicht. Hier ist der Treffpunkt. Marek Aniol, Freddy Busboom, Josef Krotzek, Margit Moder und Heidi Schmidt beginnen ihren Gang zu Brennpunkten in ihrem Stadtteil. Dort wollen sie mit jungen Leuten ins Gespräch kommen mit solchen, die manchem Anwohner ein Dorn im Auge sind.
Zerschlagene Flaschen, zerstochene Reifen, kaputte Zäune, Feuer, Randale: Vor allem an der Grundschule in der Saßnitzer Straße ist die Liste der Nebenwirkungen abendlicher Treffen immer länger geworden. Einige Jugendliche schlagen im Rausch über die Stränge; Nachbarn fühlen sich in ihrer Ruhe gestört und bedroht. Auf mancher Sitzung der vergangenen Jahre schlugen die Wogen hoch. Vor allem wurde über die Jugendlichen gesprochen, doch mit ihnen ins Gespräch gekommen sind nur wenige. Das soll sichändern.
Ein Dutzend Bürger wollen die Barriere überwinden und engagieren sich in der Aktion " Miteinander gewaltfreie Kommunikation in Haste". Paten sind der Runde Tisch Haste und der Verein Ahimsa, der für gewaltfreie Kommunikation steht und die Bürger schult. Es geht um Präsenz an den Brennpunkten und darum, genau dort miteinander ins Gespräch zu kommen. Und es geht um die Haltung: Wir lehnen nicht euch ab, sondern euer Verhalten. Marek Aniol sagt es so: " Wir wollen Vorurteile abbauen das geht nur ohne Drohungen und Beleidigungen."
Bei diesem dritten Rundgang lehnen die Bürger noch nicht einmal das Verhalten der jungen Leute an der Haster Grundschule ab. Sie steuern auf eine Gruppe Jugendlicher zu und begrüßen sie. Ein Nachbar habe vor kurzem grundlos die Polizei gerufen, erzählt ein Jugendlicher. " Ja, einige stellen hier manchmal wirklich was an", sagt er. Was ihn stört, sind Verallgemeinerungen: " Wir stehen alle unter Verdacht." Das sei ungerecht.
Für die jungen Leute ist dieser Platz ein zweites Zuhause. " Wir wollen hier unsere Freunde treffen", sagt einer von ihnen. Um 22 Uhr, wenn der Jugendtreff auf dem Gelände der Schule schließt, ist der Abend noch nicht vorbei. Sie bleiben vor der Tür, andere kommen hinzu. Daran, dass hier ihr öffentliches Leben stattfindet, will die Aktion " Miteinander" nicht rütteln.
Josef Krotzek zieht eine positive Zwischenbilanz: " Das Verhältnis zu den Jugendlichen hat sich entspannt. Es passiert tatsächlich weniger." Wie einfach es sei, mit Bitten anzukommen, beschreibt Heidi Schmidt: " Vor kurzem haben wir einige Jugendliche gebeten aufzuräumen, bevor sie gehen, das haben sie auch getan."
Margit Moder sieht sich nach den ersten Rundgängen bestärkt: " Schimpfen bringt nichts. Die Jugendlichen sehen, dass wir gute Absichten haben. Das bringt was." Und für sich selbst habe sie auch etwas dazugewonnen: " Ich bin selbstsicherer geworden."
Freddy Busboom kommt auf die Angst zu sprechen, die hier und da unter den Nachbarn umgeht. Einige hätten ihn gefragt, ob er nicht Ärger befürchte, wenn er auf die Jugendlichen zugehe. Darüber schüttelt er den Kopf. Heidi Schmidt ergänzt: " Angst dürfen wir erst dann haben, wenn wir sagen Ihr müsst hier weg′." Darauf Freddy Busboom: " Menschen vertreiben? Das wäre das Letzte." Josef Krotzek setzt auf das genaue Gegenteil. " Im kommenden Jahr wollen wir mit den Jugendlichen und den Anwohnern gemeinsam grillen."
Gegen Mitternacht ist der Rundgang beendet. Der nächste ist am kommenden Freitag, wieder um 22.30 Uhr. Auch am Supermarkt haben sich inzwischen einige junge Leute getroffen und staunen über freundliche Worte.

Bildtext: Sie wollen die Barrieren überwinden: Haster Bürger von der Aktion " Miteinander" sprechen mit den Jugendlichen statt über sie. Statt auf Drohungen und Beleidigungen setzen sie auf Verständnis.

Foto: Thomas Osterfeld
Autor:
Jann Weber


Anfang der Liste Ende der Liste