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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Im Zoo darf Roy wieder der Chef sein
Zwischenüberschrift:
Der Mann, der den Wolf jagte: Für Heino Krannich war es die 1280. Narkose
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ausreißer Roy ist wieder hinter Gittern. Ein Schuss aus dem Betäubungsgewehr von Heino Krannich setzte seinem Freiheitsdrang gestern Morgen ein Ende. Krannich (49), Wildparkprofi aus dem Kreis Harburg, hatte den Wolf im Wald auf dem Harderberg entdeckt. 22 Stunden nach seiner Flucht wachte Roy aus der Narkose auf. Da war er schon wieder im Zoo.
Für Heino Krannich war es die 1280. Narkose, die er einem Tier verabreichte. Braunbären und Löwen hat er schon zum Einschlafen gebracht, besonders spektakulär war für ihn die Jagd auf ein Wisent in freier Wildbahn. Es dauerte drei Tage, bis er das Rind aufgespürt hatte. Für Roy brauchte er nur zwei Stunden.
Roy hatte am Dienstag Reißaus genommen, als Zoo-Mitarbeiter das Gehege reparierten und kurzzeitig den Strom abstellen mussten. Sein Weg führte durch die Wohnsiedlung in Nahne, vorbei an staunenden Autofahrern und ängstlichen Passanten. Die Autobahnüberquerte Meister Isegrim vorschriftsmäßig wie ein Fußgänger über die Brücke am Paradiesweg. Über Nacht versteckte sich das ausgewachsene Grautier im Wald westlich der Bundesstraße 51.
Krannich erspähte den Wolf sofort, als er gestern gegen 10.30 Uhr im Geländewagen mit Zooinspektor Hans-Jürgen Schröder am Wasserhochbehälter auf dem Harderberg auftauchte. In solchen Augenblicken will der Narkoseprofi nur seinen 16-jährigen Labradorhund Watson an seiner Seite haben.
Vorsichtig näherte er sich dem Wolf, der inzwischen an einem umgestürzten Baum unter einem Wildschutzzaun hindurchgekrochen war. Watson schlich näher an den Wolf heran. Krannich behauptet sogar, sein Hund habe mit dem Wolf " gesprochen". Roy blieb jedenfalls stehen, und Heino Krannich konnte in Ruhe sein Betäubungsgewehr anlegen, nachdem ihm sein Hightech-Entfernungsmesser 18 bis 19 Meter Abstand angezeigt hatte.
Dann der Schuss aus dem CO2 - Gewehr mit passend dosiertem Druck, damit der Pfeil seine Wirkung entfaltet und keine schweren Verletzungen anrichtet. Zu seinem Leidwesen musste Krannich durch den Wildschutzzaun schießen. Die Narkoseladung mit der 20 Millimeter langen Nadel traf Roy präzise an der Schulter.
Obwohl das Betäubungsmittel schon zu wirken begann, sprang Roy über den 1, 80 Meter hohen Zaun und türmte in Richtung Rittergut Osthoff. Beim Sprung war er jedoch mit dem rechten Hinterlauf am Draht hängen geblieben. Krannich bemerkte schon, dass der Wolf etwas hinkte. Nach 400 Metern brach das Tier zusammen. In einer Senke übermannte ihn der künstlich herbeigeführte Schlaf.
Zehn Minuten später kamen die Helfer aus dem Zoo angelaufen und zogen den leblos wirkenden Ausreißer in ihre Plastikbox. Damit war das kurze Abenteuer Freiheit für Roy zu Ende.
In einem Ausweichgehege am Tigerhaus weckte ihn Zoodirektorin Dr. Susanne Klomburg mit einem Gegenmittel auf und behandelte seinen verletzten Hinterlauf. " Ich bin froh, dass er das überstanden hat", vermerkte sie nach der Ankunft.
Klomburg ist überzeugt, dass es für Roy das Beste ist, in seine Gruppe zurückzukehren. In einer so dicht besiedelten Landschaft habe ein Wolf keine Chance, auf Dauer zu überleben. Zwar könne er sich eine Weile von Mäusen, Fasanen und Kaninchen ernähren, räumt die Zoodirektorin ein. Über kurz oder lang werde er aber sicherlich einem Auto oder einem Jäger zum Opfer fallen.
Roy ist das Alphatier unter den fünf Eurasischen Wölfen im Zoogehege. " Wenn der Chef nicht zu Hause ist, setzt sich schnell ein anderer an die Spitze", sagt Susanne Klomburg. Das wäre in diesem Fall Roys Sohn Welpi, der sich schon mächtig ins Zeug legt. Er hat übrigens auch schon einen Ausflug ins Freie hinter sich: Als der Orkan Kyrill im Januar 2007 das Gehege beschädigte, trabte Welpi nach draußen. Nach einem nächtlichen Stadtgang wurde er am nächsten Morgen von der Polizei an der Meller Straße gestellt. / Bildtexte: Auf Watson ist Verlass: Heino Krannich ist überzeugt, dass er den Wolf ohne seinen 16 Jahre alten Labrador nicht eingefangen hätte. Fotos: Jörn Martens / Noch etwas benommen: Roy wacht aus seiner Narkose auf.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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