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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das geht mir ins Ohr
Zwischenüberschrift:
Wenn selbst das Meer schweigt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Rings um mich herum ist nur Stille. Absolute Stille, das endgültige Nichtvorhandensein irgendwelcher Geräusche. Und dunkel ist es auch. Kein Licht, tiefstes Schwarz als Ergänzung taubhafter Geräuschlosigkeit. Bin ich tot? Ist das das Ende?
Erst mit dem sanften Erwachen weicht der Schreck. Nicht der Sensenmann hat mich unter seinen finsteren Umhang genommen. Es ist nur Nacht, und ich habe mir im Schlaf die Decke über den Kopf gezogen. Und es ist keine Osnabrücker Nacht. Es ist eine von diesen Nächten auf Langeoog. Hier ist es still, so still, dass das leise Knarzen, das ich jetzt vernehme, nicht von einer rostigen Tür kommt, sondern von meinen nikotinverklebten Bronchien. Mit jeder weiteren Minute, in der ich meinem Atmen hinterherlausche, kehrt das Bewusstsein Stück für Stück zurück. Und damit auch die Erinnerung an das, was ich überhaupt nicht vermisse: den Lärm und das Getöse der Heimat, die nur schlappe 200 Kilometer von der Insel entfernt liegt.
Da gibt es zwar einige Räume der Stille, die aber alle nicht so weit von der alltäglichen Geräuschkulisse entfernt sind, dass man von wirklicher Geräuschlosigkeit sprechen könnte. Ganz anders auf Langeoog. Bei Windstille wie an diesem Abend kann es sein, dass man gar nichts hört, nicht einmal das Meer. Das ist beeindruckend. Ebenso wie die Tatsache, dass ich die Geräuschkulisse, der ich ja eigentlich entfliehen wollte, auf einmal vermisse. Aber nur kurz. Wenn man sich erst einmal an den Gedanken gewöhnt hat, dass absolute Ruhe etwas ganz Normales ist, kann man mit ihr bestens leben. Einfach weil man merkt, wie viel Stress permanenter Lärm verursacht.
Unter Dauerbeschallung
Ein Beispiel: Die musikalische Dauerbeschallung im Supermarkt, deren Wirkung auf mich sich im Laufe der Jahre krass verändert hat. Erstaunlicherweise summe ich heute die Lieder mit, die noch zur Jugendzeit unter die Rubrik " Geht gar nicht" fielen. Da setzen sich gut gewählte Ohrwürmer fest, die ich genauso wenig wieder loswerde, wie ich sie haben wollte. Nervig ist das!
Ihr einziger Vorteil: Vor dem leer gekauften Milchregal macht der alte Mamas-und-Papas-Titel " No Milk Today" mal so richtig Sinn. Jetzt fühle ich mich nicht nur akustisch belästigt, sondern auch noch verar . . . Woher wissen die in der Zentrale bloß, dass das jetzt die passende Musik zu meinem wegen Produktmangels gescheiterten Einkauf ist? Durch das Mitgesumme gelingt es mir allerdings, den Presslufthammer von der Baustelle nebenan wenigstens innerlich zu unterdrücken man darf halt nicht undankbar sein.
Was bleibt, ist jedes Jahr die Hoffnung. Die Hoffnung auf die jährliche Geräuschebereinigung auf Langeoog, auch wenn sie manchmal mit einer Todesvision beginnt. Dem Schreck folgt dann immer die Erholung. Gott sei Dank!
Autor:
Dietmar Kröger


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