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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bauern sollen Verzicht geloben
Zwischenüberschrift:
Initiative will gentechnikfreies Osnabrücker Land
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. " Gentechnik bringt die Menschheit voran", sagen die einen. " Gentechnik gefährdet Natur und Mensch", sagen andere. Die Manipulation von Erbmaterial ist umstritten. Zu wenig sind die Auswirkungen erforscht, und doch findet Nahrung in die Supermärkte. Die Initiative " Gentechnikfreies Osnabrücker Land" will jetzt sämtliche Bauern im Landkreis dazu bringen, auf die " grüne Gentechnik" zu verzichten.
Erst kürzlich haben sich CDU und SPD auf eine Novelle des Gentechnikgesetzes geeinigt, um die Forschung zu erleichtern. Demnach müssen die Abstände zwischen einem Gen-Maisfeld und einer gentechnikfreien Anbaufläche in der konventionellen Landwirtschaft 150 und im Öko-Landbau 300 Meter betragen. Laut der Verbraucherzentrale ist das zu wenig, weil Bienen Pollen über fast zehn Kilometer transportieren, der Wind sogar noch weiter.
Das glaubt auch die 2007 gegründete Initiative " Gentechnikfreies Osnabrücker Land". Die rund 20 Aktivisten beschäftigen sich mit der grünen beziehungsweise Agro-Gentechnik, die neben der weißen (medizinischen) und roten (Tiere) steht. Ihre Angst: Die unkontrollierbare Ausbreitung künstlich veränderten Materials auf den Feldern. " Ein Oligopol der Saatgutunternehmen vermarktet die Technik aggressiv mit dem Versprechen höherer Erträge", sagt Rolf Brinkmann, Sprecher der Initiative. " Dabei fallen Ernten in aller Regel sogar geringer aus als bei normalem Anbau. Zudem verseuchen die gentechnisch in Pflanzen eingebauten Pestizide Boden, Wasser und Tiere.
Daher soll Osnabrück und das Umland zu einer gentechnikfreien Zone werden. " Wir wollen von allen Landwirten Absichtserklärungen sammeln, dass sie gentechnikfrei anbauen", sagt Margarete Eisermann. Bundesweit gibt es bislang rund 175 solcher Regionen und Initiativen, eine davon im Münsterland. Der Verein Regionale Landwirtschaft Münsterland e. V. mobilisierte seit 2005 mehr als 500 Landwirte, die rund 14 500 Hektar Anbauflächen zu gentechnikfreien Nachbarschaften erklärten. Die nächstgelegene gentechnikfreie Nachbarschaft von Osnabrück liegt in Ibbenbüren.
Auch wenn das Osnabrücker Land nicht offiziell " gentechnikfrei" erklärt ist, so sucht man doch vergeblich nach Anbauflächen. Jeder Landwirt, der verändertes Saatgut anbauen will, muss dies an das Standortregister melden. Demnach sind die nächstgelegenen Flächen mit gentechnisch veränderten Organismen in Neustadt am Rübenberge, also bei Hannover, der Wedemark und Hohenhameln.
Der allgemein eher ablehnenden Haltung der Öffentlichkeit gegenüber der Gentechnik stehen die Forschungsinteressen der Wissenschaft sowie wirtschaftliche Interessen bestimmter Unternehmen gegenüber. Einige Anwendungen der Gentechnik sind mittlerweile in der Öffentlichkeit weitgehend akzeptiert. Dies trifft besonders auf die weiße Gentechnik zu, da hier die Forschung und Anwendung vor allem auf die Heilung von (Erb-) Krankheiten abzielt.

Kommentar:
Nicht verteufeln

Wer heute schon weiß, dass der Einsatz von Gentechnologie ein Fehler ist, hat Fähigkeiten eines Hellsehers. Wer weiß denn, ob der Verzicht darauf nicht der größere Fehler wäre?
Gentechnik in der Landwirtschaft ist nicht das Zaubermittel, mit dem Ernährungsprobleme der Menschheit gelöst werden können; das wird von der Industrie gelegentlich einseitig so propagiert. Die kompromisslose Ablehnung jedoch ist ebenso falsch. In der Agenda 21 werden jedenfalls positive Erwartungen an die Entwicklung dieser Technik geknüpft. Wenn weniger Pflanzenschutzmittel durch robustere Pflanzen eingesetzt werden können, ist das ein Erfolg.
Zum Fortschritt gehört die kühle Abschätzung von Risiken und Chancen. Vorurteilsfreie Information ist da besser als Verteufelung.
Autor:
lö, Michael Schwager


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