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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Omi und Opi zum Ausleihen
Zwischenüberschrift:
Dokumentation einer Zusammenführung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Maurice zupft sich am Ohr. Abwechselnd guckt er zu seiner Mutter und zu dem älteren Ehepaar, das freundlich auf ihn einredet. Die Frau zückt ein lachsfarbenes Stofftaschentuch und putzt sich die Nase die Blicke des Dreijährigen verfolgen jede ihrer Bewegungen. Es ist die erste Begegnung von Maurice mit seinen Großeltern in spe.
Es ist ein kühler Tag Anfang April. Die Sonne scheint hell ins Heinz-Fitschen-Haus hinein. " Die Aufregung war so groß, dass Maurice heute morgen Bauchweh hatte und nicht im Kindergarten war", erzählt Maike Ahrens. Ihr dreijähriger Sohn Maurice hatte schon lange vorher dem Treffen mit den Leihgroßeltern entgegengefiebert. Ahrens selbst hat keine Eltern mehr. Vor kurzem haben sie und ihr Mann sich dann getrennt. Jetzt lebt sie mit Maurice allein. " Erst war das o. k., aber jetzt ist es zu viel", sagt sie. " Ich brauche Hilfe."
Von daher war es eigentlich gut, dass sie sich eine Grippe einfing, erzählt sie. Ansonsten sieht sie nämlich kaum fern. So aber bekämpfte sie die Langeweile mit der Flimmerkiste und sah schließlich diesen Beitrag über Leihgroßeltern in Osnabrück. Anlaufstelle war dabei die 1. Osnabrücker Nachbarschaftshilfe. Die bot ihren Mitgliedern unter anderem die Vermittlung von " neuen" Enkeln und Großeltern an. " Wäre der Bericht nicht im Fernsehen gewesen, hätte ich das nie gemacht", sagt Maike Ahrens.
" Was ist das?", fragt Maurice und deutet mit dem Finger auf ein Ruderboot, das in einem Buch abgebildet ist. Das Bilderbuch haben ihm Ilse und Norbert Kettler bei der ersten Begegnung geschenkt. Nun stehen die vier beisammen und sehen es sich an. Erika Folkens von der Nachbarschaftshilfe, die die beiden Familien vermittelt hat, hält sich im Hintergrund. " Ein Ruderboot, das braucht keinen Motor", antwortet Norbert Kettler dem Dreijährigen und imitiert dabei die Ruderbewegung mit seinen Armen. Maurice guckt ihn mit großen Augen an.
Enkel haben die Kettlers zwar auch selbst. Doch die wohnen weit weg in Frankfurt am Main. Die Eheleute fühlen sich einfach nicht ausgelastet. " Das kann′s wohl noch nicht gewesen sein", meint Ilse Kettler. Sie und ihr Mann wünschen sich eine " gemeinsame, sinnvolle Aufgabe". Obwohl sie zusammen als Hausverwalter tätig sind Ilse Kettler nun schon seit 28 Jahren. Norbert Kettler hat sich ihr angeschlossen, als er in Rente ging. Zuvor war der 60-Jährige Fachkraft für Arbeitssicherheit. Ilse Kettler ist außerdem Schöffin am Osnabrücker Landgericht. Aber: " Das ist mir zu wenig und zu selten", sagt die 57-Jährige.
Von dem Leihgroßeltern-Prinzip hatten sie schon gehört. Etliche Male hatten sie diese Idee aber wieder verworfen. Als sie neulich erneut davon lasen, entschlossen sich die beiden dann doch zu einem Versuch und kontaktierten die 1. Osnabrücker Nachbarschaftshilfe.
" Kommt ihr uns mal besuchen?", fragt Ilse Kettler Maurice. Offensichtlich hat sie den kleinen Blondschopf mit den großen blauen Augen gleich in ihr Herz geschlossen. Maurice schüttelt schüchtern den Kopf. Doch die Erwachsenen sind sich einig: So etwas braucht Zeit und kann sich eben nur schrittweise entwickeln. Schließlich tauschen Maike Ahrens und Ilse und Norbert Kettler kleine Zettelchen mit ihren Adressen darauf aus. " Wir sind immer erreichbar", sagt Ilse Kettler noch.
Seitdem sind fast drei Monate vergangen. Es ist Juli. " Ganz hoch will ich, Opi!", ruft Maurice und saust durch die Luft. Norbert Kettler steht hinter dem Dreijährigen und schubst die Schaukel an. Maurice lacht vergnügt. Seine Wangen sind gerötet. Eben hat er schon Fußball mit Norbert Kettler gespielt. Der ist heute aber auch zu den Ahrens gekommen, um nach der Gartensprenganlage zu gucken und den neuen Grill aufzubauen, den die junge Patchwork-Familie am Sonntag in Betrieb nehmen will.
" Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht", sagt Maike Ahrens. " Ich fühle das als Familie", beschreibt sie das Verhältnis zu den Kettlers. " Als wenn es nie anders gewesen wäre", ergänzt Ilse Kettler: " Sollte uns jemand nach Maike fragen, würde ich sagen, das ist unsere Tochter."
Rückblende: Gleich nach der ersten Begegnung hatte Maike Ahrens eine Magenverstimmung. Besorgt riefen die Kettlers immer wieder an und erkundigten sich nach ihrem Befinden. Am Sonntag darauf brachten sie einen Kuchen bei Maike und Maurice Ahrens vorbei. So setzte sich die Beziehung eher ungezwungen und spontan fort, erzählt Ilse Kettler. Norbert Kettler reparierte bei den Ahrens′ hier und da etwas, die Leihgroßeltern holten Maurice von der Schule ab, oder die vier tranken einfach nur Kaffee zusammen.
Doch schon bald ergaben sich einige Zwangspausen. Zunächst fuhren Mutter und Kind zur Kur nach Plön die Kettlers brachten sie persönlich hin und holten sie auch wieder ab. Jeden zweiten Tag hörten sich die vier am Telefon. " Danach haben wir uns dreimal gesehen, dann sind wir in den Urlaub gefahren", sagt Ilse Kettler. " Ich hätte die beiden gern eingepackt und mitgenommen."
So wurde die Beziehung zwischen den Familien trotz der Pausen schnell sehr intensiv wie sich auch beim Wiedersehen nach dem Urlaub zeigte: " Obwohl die Kettlers im Urlaub waren und wir auf Kur Maurice war so, als ob wir uns jeden Tag gesehen hätten." Der Kleine spricht von den Kettlers nur noch als Omi und Opi.
Bildtexte: Ein Bilderbuch haben Ilse und Norbert Kettler beim ersten Treffen für Maurice mitgebracht. Der Kleine hält sich aber noch eng an seine Mama Maike Ahrens. Foto: Klaus Lindemann
Für den strahlenden Maurice sind Ilse und Norbert Kettler inzwischen Omi und Opi. Mit Mama Maike ist eine neue Familie entstanden. Foto: Thomas Osterfeld
Autor:
Cathrin Mahns


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