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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Er wollte die Brücke nicht sprengen
Zwischenüberschrift:
Nach der Bombenräumung: Eine Zeitzeugin erinnert sich an ihren Vater und einen mutigen Entschluss
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Noch gibt es keine endgültige Bomben-Entwarnung für die Kanalbrücke in Eversburg. Sicher ist seit gesternnur, dass auf der einen Brückenseite außer den beiden am Freitag gefundenen keine weitere Fliegerbombe liegt. Die Suche wird nach Auskunft der Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst heute auf der Pyer Seite fortgesetzt.
Dass sie dort noch eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg finden werden, davon sind der Hollager Michael Bartke und seine Mutter fast überzeugt. Die Geschichte dieser Brücke im Zweiten Weltkrieg ist auch ein Teil ihrer Familiengeschichte. " Mein Vater hatte den Auftrag, die Brücke zu sprengen", erzählt die 80-jährige Hedwig Bartke, geborene Hörnschemeyer, die auf einem Pyer Kotten unweit der Kanalbrücke aufgewachsen ist.
Jetzt sitzt sie im Wohnzimmer ihres Hauses in Hollage, das sie und ihr Mann Ende der 1950er Jahre gebaut haben. Auf dem Esstisch liegt eine Tischdecke mit Blümchenmuster, es gibt Kaffee und Plätzchen, und Hedwig Bartke erinnert sich.
Die deutschen Soldaten haben an den Kanalbrücken Bomben installiert, um sie sprengen zu lassen und so die Engländer am Vormarsch zu hindern. Eine Strategie, von der ihr 1898 geborener Vater Bernhard Hörnschemeyer und viele andere Pyer nicht überzeugt gewesen seien.
Ihre Sorge sei nicht gewesen, dass die Engländer näher kamen, sondern dass die Einheimischen ohne diese Brücke nicht zurechtkommen würden. " Wir hätten nicht zur Arbeit gekonnt und nicht mehr das Vieh zur Weide bringen können und den Heuwagen nicht auf die Wiese", erklärt Hedwig Bartke.
Immer wieder hätten ihr Vater und ein Kollege, mit dem er sich den Auftrag teilte, " Druck gekriegt" von den Soldaten, weil die Brücke weiterhin stand. Den Erinnerung der zierlichen alten Dame zufolge spielte sich dies innerhalb weniger Tage ab. " Die hatten richtig Angst", sagt sie und zitiert ihren Vater, der wegen eines Rückenleidens nicht zur Wehrmacht eingezogen werden konnte, mit den Worten " Was soll ich bloß machen?".
Sich einfach zu weigern, wäre in dieser Zeit, so knapp vor der Befreiung durch die Alliierten, noch lebensgefährlich gewesen. " Die hätten ihn an die Wand gestellt", sagt Hedwig Bartke leise. Und ein bisschen ist es so, als hätte sie Sorge, das Handeln ihres Vaters könnte heute noch negativ bewertet werden. " Ich krieg die Drähte nicht zusammen", habe er den Soldaten gesagt. " Es klappt nicht."
Und es sollte auch gar nicht klappen. Es ist Bernhard Hörnschemeyers Enkel Michael, der es ganz klar ausspricht: Sein Großvater hat die Sprengung der Brücke sabotiert, weil er keinen Sinn darin sah. Er hat so getan, als versuchte er es, bis die Engländer schließlich da waren und der Krieg in Osnabrück vorbei.
Michael Bartke, Jahrgang 1966, kennt diesen Teil seiner Familiengeschichte nur aus Erzählungen. Aber er interessiert sich sehr dafür und hat immer wieder nachgehakt, um so viel wie möglich zu erfahren. " Die hatten vor den eigenen Leuten mehr Angst als vor den Engländern", sagt er. Für ihn steht außer Frage, dass es eine späte Anerkennung für seinen Großvater ist, wenn diese Geschichte erzählt wird.
" Vater war ja auch ein ehrbarer Mensch", sagt schließlich Hedwig Bartke, " er hat jedem geholfen." Nicht zuletzt den Pyern, denen dank seines Mutes nicht die Brücke zur Arbeit und zu den Weiden genommen wurde.
Bildtext: Bewies Mut: Bernhard Hörnschemeyer, hier vermutlich im Jahr 1945. Foto: privat
Autor:
Anne Diekhoff


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