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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Geschlagen, gejagt und getötet
Zwischenüberschrift:
Stolpersteine in Osnabrück: Erinnerung an die Familie Silbermann
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Für die Silbermanns begann die Katastrophe im November 1938. Sie lebten an der Neuen Straße 20 einige Meter von der Dominikanerkirche entfernt. Im Gehweg davor erinnern Messingplatten jetzt an vier Familienmitglieder, die von Nationalsozialisten ermordet wurden.
jweb Osnabrück. Diese vier Andenken gehören zu dem Projekt Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig, das von Osnabrücker Bürgern gefördert wird. Bis jetzt wurden 32 Messingtafeln auf Bürgersteigen in der Stadt verlegt dort, wo Opfer des Nationalsozialismus gelebt und gewirkt haben. Paten stifteten diese Stolpersteine. Im Falle der Silbermanns sind es Gerhard Hinkeldey und Clemens Gruber.
Die Silbermanns wurden ermordet, weil sie Juden waren. Der erste Tote von ihnen war Julius Silbermann, einer von drei Söhnen der Familie. Er war Kaufmann und lebte zeitweise in Holland und Belgien, wurde jedoch nach der Pogromnacht am 9. November 1938 in Osnabrück aufgegriffen. Wie es genau dazu kam, ist nur ungefähr bekannt. Es wird vermutet, dass er zunächst im Schloss inhaftiert war. Kurze Zeit später wurde er nach Buchenwald ins Konzentrationslager gebracht. Nach wenigen Wochen holten Mitglieder der Lager-SS ihn und einen Mitgefangenen eines Nachts aus ihrer Baracke und erschlugen beide. Julius Silbermann starb mit 33 Jahren. Ob seine Eltern überhaupt von seinem Tod erfahren haben, ist ungewiss.
Nur einem aus der Familie gelang es, das Land zu verlassen: 1939 emigrierte Alfred Silbermann nach England. Er war mit 32 Jahren der jüngste Sohn. Die übrige Familie blieb bis September 1940 an der Neuen Straße, als sie gezwungen wurde, in das " Judenhaus" in die Kommenderiestraße 11 zu ziehen. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert. Die Mutter, Johanna Silbermann, kam nach zwei Monaten ums Leben. Sie war 68 Jahre alt. Ebenso wie ihr Mann Israel, als er ein Jahr später starb. Auch ihr 1904 geborener ältester Sohn Siegfried, der Ingenieur war, kam in Theresienstadt ums Leben. Unter welchen Umständen dies geschah, ist nicht bekannt ob es gezielte Morde oder die mörderischen Arbeits- und Lebensbedingungen waren.
Clemens Gruber, Pate der Stolpersteine, legt einen Finger in die Wunde: " Sie waren unsere Nachbarn, sie lebten in Osnabrück, hatten hier Freunde, Bekannte, waren in der Stadt eingebunden und dennoch konnten oder wollten ihre Bekannten, Nachbarn und Mitbürger die Diskriminierung, Verfolgung und am Ende den gewaltsamen Tod nicht verhindern." Die Familie Silbermann ist eine von vielen jüdischen Familien, die oft nachts von SA-Truppen überfallen, noch im Bett mit Gummiknüppeln geschlagen und auf die Straße gejagt wurden, wie Gruber einige Zeugen zitiert.
Eine überlebende Nichte von Johanna Silbermann lebt in Sun City, USA. Die 95-Jährige begrüße das Andenken in Osnabrück sehr, berichtet Gruber. Und eine Großnichte ist Berufsschullehrerin in Flensburg: Esther Goldschmidt engagiert sich für das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen und ist dort auch Patin.
Esther Goldschmidt hat die Geschichte ihrer Familie in ihrem Buch " Vergangene Gegenwart" beschrieben. Clemens Gruber zitiert daraus: " Manchmal leide ich ihre Qualen mit. Die Angst derer, die, in stickige Waggons eingepfercht, einem unvorstellbaren Grauen entgegenfuhren." / Bildtext: Sie mussten sterben, weil sie Juden waren. Die Familie Silbermann lebte bis 1940 an der Neuen Straße 20. Vier Stolpersteine erinnern an ihr Schicksal. Fotos: Michael Hehmann
Autor:
jweb


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