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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Neue Mühle: Weg frei für die Fische
Zwischenüberschrift:
Tiere sollen ihre Laichplätze erreichen können – Technik von der Uni Kassel
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Dem Fischbestand wird sie guttun. Vorerst zumindest in einem Teil der 14 Kilometer langen Hase auf Stadtgebiet. Nach mehreren verworfenen Plänen, Kritik und Diskussionen rund um das Thema in den vergangenen Jahren wird die Stadt im Spätherbst mit dem Einbau des ersten Fischpasses an der Neuen Mühle beginnen. Kritiker der Fischtreppe kommen aus den Reihen der Klimaschützer. Sie bemängeln den hohen Wasserabfluss durch die jetzt gewählte Lösung, die eine wirtschaftliche klimafreundliche Wasserkraftnutzung unmöglich mache.
Nachdem sich das Vorhaben immer wieder verzögerte, geht jetzt alles ganz schnell: Ende August soll das Bauprojekt ausgeschrieben werden und zwei bis drei Wochen später die Arbeit beginnen, die dann je nach Witterung innerhalb von drei Wochen abgeschlossen sein könnte.
Das Modell steht technisch und ist auf die Lagedetails des Gewässersabschnitts an der Neuen Mühle abgestimmt. Es soll die Voraussetzungen schaffen, dass die rund 30 Fischarten in der Hase im Wehrbereich durch Gegenstrombewegung den Höhenunterschied des Wassers überwinden und zu ihren Laichplätzen zurückkehren können. So will man den Artenbestand sichern und die Population der Tiere stärken. In einem sogenannten " Borstenfischpass" werden die Tiere fortan gegen den Strom durch grüne Kunststoffborsten schwimmen, die den Wasserdruck abfangen. Zwischen mehreren hintereinandergelagerten Borstenwällen (Gesamtstrecke 60 Meter) können die Fische Kraft schöpfen, bevor die Reise den Flusslauf hinauf weitergeht.
Auch andere Wassertiere und Kleinstlebewesen sollen so die Kraft des Wassers überlisten können. Als Nebeneffekt käme die Durchgängigkeit auch Paddelbooten zugute: Sie sollen über die Borstenelemente hinüberfahren können. Dann brauchen die Paddler an dem Wehr nicht mehr auszusteigen und ihre Boote umheben. Die Technik unterscheidet sich von den in vielen deutschen Flüssen eingesetzten Fischtreppen, bei denen Fische im Wasser auf abgestuftem Untergrund den Weg in höher gelegen Flussabschnitte finden. Denn in der Hase funktioniert solch eine Treppe an vielen Stellen nicht unter anderem wegen der verhältnismäßig hohen Fließgeschwindigkeit und der Tiefe des Wassers.
Entwickelt wurde der Fischpass bereits Ende der 90er Jahre an der Universität Kassel, wie Christiane Balks, Leiterin des Fachdienstes Naturschutz und Landschaftsplanung der Stadt Osnabrück, erklärt. Die Erfindung des Umweltforschers Dr.-Ing. Reinhard Hassinger und mehrerer seiner Studenten kommt mittlerweile in Fließgewässern wie der Lippe, der Ocker und im Spreewald zum Einsatz.
Mit dem Projekt setzt die Stadt auch die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union um, durch die der ökologische und chemische Zustand europäischer Gewässer bis zum Jahr 2015 verbessert werden soll. Die Durchgängigkeit für Fischbestände ist dabei einer von mehreren Bausteinen des Projekts " Lebendige Hase" der Stadt. Ein weiterer Baustein ist beispielsweise, die abschnittsweise oberirdische Versiegelung der Hase aufzuheben.
Das Projekt Neue Mühle kostet die Stadt mehr als 100 000 Euro. Insgesamt sieben Staustufen existieren in der Hase auf Stadtgebiet zwischen Pye und Lüstrin-gen. Für die Wehrschwelle Klöckner-Hase und die Pegelanlage Lüstringen etwa sei die Borstentechnik wegen der geringen Wassertiefe nicht geeignet, erläutert Balks. Hier will man andere Lösungen finden. Die Pernickelmühle indes hat man als zweites Wehrprojekt ins Auge gefasst derweil ist ein Ingenieurbüro beauftragt worden, eine Lösung für die Durchgängigkeit zu erarbeiten. Die Umsetzung ist für 2010 anvisiert.
Neben den ökologischen, freizeitlichen und auch touristischen Vorteilen, die man durch die " Lebendige Hase" erreichen will, werden von dem Borstenfischpass auch die Pächter profitieren, wie Wolfgang Griesert als Dezernent für Städtebau, Grün und Umwelt erklärt. Dieser ist die Niedersächsisch-Westfälische Anglervereinigung. Sie ist für die Hase fischereiberechtigt und hat über Jahre immer wieder Tiere ausgesetzt, damit sich die Bestände regenerieren.
Bildtext: Der Fischpass ist Teil des Projekts " Lebendige Hase", wie Fachdienstleiterin Christiane Balks zeigt. Foto: Michael Hehmann

Stauelemente in mehreren Reihen
Wie ein umgedrehter Straßenbesen in Grün sieht ein Borstenelement
aus nur etwas
größer: etwa 60 Zentimeter breit, 20 Zentimeter tief und mit
50 Zentimeter
hohen Borsten
versehen aus recyceltem Kunststoff in einer Kunststoffplatte. In der Kurve der Hase zwischen dem Restaurant Alando und dem Bereich alte Hase bilden mehrere Elemente eine Linie, aufgelockert durch kleine Zwischenräume. Dahinter steht eine zweite Linie. Solche Doppellinien folgen in größeren Abständen aufeinander. Der Untergrund wird für Klein- und Kleinstlebewesen etwa 15 Zentimeter tief mit Kies gefüllt.
Fische wie der Steinbeißer , das Moderlieschen , der Gründling oder der Aal können sich ihren Weg durch die Borsten oder die freien Passagen suchen. Zwischen den Elementreihen finden sie Ruheräume. Das Abfangen der Strömungskraft
geschieht auch durch eine Absenkung dieser Räume um etwa 25 Zentimeter. Treibgut (Pflanzen, Müll etc.) wird regelmäßig aus den Elementen gefischt. Ein kleiner Rampenbau vor dem Fischpass soll schon vorab das gröbste Treibgut abfangen.
Autor:
kmoe


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