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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das geht mir ins Ohr
Zwischenüberschrift:
Tock, tock: Wenn der Schulleiter zweimal klopft
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" Schreib doch mal was über Geräusche, die du mit deiner Schule in Verbindung bringst", bittet der Kollege. Geräusche aus meiner Schule? " Da fällt mir so spontan nichts ein", entgegne ich. " Ach, das ist doch nicht schwer: der Lehrer, der immer mit der Kreide über die Tafel gekratzt hat, das Pausenklingeln, das man nie mehr vergisst. Da gibt es jede Menge." Sagt der Kollege. Aber ganz ehrlich: Der Pausengong meiner Schule war so unspektakulär, dass ich ihn längst verdrängt habe. Dabei liegt meine Schulzeit so schrecklich lange nicht zurück. Und die Lehrer haben immer anständig geschrieben. Die Kreide hat die Tafel sanft gestreichelt, mehr nicht.
Da fällt mir ein, dass es tatsächlich ein Geräusch gibt, das mir im wahrsten Sinne des Wortes ins Ohr gegangen ist und sich dort bis heute prima hält: Aus einem Lautsprecher im Klassenzimmer ertönt doppeltes, dumpfes Klopfen, gefolgt von einer sonoren Stimme, die sagt: " Bitte Aufmerksamkeit für einige Durchsagen . . ." Dann wird die Erinnerung wach an unseren Schulleiter, der mindestens einmal am Tag zur versammelten Schulgemeinde sprach, ohne dass sich alle in der Aula unseres Gymnasiums trafen. Ein Soundsystem mit einem Mikrofon im Zimmer des Rektors und einem Lautsprecher in jedem Klassenzimmer, ja in jeder Besenkammer machte es möglich. Seine Durchsagen leitete der Schulleiter ein, indem er mit dem Finger zweimal aufs Mikrofon klopfte: tock, tock. Dem folgten Ansagen organisatorischer Natur: Hinweise auf Elternabende, kurzfristige Raumänderungen oder aber eine fernmündliche Standpauke, wenn Schüler wieder mal nicht nett zu den Mitarbeiterinnen im Sekretariat gewesen waren.
Das alles war zwar eher langweilig, aber es hatte sein Gutes: Hochwillkommen waren uns die Durchsagen, wenn der Lehrer gerade Vokabeln abfragte: Während der Schulleiter redete, war im Klassenzimmer Funkstille angesagt. Das verschaffte dem Prüfling einige Minuten zusätzliche Bedenkzeit.
Ab und an gab′s auch was zu lachen. Beispielsweise dann, wenn der Schulleiter die Oberstufenschüler ermahnte, die mit dem Auto zur Schule kamen: Sie sollten doch bitte darauf achten, ihre Fahrzeuge so zu parken, dass " die alten Leute besser auf den Friedhof kommen". Selten haben wir in der Klasse so gelacht. Was der Rektor meinte: Die Schüler stellten die Autos oft so ab, dass die Wege zum nahe gelegenen Friedhof blockiert waren. Darüber wiederum beschwerten sich vor allem die Bewohner des Seniorenzentrums in der Nachbarschaft unseres Gymnasiums.
Ich frage mich, ob es die Durchsagen immer noch gibt. Vermutlich hat jeder Schüler mittlerweile einen Laptop. Und der Schulleiter verschickt das, was er zu sagen hat, einfach per E-Mail.
Autor:
Jens Buchkremer


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