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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Unter diesem Pflaster liegt eine Bombe
 
Bombe imBoden: Voxtrup wird geräumt
Zwischenüberschrift:
Entschärfung am Sonntag nach Ostern – Ganz Voxtrup wird geräumt
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Am Sonntag nächster Woche wird Voxtrup für einige Stunden menschenleer sein: Ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg muss entschärft werden.
Die Experten vermuten die Bombe in 3, 50 Meter Tiefe unter dem Hofpflaster eines Hauses an der Holsten-Mündruper Straße. Die Stelle vor der Garage ist mit einem rotem Kreuz gekennzeichnet. " Wahrscheinlich eine Fünf-Zentner-Bombe", sagt Jürgen Wiethäuper vom Ordnungsamt, der sich seit vielen Jahren um alles kümmert, was mit Bombenräumungen zu tun hat. Ob es wirklich ein Blindgänger ist, wird sich erst am Sonntag, 30. März, sicher sagen lassen, wenn die Entschärfer den Metallgegenstand freigegraben haben.
Die Hausbesitzerin hat da eine Vermutung. Es müsse 1945 passiert sein, sagt sie. Sie sei damals fünf Jahre alt gewesen und könne sich noch deutlich daran erinnern, dass nach einem Bombenangriff plötzlich ein Loch im Dach des alten Schuppens klaffte. Zwei Männer seien später erschienen und hätten mit langen Stangen in einem Loch herumgestochert. Sie fanden aber nichts. Und nach dem Kriege wuchs Gras über die Sache. Später wurde der Hof gepflastert. Der mutmaßliche Blindgänger verschwand aber nicht aus dem Gedächtnis der Frau.
Als im vergangenen Jahr in der Dodesheide wieder eine Bombe freigelegt wurde, wandte sich die Hausbesitzerin hilfesuchend an die Stadt. Die Ungewissheit nagte. Die Experten sichteten die alten Luftaufnahmen und suchten den Hof mit Sonden ab. Der Blindgängerverdacht bestätigte sich. Aber noch ist offiziell nur von einem " Metallgegenstand" im Boden die Rede.
Sollte es in der Tat eine Fünf-Zentner-Bombe sein, dann verdankt die Voxtruperin dem Zündversager ihr Leben. So weit sie sich erinnern kann und von Erzählungen ihrer Großeltern noch weiß, suchten ihre Familie und die Nachbarn bei Bombenangriffen oft Schutz in einem kleinen Bunker auf einem Nachbargrundstück. Da sei Platz für vielleicht 20 Leute gewesen, berichtet sie. Der mutmaßliche Blindgänger schlug in unmittelbarer Nähe des Bunkers ein. " Wäre die Bombe explodiert, wäre es wohl ganz schlimm ausgegangen", sagt die 67-Jährige.
Der Blindgänger ruht unter dem Pflaster des Hofes und ist gut erreichbar. Es hätte die Voxtruper Familie auch schlimmer treffen können wie im vergangenen Jahr einen Hausbesitzer in der Dodesheide. Zuerst mussten die Bombenräumer den halben Garten umkrempeln, dann stießen sie auf einen zweiten verdächtigen Gegenstand direkt neben dem Wintergarten. Die Kosten drohten zu explodieren.
Und die Kosten?
Daraus entwickelte sich eine politische Debatte, ob die Stadt in Härtefällen Hauseigentümern bei Entschärfungen finanziell beistehen sollte. Doch es blieb dabei: Die öffentliche Hand bezahlt die Vor- und Nacharbeiten der Bombenräumung und alle Kosten der Evakuierung. Die Schäden auf dem Grundstück sind Sache des Eigentümers. Dem Dodesheider entstanden nach eigenen Angaben Kosten in vierstelliger Höhe.
Im Radius von rund 1000 Meter um den Fundort müssen alle Menschen ihre Wohnungen verlassen. Das bedeutet, dass fast ganz Voxtrup am letzten März-Sonntag geräumt sein wird. 7000 Menschen sind betroffen. Es ist eine der größeren Aktionen der letzten Jahre. Die größte Evakuierung liegt knapp fünfeinhalb Jahre zurück. Im November 2002 waren in der Innenstadt 16 000 Menschen betroffen, als gleichzeitig fünf Sprengkörper unschädlich gemacht wurden. Bis 2005 suchten die Experten in Osnabrück anhand der Luftaufnahmen aus der Nachkriegszeit systematisch nach Blindgängern. Zwischen 2002 und 2005 gab es ein Dutzend geplante Entschärfungen in der Stadt. /

Bildtext:
Das rote Kreuz markiert die Stelle, an der in 3, 50 Meter Tiefe ein Blindgänger vermutet wird. Er soll am Sonntag, 30. März, entschärft werden, damit die Kinder unbeschwert spielen können. 7000 Menschen müssen dann vorübergehend ihre Wohnungen verlassen
Foto:
Gert Westdörp

Bombensplitter fliegen weit
Der letzte Krieg in Deutschland ist schon seit über 60 Jahren vorbei. Aber immer noch liegen auch in Osnabrück Bomben im Boden, die damals nicht explodiert sind. Die werden Blindgänger genannt und sind eigentlich nur Versager, die aber zu jeder Zeit auch heute noch explodieren können. Das Entschärfen eines Blindgängers ist deshalb nicht ungefährlich. Der Sprengmeister, der den Zünder aus der Bombe rausdreht, lässt deshalb vorher zur Vorsicht die Umgebung räumen: Alle Menschen müssen die Gefahrenzone verlassen. Wie groß dieses Gebiet sein wird, hängt von der Größe der Bombe ab. Je mehr Sprengstoff drin ist, umso größer ist auch die Wucht der Explosion. Bei einer 250 Kilogramm schweren Bombe, wie sie in Voxtrup vermutet wird, können die Trümmerbrocken bis zu 500 Meter weit fliegen. Das hat sich zuletzt in Bayern gezeigt, als ein Bauarbeiter einen Blindgänger mit seinem Bagger getroffen hatte und bei der Explosion getötet wurde. Besonders gefährlich sind die Splitter aus der eisernen Hülle der Bombe. Weil sie klein und dabei schwer sind, fliegen sie auch relativ weit.

Osnabrück. Erneut wird in Osnabrück eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Rund 7000 Menschen im Stadtteil Voxtrup müssen darum am Sonntag der kommenden Woche für einige Stunden ihre Häuser verlassen. Die Stadt Osnabrück hat einen Evakuierungsplan ausgearbeitet. Experten vermuten die Bombe in etwa 3, 50 Meter Tiefe unter dem gepflasterten Hof eines Wohnhauses. Mit Hilfe von Sonden haben sie dort einen Metallgegenstand geortet. Ob es sich dabei in der Tat um einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg handelt, steht erst dann fest, wenn das Objekt im Boden freigeschaufelt ist. Bei der letzten größeren Evakuierungsaktion wegen einer Bombenentschärfung waren im November 2002 fast 16 000 Menschen in der Osnabrücker Innenstadtbetroffen.
Autor:
hin, fhv


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