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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Kaum auszuhalten im trauten Heim
Zwischenüberschrift:
Anwohner des Walls kämpfen seit Jahren gegen Lärm und Abgase – bisher vergeblich
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Vor diesen Wohnhäusern ist es so laut, dass man sich auf dem Bürgersteig nur mit angestrengt erhobener Stimme, fast schreiend unterhalten kann. Der Krach von den Lastwagen und Autos, die auf dem Wall vier- bis sechsspurig dicht an dicht fahren, ist nervtötend. Eigentlich möchte man als Fußgänger hier nur eins: möglichst schnell weg!
Von Gunhild Seyfert
Osnabrück. Am Johannistorwall wohnen Ursula und Wilhelm Unland. Seit 50 Jahren, die Wohnung im Erdgeschoss ist ihr Eigentum. Ihre Wohnung ist sehr aufgeräumt, warme Farben bestimmen den Ton und ein Zimmerspringbrunnen sorgt für zartes Geplätscher. Die massiven Schallschutzfenster in ihrem Wohnzimmer halten erstaunlich viel ab von dem Krach auf der Straße. Aber wenn, wie so oft, ein Lkw vorbeifährt, ist er deutlich herauszuhören und verschattet das Wohnzimmer. Ein Gefühl von Enge und ständiger Unruhe entsteht.
" Das Lüften ist hier sehr schwierig", gesteht Wilma Unland, die ebenfalls hier wohnt. Am Wall ist es nicht nur laut, die Luft riecht nach Autoabgasen und ist schmutzig, man möchte sie nicht im Wohnzimmer haben. " Ich mache hinten alle Fenster auf und hoffe, dass diese Luft dann nach vorne kommt", erzählt Wilma Unland mit einem unsicheren Lächeln.
" Nachts wache ich auf, weil da diese Erschütterungen sind." Marlene und Rolf Mehrmann haben ihr Haus an der Hasemauer in der Nähe der Vitischanze, beide leiden unter dem Dauerlärm. " Ich habe unseren Balkon zwar bepflanzt, damit es schön aussieht, aber er ist unbenutzbar", sagt Marlene Mehrmann. Am Hasetor drückt mancher noch mal schnell aufs Gas, damit er die Grünphase der Ampel erwischt. Fährt ein Lkw über einen erhöhten Gullydeckel, schlägt sein Gewicht mehrfach kurz hintereinander auf die Straße. Die Fundamente der Häuser am Wall beginnen zu zittern, die Gläser klirren im Schrank, die Erschütterungen stören den Schlaf.
Die Anwohner des Walls wissen, dass Krach und Dreck des Autoverkehrs die Gesundheit schädigen. Aber es ist schwer, sich einzugestehen, dass man im eigenen Haus, in der eigenen Wohnung davon krank wird. " Es ist ja unklar, woher die Beschwerden kommen", Marlene Mehrmann ist verunsichert. " Meine langanhaltende Erkältung, mein schlechter Schlaf kommt das von den Abgasen, dem Feinstaub und dem Lärm, oder ist das altersbedingt?" " Man wollte sich kümmern um ein Nachtfahrverbot für Lkw. Man sagte uns, erst müsste die Feinstaubbelastung gemessen werde, danach könnte man Maßnahmen gegen den Lärm ergreifen. Die Feinstaubbelastung ist seit knapp zwei Jahren gemessen, aber es passiert nichts!" Klaus und Brigitte Möller besitzen ein Mehrfamilienhaus am Johannistorwall. Die Wohnungen dort sind nur noch schwer zu vermieten, weil es den meisten Menschen dort viel zu laut ist. Die Anwohner des Walls haben das Gefühl, die Zeche zu zahlen für den zunehmenden Auto- und Schwerlastverkehr und alleingelassen zu werden von der Politik
" Der Wall ist ein Dauerthema, die Situation dort lässt sich nur begrenzt verbessern." In der Stimme von Franz Schürings, Leiter des Fachbereichs Städtebau in der Verwaltung von Osnabrück, schwingt Resignation mit. Der für Stadtentwicklung und Umwelt zuständige Ausschuss des Rates hat entschieden, zuerst etwas gegen den Ausstoß von CO2 und Feinstaub zu unternehmen. Dabei soll dann auch etwas gegen den Autolärm getan werden. Tatsächlich geschehen ist aber gegen alle drei Emissionen noch gar nichts.
Die Ergebnisse der Schallmessungen am Wall sind alarmierend und für Kommunalpolitiker entmutigend. Tagsüber beträgt der Schalldruck hier 70 Dezibel, nachts immer noch 60 bis 65 Dezibel. Das ist eindeutig gesundheitsschädigend aber wie soll man esändern mit den Mitteln, die der Stadt zur Verfügung stehen? Um nur annähernd in den Bereich einer verträglichen Lärmbelastung für Wohngebiete von tags 55 dB( A) und nachts 45 dB( A) zu kommen, müsste der Auto- und Schwerlastverkehr am Wall um mehr als die Hälfte zurückgehen.
Die Anwohner des Walls fordern ein Nachtfahrverbot für Lkw und eine Verkehrsverlagerung auf andere Straßen. Aber davon hält Franz Schürings nicht viel, auf diese Weise würde man das Problem nur verschieben.
Warum bleiben diese Menschen trotz allem am Wall? " Unser Haus ist Familienbesitz in der vierten Generation!" Wilhelm und Ursula Unland kommt es nicht in den Sinn, im Alter noch umzuziehen. " Wir haben hier unsere Wurzeln, wir wollen hier bleiben!" Im Haus gebe es eine gute Gemeinschaft, die seit Jahrzehnten zusammenhalte. Rolf Mehrmann schätzt die zentrale Lage seines Hauses, und er bestätigt: " Es leben zwar immer weniger Menschen am Wall, aber ich wurde hier geboren, ich möchte hier bleiben." / BIldtext: Wer am Wall wohnt wie die Unlands, Mehrmanns oder Möllers, muss einiges aushalten. Foto: Michael Hehmann
Autor:
Gunhild Seyfert


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