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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Milbe ist wie ein Personalausweis
Zwischenüberschrift:
Was die Osnabrücker Entdeckung für die Wissenschaft bedeutet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Im Gefieder einer ausgestopften Schleiereule haben Forscher eine neue Millbenart entdeckt. Den Normalbürger juckt das eher wenig. Aber für die Wissenschaft ist das hochspannend. Denn Milben sind so etwas wie die Personalausweise der Vögel und dienen dazu, die Verwandtschaftsgrade zwischen den Vögeln zu bestimmen.
Was sind Milben? Sie gehören zu den Spinnentieren und haben ihren Lebensraum überall, wo es organische Nahrung gibt: im Boden, auf Planzen, Mensch und Tier. Sie sind winzig klein. Einige Arten bringen es auf höchstens 0, 1 Millimeter Länge. Die größte Art ist die Zecke, die im Blutrausch auch Zentimetergröße erreichen kann. Es gibt Milbenarten, die Körper und Gefieder ihres Wirtstieres sauber halten und daher gern gesehen sind. Es gibt aber auch Parasitenarten, die Blut saugen. Siehe die Zecke.
Wo haben die Forscher die neue Milbenart entdeckt? Das Naturkundemuseum am Schölerberg besitzt eine große Sammlung an ausgestopften Tieren. Im Gefieder dieser Tiere sitzen die Milben. Sie verlassen das Wirtstier nie, auch wenn es gestorben ist und sie damit selbst dem Tod geweiht sind. Etwa 1500 Stücke stehen in den Depots des Museums. Für den Milbenliebhaber und emeritierten Hochschullehrer Prof. Dr. Rainer Ehrnsberger aus Wallenhorst und seinen Kollegen Prof. Dr. Jacek Dabert von der Universität Posen ist die Sammlung eine Schatzkiste. Ehrnsberger geht ehrenamtlich und aus purer wissenschaftlicher Neugier auf die Suche nach den Tierchen.
Woran ist die neue Art zu erkennen? Der polnische Milben-Papst Jacek Dabert hat bei der Begutachtung der Osnabrücker Milbe ein neues Verfahren angewandt: die " molekularbiologische Untersuchung mit DNA-Sequenz". Dabei ist ihm seine Frau Dr. Mirka Dabert zu Hilfe gekommen, die ebenfalls an der Uni Posen arbeitet. Sie hat so etwas wie einen genetischen Fingerabdruck erstellt und damit den Nachweis erbracht, dass die Milbe von der ausgestopften Osnabrücker Schleiereule bislang der Wissenschaft entgangen war. Danach machten sich die Experten daran, unter dem Mikroskop nach Unterschieden im Körperbau zu suchen. Es gibt sie, zum Beispiel sind einige Borsten kürzer als bei bekannten Arten. Der neuen Art gaben die Entdecker den Namen " Glaucalgis tytonis" Glaucalgis steht für die Milbe, tytonis ist von dem lateinischen Namen für die Schleiereule abgeleitet.
Warum ist die Milbe der Personalausweis für einen Vogel? Jede Vogelart hat ihre spezielle Milbe die Schleiereule die " Glaucalgis tytonis", wie wir jetzt wissen. Die Spinnentierchen sind so hoch spezialisiert, dass sie nur auf dieser ihrer Vogelart leben können, manche Milben sogar nur an bestimmten Stellen im Gefieder dieses Vogels. Das heißt: Ist eine Milbe identifiziert, ist auch der Vogel bekannt. Das ist nützlich, wenn Forscher in die Entwicklungsgeschichte zurückgehen und Verwandtschaften zwischen Vogelarten ermitteln wollen. An den Milben ist eine Verwandtschaft leichter zu erkennen als am Knochenbau der Vögel.
Was bedeutet der Fund für das Museum? Ehrnsberger und Dabert haben in der Osnabrücker Sammlung in den vergangenen 15 Jahren zehn neue Milbenarten und zwei neue Gattungen entdeckt. " Das ist sehr wichtig für uns", sagt Museumsdirektor Dr. Dietmar Grote. Denn jeder Fund beweise die Bedeutung der Sammlung. Es gebe immer wieder kritische Fragen von Politikern, ob die Sammlungen nicht aufgelöst oder verkauft werden könnten, um Einnahmen zu erzielen oder Geld zu sparen. Grote sagt Nein: " Die Sammlungen sind das Geschichtsbuch der Natur und unbedingt zu erhalten." / Bildtext: Die Milbe der Schleiereule, millionenfach vergrößert. Entdeckt haben sie Jacek Dabert (links) und Rainer Ehrnsberger (rechts). In der Mitte Museumsdirektor Dietmar Grote. Foto: Gert Westdörp
Autor:
hin


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