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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Nicht nachgedacht und nachgefragt
Zwischenüberschrift:
Zeitzeugen des Nationalsozialismus erzählen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Villa Schlikker soll mehr sein als ein Museum, ein " Ort der Begegnung, der die Zeitzeugen zum Sprechen bringt", sagt Thorsten Heese, Kurator für Stadtgeschichte. Dieser Ansatz spiegelt sich im Arbeitskreis " Osnabrück 1945" des Kulturgeschichtlichen Museums wider, der sich beim jüngsten Treffen mit der eigenen Verstrickung in die Diktatur befasst.
Die Veranstalter hatten für die Runde die Zeitzeuginnen Ruth Schmid-Heinisch und Cilly-Maria Kroneck-Salis eingeladen, beide Jahrgang 1923. Die Basis für das spätere Gespräch legte Ruth Schmid-Heinisch mit Abschnitten aus ihrem Roman, der autobiografische Bezüge aufweist. Eine zentrale These, so Thorsten Heese: " Nicht nachgedacht, nicht nachgefragt. Das ist unsere Schuld."
Das bestätigten in der Diskussion auch Anwesende, die damals als Kinder oder Jugendliche das Dritte Reich enthusiastisch begrüßt hatten. So erzählte einer, wie er als Zehnjähriger glaubte, seiner Mutter den Nationalsozialismus erklären zu müssen. Eine Frau berichtete, wie sie kurz vor Kriegsende für die Wunderwaffe betete.
Das Buch von Ruth Schmid-Heinisch dreht sich um die Freundinnen Oda und Helen, die sich Anfang der 1990er Jahre nach rund 50 Jahren wiedertreffen und immer wieder mit der Zeit des Nationalsozialismus konfrontiert werden. In den Gesprächen fällt auch der Satz von Oda, dass sie zwar als junge Menschen nicht getötet oder denunziert hätten, aber eben auch nicht nachgefragt und nachgedacht. Nach 1945, so die Autorin, habe es dann " das große Erschrecken" gegeben, das dann durch eine neue Existenz verdrängt worden sei. Gleichwohl seien die Fragestellungen zur eigenen Verstrickung immer in ihrem Hinterkopf gewesen und schließlich vor eigenen Jahren in den Roman gemündet.
Ambivalent sind die Erlebnisse von Cilly-Maria Kro-neck-Salis. Die Mutter der Bad Iburgerin war Halbjüdin. Beim Schulbesuch in Osnabrück wurde das Mädchen von vielen Menschen daher diskriminiert. Gleichwohl schrieb sie damals ein " glühendes Gedicht auf Hitler". Der Familie wurden die Augen " brutal geöffnet", etwa durch Karikaturen von Juden in dem Hetzblatt " Der Stürmer".
Aus dem Krieg schickte Cilly-Marias Bruder einen Brief an die Familie, der glücklicherweise von der Zensur nicht geöffnet wurde. Im Innern einer Postkarte war ein Abbild Hitlers, dem der junge Mann einen Strick um den Hals gelegt hat. / Bildtext: Zehn Jahre alt waren Cilly-Maria Kroneck-Salis (links) und Ruth Schmid-Heinisch, als Hitler an die Macht kam. Foto: Egmont Seiler
Autor:
hmd


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