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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Im Kaufhaus einfach still stehen bleiben"
Zwischenüberschrift:
Theologe Klaus Künkel über Möglichkeiten, im Alltag Ruhe zu finden
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Klaus Künkel ist Professor für evangelische Theologie und Religionswissenschaft im Ruhestand. Seit über 25 Jahren leitet er Seminare für Meditation und Kontemplation und eine Meditationsgruppe in Osnabrück, die sich wöchentlich trifft.

Herr Künkel, viele Menschen leiden unter der Hektik und dem Lärm in ihrem Alltag und sehnen sich nach Ruhe. Aber es gelingt ihnen nicht, still zu werden. Woher kommen diese Schwierigkeiten?
Man hat es nicht gelernt. Bei uns gilt " Reden ist Gold, Schweigen ist Silber". Im normalen Alltagsgetriebe soll man immerzu mittreten, und auch in der Schule wird vorwiegend Stress gemacht. So werden wir erzogen. Wenn nach außen scheinbar nichts passiert, gilt das als verlorene Zeit. Man müsste den Menschen heute Räume der Stille bieten, um sich zurückzuziehen und bei sich selbst anzukommen. Die Kirchen sollten offen sein, so dass man in ihnen zur Ruhe kommen kann. Der Dom ist da geeignet, weil er groß ist und kleine Räume und Nischen zum Sichzurückziehen hat. Es sollten aber noch mehr Kirchen sein, die zur Stille einladen. Und warum kann so ein Raum nicht auch im Rathaus oder in der Universität sein vergleichbar mit dem Raum der Stille am Brandenburger Tor in Berlin?

Wenn keine offene Kirche in der Nähe ist oder man Kirchenräume nicht so mag was kann man praktisch tun?
Man kann zum Beispiel im Kaufhaus einfach mal still stehen bleiben, einige Augenblicke auf seinen Atem achten, seine Füße spüren am Boden und seine leibliche Gestalt wahrnehmen. Das kann man auch zu Hause machen: immer mal wieder bewusst ruhig durchatmen, sich selbst spüren, vielleicht dabei Vögel beobachten.

Die Stille findet im Körper statt?
Ja. Sich von der Hektik zurückziehen und im Leib ruhig werden. Ein Rat von mir dazu ist: Die ersten drei Bissen beim Essen still, ohne zu reden, langsam kauen und wahrnehmen, wie es schmeckt. Das ist wie ein Tischgebet. Danach kann man wieder plaudern. Das ist dann das Gegenteil eines sogenannten Arbeitsessens.

Still zu werden und so in Beziehung zu Gott und zu sich selbst zu kommen hat eine lange Tradition auch in der christlichen Kirche. Können wir heute daran anknüpfen?

In unserer Tradition gibt es den Sonntag, das ist eine Zeit der Einkehr. Man kann innehalten und merken: Das Schöpfungswerk Gottes geht weiter, auch wenn ich es nicht ständig durch meine Arbeit in Gang halte. Aber bei uns ist der Sonntag als Ruhetag angeknackst, es gibt immer häufiger verkaufsoffene Sonntage und vielerlei Aktivitäten. Für den Sonntag muss man sich heute einsetzen. Es müsste kirchliche Angebote zur Einkehr und Stille geben. Wenn Meditation und Kontemplation nicht ganz bewusst von den christlichen Kirchen angeboten werden, gehen die Menschen zu den anderen Religionen. / Bildtext: Klaus Künkel, Theologe: " Die ersten drei Bissen beim Essen still, ohne zu reden, langsam kauen und wahrnehmen, wie es schmeckt."
Autor:
sey


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