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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Auch Dächer können politisch sein
Zwischenüberschrift:
Die Domtürme im Wandel der Zeit: Anlage spiegelt Ansprüche der Kirche wider
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Bereits die Türme des ersten Osnabrücker Domes waren ausgesprochen ungewöhnlich: Als die erste Missionskirche in der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts zur Kathedrale ausgebaut wurde, errichtete man die Turmanlage nicht im Westen (wie gemeinhin üblich), sondern im Norden. Möglicherweise überbauten die Osnabrücker dabei sogar die Nord-Süd-Fernhandelsstraße, die wohl östlich der ersten Kirche verlief. Mit der mächtigen, jedoch nur wenige Jahrzehnte erhaltenen Turmanlage mag man auch ein politisches Signal gesetzt haben, denn Karl der Große und seine Nachfolger hatten Osnabrück zunächst mit der Mission bis nach Skandinavien beauftragt.
Während von den Nordtürmen heute nur noch die starken, bei den archäologischen Ausgrabungen seit 1992 freigelegten Fundamente zeugen, gehört der schlanke Nordwestturm zum ältesten überirdischen Mauerwerk. In seiner heutigen Form geht er wie auch das mittlere Westwerk auf die Wiedererrichtung des Domes nach dem Brand von 1100 zurück. Damals zeichnete sich der Westbau durch seine Symmetrie aus, denn der südwestliche Turm entsprach in Stärke und Höhe seinem heute noch erhaltenen Gegenüber.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts durchbrachen die Bauleute den strengen Westriegel, um die Rosette einzubauen, die nun mehr " Transparenz" zum bürgerlichen Stadtzentrum hin schuf. Zu dieser Zeit war jedoch noch immer das Brautportal im Nordwesten der Hauptzugang zum Dom. Erst nach dem verheerenden Stadtbrand von 1530 folgte das heutige Hauptportal, durch das die gläubige Gemeinde nach der seit 1531 angesetzten Brandprozession zum Schlussgottesdienst in den Dom einziehen konnte. Der prächtige neue Zugang symbolisierte die Pforte zum himmlischen Jerusalem.
Bereits zwei Jahrzehnte zuvor hatte sich das Domkapitel entschlossen, mit dem Bau des neuen, mächtigen Südwestturmes das Erscheinungsbild des Domes nachhaltig zu verändern. Damit werden die Domherren auf die Konkurrenz der bürgerlichen Kirchen und der Stadtväter reagiert haben. Diese hatten soeben mit dem 102 Meter hohen neuen Turm der Katharinenkirche die " Lufthoheit" über die Stadt errungen, und nur wenige Meter westlich am Markt ging auch der Rathausneubau seiner Vollendung entgegen. Die hohe gotische Spitzhaube des neuen Turmes sorgte zumindest für einen Kontrapunkt über den Dächern der Stadt, und auch der alte Nordturm wuchs in dieser Zeit um vier Meter, um eine harmonischere Ansicht zu erreichen. Zudem erhielt dieser Turm in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts einen barocken Turmhelm, der auch nach außen vom neuen Kunstgeschmack und den Bemühungen um eine Stärkung des katholischen Bekenntnisses zeugte. Zur vermeintlichen 1000-Jahr-Feier des Bistums 1772 erhielt auch der Südwestturm eine imposante Barockhaube.
Beide verbrannten im Bombenhagel des 13. September 1944 ebenso wie die Dächer des Vierungsturms und des Langhauses. Wie große Schornsteine mit enormer Qualmentwicklung wirken die beiden Türme auf Fotos dieses Tages. Nach dem Krieg galt es zu entscheiden, ob die aufwendigeren Barockhelme rekonstruiert oder die Türme durch provisorische Dächer geschlossen werden sollten. Regierungsbaurat Robert Henry fertigte nach intensiver Recherche eine vergleichende Skizze an, bei der er als weitere Lösung romanische Turmdächer von mittelalterlichen Vergleichsbauten in den Blick nahm.
Die schlichten, provisorischen Pyramiden stießen seinerzeit auf heftige Proteste in der Bevölkerung, die sich nur schwer mit der neuen Silhouette abfinden konnte. Sechs Jahrzehnte später haben sich die Osnabrücker dagegen an den neuen, so wenig auf Höhe ausgerichteten Anblick gewöhnt. Dieser ist inzwischen (in stilisierter Form) zum Logo des Bistums geworden. Umso spektakulärer ist derzeit der Kunststoffmantel um das Westwerk, der die alltägliche Sicht bricht und für wenige Monate einen außergewöhnlichen Akzent im Herzen Osnabrücks setzt.

Bildunterschriften:

1) Der Dom um 1810: Aufragende Barockhauben prägten die Ansicht von Westen.

2) Der Dom 1944: Wie Schlote wirken die rauchenden Türme nach dem Bombenangriff vom 13. September.

3) Der Dom um 1668: Der hochstrebende Spitzturm sollte im 16. Jahrhundert ein Gegengewicht zur Katharinenkirche schaffen.
Autor:
que


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