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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Aufpassen und gute Stimmung verbreiten
Zwischenüberschrift:
Bei Selbstüberschätzung können die beiden Ordnerinnen Isabel und Steffi bei der Inliner-Nacht auch nicht mehr helfen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ursprünglich war nur von einer Stunde die Rede. Eine Stunde mit Steffi Neißner und Isabel Krzikalla. Die beiden sind freiwillige Ordnerinnen bei der Osnabrücker Inliner-Nacht. Aber die gute Stunde auf acht Rollen wirkt nach bis heute. Es tut nämlich ungemein weh, wenn man sich beim Inlinern aufs Kreuz legt. Aber dazu später mehr.
Über Freunde sind die beiden Verlagskauffrauen anihren Ordnerposten gekommen. " Wir müssen bei Gegenverkehr darauf achten, dass niemand die Mittellinie der Straße nach links überfährt", sagt Isabel. " Und helfen, wenn jemand Probleme hat", ergänzt Steffi. Ah ja, ist ja ein angenehmer Job.
Es ist kurz vor 8 Uhr, gleich geht′s los. Ein bisschen wackelig Anfang Mai hatte ich zum letzten Mal eine längere Strecke auf Inlinern zurückgelegt rolle ich auf den Neuen Graben. Ein alter Bekannter war mir kurz vor dem Start am Ledenhof entgegengekommen, ein Holz-Köfferchen in der Hand. " Was machst du? Boulen? Aber sonst ist gesundheitlich noch alles in Ordnung?" Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch das Gefühl, mir diese kleine Überheblichkeit leisten zu können.
Die Rundfahrt geht los. Über den Heger-Tor-Wall Richtung Rißmüllerplatz. Ich komme gut rein. Zwischendurch ein Schwätzchen mit den beiden Ordnerinnen in ihren übergeworfenen orangefarbenen Warn-Leibchen. Das ist ja meine eigentliche Aufgabe: Beobachten, was sie machen. Sie rollen wie ich ruhig vor sich hin, beobachten das Feld vor uns, warnen durch erhobene Hände, wenn der Pulk plötzlich an Fahrt verliert. " Wie lässig sie das machen", denke ich noch, blicke wieder nach vorne und schaue einer anderen Mitskatenden direkt in den Nacken. Mein Versuch einer Schnellbremsung misslingt. Bodenkontakt. Der Asphalt ist knochenhart.
Ächzend rapple ich mich hoch. " Sollen wir dir unter die Arme greifen?", fragen die beiden Ordnerinnen. " Nein, nein, ist nicht so schlimm", heuchle ich männliche Härte und versuche wieder ins Rollen zu kommen. Ich beobachte jetzt nur noch mich selbst. Lässt der Schmerz nach? Wird es schlimmer? Es brennt am rechten Ellenbogen. Der Protektor ist verrutscht und scheuert auf einer blöden Schürfwunde.
Inzwischen sind wir auf der Bramscher Straße. Gleich kommen wir bei Helmut vorbei, einem Bekannten. Hoffentlich schaut er nicht aus dem Fenster und sieht mich. Glück gehabt. " Vorsicht, es geht etwas bergab", warnt mich Isabel. Meine zur Schau gestellte Schmerzunempfindlichkeit hat ihr Vertrauen in meine Inlinerkünste offenbar nicht besonders gefestigt.
Die jungen Asphalt-Rudi-Cernes, die Inline-Amateure wie mich slalomartig umkurven, gehen wir langsam auf die Nerven. Auf der Bramstraße passiert einem Mädchen mit blauem Helm dann das Gleiche wie mir. Popolandung. Die Kleine weint bitterlich, und ich weiß: Das ist keine Show. Aber sie hat es etwas besser als ich. Der Papa hat einen Kinderwagen dabei, und sie kann sich den Rest der Strecke fahren lassen.
Am Nettebad ist Pause. Ich bin schon wieder so weit fit, dass ich zum Sponsorenstand wackeln kann, um eine Wasserflasche und eine Sonnenbrille abzugreifen. Nach dem Zwischenstopp verliere ich die Verlagskauffrauen auf Rädern aus den Augen. Sie müssen jetzt die Absperrleine halten und damit verhindern, dass jemand den Discowagen an der Spitze des Feldes überholt. Da vorne ist mir zu viel Gedränge, und für noch eine Backenbremsung reicht meine Mannhaftigkeit heute nicht mehr.
Das Gefälle auf der Bremer Straße hinter der Einmündung des Hunteburger Weges nehme ich, inzwischen ganz frei von Selbstüberschätzung, mit gehörigem Respekt und ausreichend Sicherheitsabstand zu Vorausfahrenden. Nach weiteren zehn Minuten ist der Ledenhof erreicht. Isabel und Steffi sind schon da. Mit dem Seil hatten sie auch ein paar Problemchen. Trotzdem: " Hat doch Spaß gemacht, oder?" Gute Laune verbreiten gehört vermutlich auch zu ihren Aufgaben.
Bildtext: Gute Laune verbreiten und gut aufpassen, das machen Steffi (links) und Isabel, Ordnerinnen bei der Inliner-Nacht. Foto: Pentermann
Autor:
Michael Schwager


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