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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Schlaflos im FMO
Zwischenüberschrift:
Beim "Night Flight" kann man hinter die Kulissen des Flughafens blicken
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Carsten Hinnah
GREVEN. Freitagabend am " Münster/ Osnabrück International Airport": Während im Westen die Sonne hinter den Baumkronen der Hüttruper Heide versinkt, steht vor mir der Teller mit Lummerbraten an Salbei und grünem Pfeffer, daneben ein Glas 2005er Merlot La Croix belle. Nebenan öffnet sich Gate C12 zum Air-Berlin-Flug 6085 nach München. Über Lautsprecher werden Passagiere ausgerufen, die sich verspätet haben. Um mich herum angeregte Gespräche. Niemand springt auf und hetzt in die Abflughalle: Wir sind mitten in der " Night Flight" des FMO (Flughafen Münster/ Osnabrück), einer Flughafenführung bei Nacht.
Erste Station ist nicht der Check-in, sondern das Flughafenrestaurant. Nach dem Dinner-Buffet mit Blick auf das Rollfeld startet der Rundgang im Terminal I. Hier herrscht um diese Zeit fast andächtige Stille. In der großzügigen Halle, in der es selbst zu Ferienbeginn selten hektisch zugeht, ist wenig Betrieb.
Vom Flughafen Münster/ Osnabrück starten und landen 24 Stunden am Tag Flugzeuge. Allerdings wird der Großteil des Luftverkehrs zwischen 6 und 22 Uhr abgewickelt. Aus Lärmschutzgründen dürfen ohnehin nur solche Flugzeuge rund um die Uhr starten und landen, die nach der sogenannten Chapter-3-Bonusliste zertifiziert sind. Kurios: Innerhalb dieser Liste gibt es einen Grenzfall. Die amerikanische McDonnell-Douglas MD 80 darf nachts am FMO landen, muss dann aber bis um 6 Uhr morgens warten, um wieder abheben zu dürfen. Sie erfüllt nur bei der Landung alle Emissionswerte. " Im Landeanflug erzeugen Flugzeuge einen geringeren Lärmteppich als beim Start, weil die Turbinen dann mit höherer Drehzahl laufen", erklärte " Night Flight"- Führerin Ute Bahn.
In den Boarding-Bereich kurz vor dem Betreten des Flugzeugs kommt man nur durch die Personenkontrolle. Das gilt auch für " Night-Flight"- Gäste: Handtaschen und Kameras wandern in die Box auf dem Rollband und werden durchleuchtet. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes fährt mit einem Metalldetektor über die Kleidung der Besucher.
Vorbei an der VIP-Lounge und einer Vitrine mit ausgestopftem Puma und Schlangenledergürteln geht es zum Busgate. " Das sind Mitbringsel, die der Zoll beschlagnahmt hat", erklärt Ute Bahn. Viele Reisende seien sich der Einfuhrbestimmungen gar nicht bewusst und wollten nur ein exotisches Andenken. Die Ausstellungsstücke dienten deshalb als " kleine Mahnung und Gedächtnisstütze" vor dem Abflug, erklärt unsere FMO-Begleiterin, bevor wir von Fluggastbrücke A03 zur Fahrt über das Airport-Rollfeld und die beleuchtete Start-und-Lande-Bahn abgeholt werden.
Hier merken wir, dass unsere exklusive Besuchergruppe trotz aller Annehmlichkeiten natürlich hinter dem laufendem Betrieb und vor allem der Sicherheit auf dem Vorfeld zurückstehen muss. Weil der Bodenverkehrsdienst noch eine verspätete Maschine aus Rom auf Position bringen und abfertigen muss, haben wir mehrere Minuten zu warten.
Kein Problem für Ute Bahn: Sie schöpft aus einem schier unerschöpflichen Repertoire an FMO-Geschichte und - Geschichten. " Vor Jahren", erzählt sie, habe ein Pilot einer besagten McDonnell-Douglas MD 80 beim Start überzogen. Der Slot, also das Zeitfenster, welches der Tower einer Maschine für den Startvorgang einräumt, ging zwar über 22 Uhr hinaus, eine MD 80 hätte aber bis dahin in der Luft sein müssen. Als der Pilot um 22.03 Uhr die Starterlaubnis anfragte, wurde er vom Tower " zurückgepfiffen". Die Passagiere mussten aussteigen und die Maschine über Nacht eingehallt, also in einer Flugzeughalle untergebracht werden. " Und das kostet", weiß Ute Bahn, denn Flugzeuge verdienen ihr Geld in der Luft und Flughäfen mit der Abfertigung und Betreuung der Maschinen am Boden.
Über die Rollwege " Alpha" und " Charlie", was im Luftverkehrsalphabet für A und C steht, erreichen wir die Start- und Landebahn. Mit gut 30 Stundenkilometern befahren wir die Strecke, auf der eine Boing 737 auf bis zu 270 Sachen beschleunigt, um bei voller Auslastung ihre 75 Tonnen in die Luft zu bringen. Die Bahnbefeuerung aus tausend Lichtern säumt unseren Weg. Im Scheinwerferlicht zeugen schwarze Bremsspuren vom Reifenabrieb landender Flieger.
Und wir haben Glück: Weil der Flugplan an diesem Abend " Luft" bietet, darf die Besuchergruppe aussteigen und die Startbahn betreten. Unser Fahrer holt sich vom Tower die " Clearance" (zu Deutsch " Freigabe") und öffnet die Türen, so dass die Teilnehmer der Führung das beeindruckende Schauspiel ungehindert bewundern und fotografieren können. Was den Piloten in 10 000 Meter Höhe selbst bei Nebel und Unwetter Orientierung ermöglicht, stellt vom Boden aus eine seltene Illumination dar, die sich mit dem Osterleuchten in Kalkriese durchaus messen könnte.
Zu Fuß geht es weiter in das Innere der Gepäcksortieranlage. Auf 420 Meter Schienensystem tun hier 30 Transportwagen mit Einzelantrieb ihren Dienst. " Die Stromversorgung", so Ute Bahn, " holen sich die Wagen per Induktion von der Schiene." Das macht die Anlage extrem wartungsarm und verhindert, dass daskomplette System stillsteht, wenn ein Transportelement ausfällt: Der defekte Wagen wird einfach ausgetauscht und zurReparatur auf ein Wartungsgleis geschoben, während der Sortierbetrieb weiterläuft.
Wie alle Flüge am FMO endet unsere Reise in der Ankunftshalle. Für 30 " Passagiere", die den FMO beim nächsten Abflug mit anderen Augen sehen werden, endet ein stimmungsvoller Blick hinter die Airportkulissen. Ein Last-Minute-Schnäppchen ist der " Night Flight" allerdings nicht, eher ein Tipp für Frühbucher. Alle Teilnehmer haben sich ihre Führung schon vor Monaten gesichert. Aber es lohnt sich: Der Nachtflug ist auch ohne Take-off ein erhebendes Erlebnis.
Infos und Anmeldungen unter Tel. 0 25 71/ 94 15 15

Bildunterschriften:

1) Ein Drehkreuz des Luftverkehrs im Nordwesten Deutschlands: der Flughafen Münster/ Osnabrück (FMO).

2) Auch in den Nachtstunden kommt der Flughafen Münster/ Osnabrück nicht zur Ruhe. Das Gros der Flugzeuge wird allerdings zwischen 6 und 22 Uhr abgefertigt.

3) Am Modell informiert Ute Bahn (rechts) über die Zukunft des FMO: Die Startbahn soll auf 3000 Meter verlängert werden.

4) Ausgestopfte Warnung vor dem Abflug: In einer Vitrine sind Mitbringsel ausgestellt, die der Zoll beschlagnahmt hat. Ein Puma ist dabei, aber auch Muscheln und Schlangenledergürtel.

5) Sicherheit zuerst, auch für Besuchergruppen gilt: kein Zutritt zum Sicherheitsbereich ohne Personenkontrolle.

Fotos: Archiv (1)/ Egmont Seiler (4)


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