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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
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Überschrift:
Fünf neue Stolpersteine für Nazi-Opfer
Zwischenüberschrift:
Verfolgt und dem Tod ausgeliefert
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Fünf Messingplatten auf dem Bürgersteig, fünf Namen mit Todesdaten zwischen 1933 und 1945 sie umfassen die gesamte Zeit des Nationalsozialismus. Die Stolpersteine am Kollegienwall 14 vor dem ehemaligen Gewerkschaftshaus erinnern an politisch Verfolgte. Es sind Gustav Haas, Heinrich Groos, Fritz Szalinski, Wilhelm Mentrup und Heinrich Niedergesäß. Das ist ihr Schicksal.
Gustav Haas, gebürtiger Rheinländer aus Waldbröl und gelernter Schlosser, engagierte sich in der Arbeiterbewegung und in der SPD. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Erster Gewerkschaftssekretär beim Deutschen Metallarbeiterverband. Als SPD-Abgeordneter war er Mitglied des Provinzial-Landtags in Hannover, als stellvertretender Wortführer im Bürgervorsteherkollegium der Stadt Osnabrück.
Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, musste Gustav Haas seine Ämter abgegeben und durfte nicht mehr arbeiten. Die neuen Machthaber holten ihn immer wieder in den frühen Morgenstunden in seinem Haus in der Herderstraße aus dem Bett und brachten ihn ins Gestapo-Gefängnis. Die ständigen Verhaftungen setzten dem großen und stämmigen Gustav Haas so sehr zu, dass er stark abnahm und noch 1933 im Alter von 47 Jahren starb an Herzversagen.
Die Nationalsozialisten versuchten zwar, einen großen Trauerzug zu verhindern, doch das gelang ihnen nicht. Es ist überliefert, dass der Trauerzug von der Johanniskirche bis zum Johannisfriedhof reichte. Er galt als letzte stille Demonstration gegen die Machthaber.
Heinrich Groos stammte aus Solingen, war ebenfalls gelernter Schlosser und führender Sozialdemokrat. Er machte Karriere und wurde Direktor des Arbeitsamtes Osnabrück. 1933 musste auch er seine Ämter abgeben und das Drangsalieren begann. Immer wieder standen uniformierte Nationalsozialisten vor seinem Haus an der Rheiner Landstraße 68, um ihn wieder und wieder für einige Zeit einzusperren.
Kurz nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 nahmen die Nationalsozialisten mit der " Aktion Gewitter" erneut politische Gegner ins Visier. Heinrich Groos war einer von etwa 5000 Betroffenen. Er wurde im August 1944 von der Gestapo verhaftet, ins Arbeitslager Ohrbeck gebracht und in das Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg deportiert. Dort starb er kurz vor Weihnachten 1944, angeblich an Magen- und Darmbeschwerden. Er wurde 68 Jahre alt.
Fritz Szalinski kam als junger Mann aus dem ostpreußischen Tilsit nach Osnabrück. Er war Werkzeughärter, bildete sich weiter und wurde Sekretär des Deutschen Metallarbeiter Verbandes. Bis 1933 war er auch Arbeitnehmervertreter beim Arbeitsgericht. Dann sperrte ihn die SA in das Polizeigefängnis an der Turnerstraße und misshandelte ihn. Um die Verhaftung vor der Bevölkerung zu rechtfertigen, beschädigten die Nationalsozialisten den Ruf des Gewerkschafters, indem sie ihm Vergehen unterstellten.
Später durfte er zwar wieder nach Hause in die Wörthstraße 37, musste sich jedoch täglich bei der Polizei melden. Im August 1944 wurde auch er Opfer der " Aktion Gewitter" wie Heinrich Groos musste er ins Arbeitserziehungslager Ohrbeck und später in das KZ Neuengamme. Dort kam er am 15. Januar 1945 im Alter von 66 Jahren ums Leben wie, ist nicht geklärt.
Wilhelm Mentrup, gebürtiger Osnabrücker, war Verwaltungsinspektor bei der AOK. 1933 wurde er entlassen, weil er Vorstandsmitglied der SPD war. 1944 musste er sein Zuhause am Wulfekamp 68 verlassen: Auch er kam nach Ohrbeck und schließlich ins KZ Neuengamme. Dort wurde er zur Arbeit in Tongruben gezwungen.
Gegen Ende des Krieges wollten Lagerkommandanten Spuren verwischen und gleichzeitig die Gefangenen sterben lassen. Wilhelm Mentrup war einer von mehr als 7000 Häftlingen, die von Nationalsozialisten auf Schiffe in der Lübecker Bucht gebracht und dort eingesperrt wurden. Die finstere Rechnung ging auf: Die Gefangenen kamen im Bombenhagel der Alliierten am 3. Mai 1945 ums Leben oder ertranken in den untergehenden Schiffen; dabei starb Wilhelm Mentrup im Alter von 68 Jahren.
Heinrich Niedergesäß aus dem ostfriesischen Norden war gelernter Maschinensetzer und wurde 1929 Parteisekretär der SPD in Osnabrück. Ab 1933 durfte er seine Arbeit nicht fortsetzen. 1937 wurde er verhaftet und wegen " Hochverrats" zu anderthalb Jahren Zuchthaus in Hameln verurteilt. Nach der Haft wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt und 1941 vorübergehend entlassen. Seine letzten Wohnungen waren in der Hasestraße 60 und in der Sackstraße 11a.
Ab August 1944 traf ihn das gleiche Schicksal wie Wilhelm Mentrup: Lager Ohrbeck, KZ Neuengamme, Tod auf einem Schiff in der Lübecker Bucht am 3. Mai 1945 Heinrich Niedergesäß war 62 Jahre alt.
Bildtexte:
Autor:
jweb


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