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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Hundehalter stellen Leinenzwang infrage
Zwischenüberschrift:
Verordnung unterscheidet zwischen Schölerberg und Westerberg – Sechsmal Bußgeld verhängt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Im Herbst hat die Stadt den Leinenzwang verschärft. Manche Hundehalter halten das für reine Schikane und widersetzen sich der Verordnung. Auf Unverständnis stößt auch, dass Hunde auf dem Schölerberg angeleint werden müssen, auf dem Westerberg jedoch nicht.
Osnabrück. Sechsmal hat die Stadt Hundehalter mit einem Bußgeld verwarnt, weil sie gegen den Leinenzwang verstoßen haben. Das Bußgeld kostet 35 Euro, und es wird nur verhängt, wenn sich Herrchen oder Frauchen hartnäckig sträuben, ihren Fiffi an die Leine zu nehmen. Das betont jedenfalls Karin Heinrich, die Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung.
In allen Fällen seien die Hundehalter wiederholt aufgefordert worden, ihre Vierbeiner anzuleinen. Nur dann, wenn die Überzeugungsarbeit nicht gefruchtet oder sogar Gegenreaktionen hervorgebracht habe, seien die städtischen Ordnungshüter aufs Ganze gegangen.
Jenny Hülsmeier findet, dass es sich die Stadt zu einfach macht. Die junge Frau leint ihren Schäferhund Buddy nur widerwillig an, wenn sie ihn auf dem Schölerberg ausführt. Ein Hund brauche doch Bewegung, sagt die Tierfreundin, die Stadt dürfe nicht alles reglementieren. Noch im vergangenen Jahr sei das Naherholungsgebiet am Zoo von der Stadt ausdrücklich als Auslauffläche für Hunde akzeptiert worden, sagt Jenny Hülsmeier. Sie hat Verständnis, wenn sich Hundehalter über den Leinenzwang hinwegsetzen.
Was sie überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist die ungleiche Behandlung zwischen den verschiedenen Naherholungsgebieten in Osnabrück. Wenn freilaufende Hunde auf dem Westerberg keinen Schaden anrichteten, fragt Jenny Hülsmeier, warum müssten sie dann auf dem Schölerberg an die Leine?
Die Antwort gibt Karin Heinrich vom Fachbereich Bürger und Ordnung. Ziel der Verordnung sei der Schutz von Erholungsuchenden und wildlebenden Tieren. Es habe eine Reihe von Abstimmungsgesprächen gegeben, auch mit der Jägerschaft. Am Ende sei ein Kompromiss beschlossen worden. Um die Satzung für jeden Hundehalter nachvollziehbar zu gestalten, habe die Stadt den Leinenzwang auf alle Waldflächen ausgedehnt. Also nicht nur auf den Schölerberg, sondern auch auf das Heger Holz, das Natruper Holz und das Hakenhofholz. Ein ganzjähriger Leinenzwang gilt außerdem im Bürgerpark, rund um den Rubbenbruchsee und in der Innenstadt.
Zum Schutz von brütenden Vögeln und Jungtieren müssen Hunde zwischen dem 1. April und dem 15. Juli (Brut- und Setzzeit) überall in der freien Landschaft angeleint werden, also auch auf dem Westerberg.
Nicht nur Hundehalter sind mit der Satzung unzufrieden, auch die Jäger sehen Handlungsbedarf. Kreisjägermeister Antonius Albers bedauert: " Was wir wollten, ist nicht so richtig eingeflossen." Albers geht es um " Wildruhezonen in den Kerngebieten", wie er es ausdrückt. Er hat aber auch Verständnis für Hundehalter, die in verschiedenen Stadtteilen Zonen fordern, in denen sie ihre Vierbeiner von der Leine nehmen können. /

Bildtext:
Auf dem Schölerberg muss Jenny Hülsmeier ihren Schäferhund Buddy an die Leine nehmen, auf dem Westerberg nicht. Das findet sie nicht nachvollziehbar.
Foto:
Egmont Seiler

Kommentar
Übereifrig

Die einen sind es leid, wenn ihre Kinder beim Spaziergang von aufdringlichen Hunden abgeschleckt werden, die anderen reklamieren Bewegungsfreiheit für ihre Vierbeiner. Beiden Seiten muss die Stadt gerecht werden, wenn sie eine Verordnung über den Leinenzwang erlässt.
Offensichtlich wurde die geltende Verordnung aber mit heißer Nadel gestrickt. Beim Leinenzwang in der Innenstadt hatte die Ratsmehrheit in erster Linie Punks und Bettler im Auge, deren freilaufende Hunde von Passanten als Plage empfunden werden. Jetzt schlägt das Pendel wieder in die andere Richtung, und es stellt sich die Frage, ob da wohl jemand zu übereifrig war. Gut, dass der Rat beschlossen hat, die Verordnung nach einem Jahr noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Sie hat es auch nötig.

Hunde und ihre Erziehung
Wenn alle Hunde gut erzogen wären, brauchte es eigentlich keinen Leinenzwang zu geben. Allerdings fängt die Hundeerziehung nicht beim Hund an, sondern bei seinem Besitzer, dem Menschen. Da der Hund ein Rudeltier ist, fällt es ihm gar nicht schwer, sich in ein menschliches Familienrudel einzufügen. Dabei muss er begreifen, dass er in der Rangordnung ganz unten steht, also unter den Menschen. Hilfe bei der Erziehung bieten Hundeschulen. Dort lernen die Vierbeiner, dass sie gegenüber anderen Menschen nicht aufdringlich werden und dass sie immer auf Herrchen oder Frauchen hören müssen. Aber nicht immer funktioniert das. Viele Hunde können sich nicht mehr bremsen, sobald sie ein Kaninchen oder ein Reh wittern. Das nennt man Jagdtrieb . Auch die Liebe lässt Hunde manchmal ausflippen. Da kann Herrchen noch so laut rufen, es nützt nichts. Zum Schutz für Menschen und Wildtiere schreibt die Stadt vor, dass Hunde in bestimmten Gebieten nur an der Leine geführt werden dürfen. Das gilt zum Beispiel in der Innenstadt oder am Rubbenbruchsee.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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