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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Im Winter gibt es Eis zum Frühstück
Zwischenüberschrift:
Wie die Osnabrücker Zootiere aus Afrika, Südamerika oder Asien die kalte Jahreszeit erleben
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Es ist Winter. Es ist kalt. Es ist oft stürmisch und feucht. Wir Menschen können uns gegen das Wetter wappnen. Der eine oder andere liebt diese Jahreszeit gar. Aber wie sieht es bei den Zootieren aus? Herrscht bei Giraffe, Elefant und Co. depressive Winterstimmung, oder mögen auch exotische Tiere das kalte Quartal?
Den Osnabrücker Zoo umgibt morgens um 9 Uhr eine angenehme Stille. Nur das Kreischen der rosaroten Flamingos lässt die wenigen Besucher wissen, dass der Tag im Zoo begonnen hat. Die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel, aber sie kann sich an diesem Tag nicht gegen die winterliche Kälte durchsetzen.
Eine Schulklasse kreuzt den Weg nahe der Samburu-Anlage. Hier bietet sich den Besuchern um diese Zeit normalerweise ein Bild wie aus der Savanne. Giraffen, Ze-bras, Antilopen und Strauße schreiten, spielen, zanken, springen und rennen in einem bunten Miteinander auf der zwei Hektar großen Anlage. Heute werden die Tiere aufgrund der niedrigen Temperatur erst um 11 Uhr bei fünf Grad Celsius ins Freie entlassen. Petra Kunze, die leitende Tierpflegerin der Samburu-Anlage, kennt ihre Pappenheimer, und sie weiß: " Auch wenn die Kälte den Tieren nicht schadet, sie stehen doch schnell am Schieber und wollen wieder rein in die etwa 16 Grad warmen Innengehege." Die Zebras sind weniger kälteempfindlich. Wenn die Tiere aufgrund von Glatteis oder Kälte ihr Innengehege nicht verlassen dürfen, staue sich besonders bei ihnen die Energie, so Kunze. " Haben die Zebras länger gestanden, müssen sie sich erst einmal 15 Minuten lang richtig austoben."
Langeweile beobachtet Kunze im Winter vor allem bei den Giraffen. " Sie sind sehr neugierig, und die Besucher fehlen den Tieren außerdem als Anreiz." Da kann es vorkommen, dass Giraffenbulle Edgar sich ein bisschen zu intensiv mit seinem Stall beschäftigt und " schon mal Wasserleitungen abbaut oder Stromkabel von der Decke holt", erzählt Kunze mit einem Lächeln. Viel Interaktion finde allerdings bereits innerhalb der Herde statt. Auch Edgar, der von seinen Damen im Innengehege in der Regel getrennt lebt, darf ab und zu auf einen Besuch bei ihnen vorbeischauen, " wenn er gut drauf ist", sagt Pflegerin Kunze.
Jungtiere spielen immer
Das Thema Langeweile ebenso wie Krankheit spielt auch im Menschenaffenhaus eine Rolle. Wenn sich hier eine Erkältung einschleiche, sei schnell die ganze Gruppe betroffen, sagt Tierpflegerin Alina Niebler. Fuß- und Wandheizungen erwärmen die Innengehege auf Zimmertemperatur, aber letztlich entscheiden die Menschenaffen selbst, ob sie das Innengehege verlassen möchten oder nicht. Generell gilt: " Die Tiere sind im Winter viel träger als im Sommer. Sie sind genervt vom Wetter, genau wie wir, und ihnen fehlen die Besucher", sagt Niebler, während sich Orang-Utan Buschi ein Bettlaken schnappt und sich in seine Hängematte legt. Eine Ausnahme bilden die Jungtiere. " Die Kleinen spielen immer, egal, ob es stürmt oder schneit."
Im Winter benötigen einige Tiere verstärkte Beschäftigung, die ihnen meist über das Futter ermöglicht wird. Bei den Giraffen helfen Faltkisten aus Plexiglas, die mit Saftfutter gefüllt sind und in denen sich kleine Löcher befinden. An dieser Stelle sind akrobatische Zungenkünste gefragt, denn die Langhälse brauchen schon eine Weile, bevor sie mit ihrer langen, schlanken Zunge die Leckereien aus den Löchern gefischt haben.
Neben Futterbeschäftigung setzt Raubtierpfleger Thorsten Vaupel bei seinen Tieren auf Gerüche. Einstreu Laub, Späne und Mulch aus fremden Tiergehegen regen die Instinkte der Löwen, Tiger, Wildhunde und Jaguare an und bringen etwas Spannung in den besucherarmen Alltag.
Gerade die Löwen schlafen bis zu 20 Stunden am Tag. So bietet sich den wenigen Zooliebhabern auch heute im Löwengehege kein anderes Bild als im Sommer: Die Tiere genießen auf ihrer beheizten, 20 Grad Celsius warmen Plattform die Sonne und zeigen sich unbeeindruckt von der Kälte.
Während es bei den Raubtieren gerade im Winter gemächlicher zugeht als im Sommer, streifen die Elefanten aufgeweckt durch das Tal der Riesen. Elefantenkuh Goni lässt es sich nicht nehmen, ein Stück Eis aus dem gefrorenen Schlammloch herauszubrechen und es sich genüsslich ins Maul zu schieben. Trockene Kälte sei für die Dickhäuter eher gesund als schädlich, erklärt Tierpfleger Detlef Niebler. Durch die Infrarotheizung im Innengehege die keine Wärme nach außen trägt haben die Elefanten die Möglichkeit, ihren Tagesablauf selbst zu bestimmen. " Wird es ihnen zu kalt, versammeln Sie sich einfach unter ihrer Infrarotheizung und wärmen sich auf", so Niebler.
Während ein Sommertag erst in den Abendstunden endet, werden die Tiere im Winter je nach Witterung am späten Nachmittag in ihre Innengehege gelotst.
Abendessen für Elefanten
Die Elefanten beobachten schon aus der Ferne gespannt, wie Heu und Obst aufgeschichtet werden, und so fällt es ihnen nicht schwer, dem Ruf ihres Tierpflegers zu folgen und sich mit einem lauten Trompeten auf ihr Abendessen zu stürzen. Gegen 16.30 Uhr wird es wieder ruhig im Zoo. Die ohnehin wenigen Besucher machen sich auf den Weg zum Ausgang, die meisten Tiere haben sich schon in ihr Innengehege zurückgezogen.
Auch die Sonne ist dabei, sich von dem heutigen Tag zu verabschieden, das Thermometer fällt langsam wieder unter null, die Zootore schließen. So ist er, der Winteralltag im Zoo. / Bildtexte: Zebras auf der Flucht: In Samburu ist was los. Giraffenbulle Edgar liefert sich ein Rennen mit seinen Mitbewohnern. / Der Sonne entgegen: Pinguin im Winterfieber. / In den Seilen: Schimpansenjunges Kisha spielt im Außengehege. Gerade die jungen Affen stört die Kälte wenig. / Unbeeindruckt: Löwenmännchen Nakuru faulenzt in der Sonne und trotzt dem kalten Wintertag. Seine Weibchen liegen im Winter meist auf der beheizten Plattform des Geheges. / Kein Eis am Stiel, aber es schmeckt trotzdem: Elefantenkuh Goni kennt keine Scheu vor der kühlen Köstlichkeit und schiebt sich genüsslich ein Stück Eis ins Maul. Weitere Fotos unter www.neue-oz.de/ zoo/. Fotos: Michael Hehmann
Autor:
Martina Grothe


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