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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein ständiges Rauschen, ist das Lärm?
Zwischenüberschrift:
Laut oder leise – das ist auch eine Frage der Einstellung und der Lebenssituation
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Hier hält der Name, was er verspricht: Am Vogelsangweg in Lüstringen hört man den Gesang von Amseln, Meisen und Zilpzalp und sonst nichts. Hin und wieder kann man einem einzelnen Auto oder einem Rasenmäher lauschen. Im Nordosten Osnabrücks liegt das einzig wirklich ruhige, im Lärmimmissionsplan mit " grün" markierte Wohngebiet unserer Stadt.
Von Gunhild Seyfert
Osnabrück. Die großen Lärmverursacher sind allesamt weit weg: Es gibt keine Auto- und keine Eisenbahn, keine Industrie und auch kein Sportstadion. Villen auf weitläufigen, blickdicht eingewachsenen Grundstücken und Siedlungshäuser aus den fünfziger Jahren mit richtig ordentlichen Gärten prägen das Bild.
" Wir waren die ersten Siedler hier, und wir wissen, dass wir in der ruhigsten Gegend von Osnabrück leben." Karl Kunz hat vor 52 Jahren sein Haus auf das Land gebaut, das die damals selbstständige Gemeinde Lüstringen nach Kriegsende veräußerte.
Der große Garten jedes Siedlungshauses war damals eine " landwirtschaftliche Nebenerwerbsstelle". Nach Hunger und Not sollte jede Familie in der Lage sein, sich mit Kartoffeln und Gemüse aus dem eigenen Garten selbst zu versorgen. " Wenn ich unseren Hund mal weglasse, wohnen wir hier wirklich sehr ruhig", lacht sein Sohn, der seit seiner Geburt hier wohnt.
Am Ende einer dieser ruhigen Straßen sitzt Klaus-Dieter Kröger, umgeben von seinen drei laut und munter spielenden Enkelkindern. Irgendwo quakt ein Frosch in einem Gartenteich. Aber die Idylle trügt. Klaus-Dieter Kröger ist gelernter Maurer und sucht seit Jahren vergeblich einen Job. " Als ich Hartz IV beantragen musste, haben sie gesagt, bei mir sei Vermögen vorhanden. Ich soll mein Grundstück teilen und den Garten als Bauland verkaufen. Mein Haus soll ich auch verkaufen, ich bräuchte nicht so ein großes Haus, sagen sie."
Bislang hat Klaus-Dieter Kröger sich diesem Druck verweigert. Er lebt mit seiner Frau von deren schmalen Einkünften und von geringfügigen Mieteinnahmen, die er von Verwandten, die mit im Haus wohnen, bekommt. " Vielleicht sollte ich bald wieder anfangen, in meinem Garten Kartoffeln und Gemüse anzubauen. Es ist alles so teuer geworden, da lohnt sich das wieder für uns", sagt er bitter.
So ruhig wie am Vogelsangweg haben es die meisten Osnabrücker nicht. Auch nicht Andrea Jürgens im Baugebiet " Am Mühlenkamp": " Wir sind wegen der nahen Autobahn hierher gezogen. Mein Mann und ich sind viel unterwegs. Durch die Autogeräusche fühlen wir uns überhaupt nicht beeinträchtigt!" Was ein Graus wäre für lärmempfindliche Zeitgenossen, ist für Andrea Jürgens eine günstige Lage.
Die neue Siedlung in Voxtrup ist eines der Baugebiete in Osnabrück, die direkt an eine Autobahn grenzen. Im Schallimmissionsplan sind solche Gebiete mit " rot" markiert. Die Autos und Lastwagen auf der A 33 hört man hier als ständiges Rauschen, einzelne größere oder schnellere Fahrzeuge sind herauszuhören. Sehen muss man den Verkehrsstrom nicht: Er ist verborgen hinter einer vier Meter hohen Schallschutzwand, vor dieser Wand stehen hohe grüne Bäume. Im Gegensatz zu mancher Wohnlage in der Innenstadt kann man sich hier noch gut auf der Straße unterhalten.
Die Richtlinie " Schallschutz im Städtebau" nach DIN 18005 gibt der Stadt eine Orientierung, wo es angesichts des zunehmenden Lärms noch möglich ist, neue Siedlungen auszuweisen. Dabei sollen nachts 45 Dezibel nicht überschritten werden, das entspricht einer in moderater Lautstärke geführten Unterhaltung. Tagsüber gelten 55 dB( A) als akzeptabel, das entspricht einer Verdoppelung des Lärmpegels. " Am Mühlenkamp" werden diese Werte nachts öfter und tagsüber eher selten überschritten. Für ihren guten Schlaf haben die Bewohner dieses Baugebiets schallgedämmte Häuser eine Auflage der Stadt für alle, die hier bauen.
Die allgemein geäußerte Zufriedenheit der Bewohner dieses Baugebiets mit ihrer Wohnlage ist nur auf den ersten Blick überraschend. Schließlich wussten sie von Anbeginn, auf welchen Schallteppich sie sich einlassen. Und an der Autobahn und in den Neubauten gibt es einen guten technischen Schallschutz, der in den vielbefahrenen Straßen der Innenstadt und in Altbauten so niemals möglich ist.
Bildtext: Ganz nah an der Autobahn bauen das wäre für viele ein Graus. Aber in der Neubausiedlung am Mühlenkamp ist es leiser als an viel befahrenen Straßen in der Stadt. Foto: Gert Westdörp
Autor:
Gunhild Seyfert


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