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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ist der Anbau wirklich unausweichlich?
Zwischenüberschrift:
Plädoyer: Statt das Nussbaum-Haus zu erweitern, sollten Kulturpolitiker den Ausstellungsetat erhöhen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Für oder gegen den geplanten Anbau an das Felix-Nussbaum-Haus: Die kommunalpolitische Frontstellung wiederholt derzeit den Streit um den Bau des Museums Mitte der neunziger Jahre. Ein Überblick über eine zunehmend verworrene Debatte.
Ein Künstler als Zeuge millionenfachen Opferschicksals, " sein" Haus als Zentrum des Konzepts einer kaum noch als diskutierbar erscheinenden " Friedenskultur": Felix Nussbaum und das seinem Werk gewidmete Museum sind als Fluchtpunkt der kulturellen Identität Osnabrücks inzwischen derart sakrosankt, dass eine Debatte um den geplanten Anbau an das Felix-Nussbaum-Haus (wir berichteten mehrfach) unweigerlich zum Fundamentalkonflikt wird. Dieses Stadium hat der Streit um den Anbau längst erreicht. Dabei haben Befürworter wie Gegner des Projekts unhaltbare Positionen eingenommen.
Die Befürworter: Kulturverwaltung und SPD haben das Vorhaben eines Anbaus an das 1998 eröffnete Museum vorangetrieben. Mit Grund. Dem Haus fehlt es an Funktionalität und Besucherfreundlichkeit, kurz: Es funktioniert nicht. Doch in vier Punkten haben die Befürworter Fehler gemacht.
Erstens: Wer ein Projekt dieser Größenordnung über Monate wie eine Geheimsache betreibt, verhindert eine der Sache angemessene und notwendige Debatte.
Zweitens: Kein Kommunalpolitiker wird derart hohen Bau- und Unterhaltskosten zustimmen, wenn sie ihm erst so spät bekanntgemacht werden. Fehlende Transparenz hat Vertrauen zerstört.
Drittens: Wer entscheidet eigentlich über die Qualität des Entwurfs aus dem Büro Libeskind? Auch hier fehlt der Mut zum offenen, also produktiven Streit.
Viertens: Niemand hat überzeugend dargestellt, was in dem Anbau stattfinden soll. Es fehlt an konzeptionellen Ideen, die auch Skeptiker überzeugen könnten. Der Hinweis auf größere Garderoben oder Ruhezonen kann ein Projekt dieser Dimension allein nicht legitimieren.
Die Gegner: Aus den Reihen der CDU kommt vehementer Protest gegen das Anbau-Projekt. Das war zu erwarten auch nach dessen fehlerhafter Vorbereitung. Doch auch die CDU bezieht unhaltbare Positionen.
Erstens: Der bloße Hinweis auf hohe Kosten genügt nicht. Die würden sich lohnen, stimmten denn die Konzepte bei Inhalten wie Marketing.
Zweitens: Der Umbau der Villa Schlikker zur Garderobe des Nussbaum-Hauses würde nach Akzisehaus und Dreikronenhaus schon wieder einen Ausstellungsort kosten. Kann das wirklich jemand wollen?
Drittens: Ein " freihändig" errichteter Neubau in Museumsnähe wäre ein ästhetisches Unding. Osnabrück wäre damit endlich in den überregionalen Feuilletons als Gegenstand des Spotts.
Ein Ausweg: Wer die Anbau-Debatte bilanziert, stößt auf viele unhaltbare Positionen. Warum nicht ganz anders denken? Das hieße konkret: Verzicht auf ein ideologisch aufgeheiztes Für und Wider durch Verzicht auf den Anbau. Das würde zunächst bedeuten, die kompromisslose Silhouette des Nussbaum-Hauses nicht durch Ergänzungen zu verwässern, sondern sich zu der Kantigkeit dieses Museums neu zu bekennen und seine Unbequemlichkeiten in Kauf zu nehmen. Raum für Garderoben oder Cafeterias wäre bei größeren Ausstellungen ohnehin im Kulturgeschichtlichen Museum zu gewinnen.
Viel wichtiger: Die Kulturpolitiker sollten Anbaupläne schnell beerdigen und stattdessen eine Million Euro aus dem geplanten Baubudget in einen Ausstellungsfonds einbringen. Aus dessen Zinsen ließen sich achtbare Wechselausstellungen finanzieren, die Osnabrück dringender braucht als einen gesichtslosen Glasriegel, der angesichts der pathetisch aufgeladenen Formensprache des Nussbaum-Hauses ohnehin nur wie ein schlechter Scherz Libeskinds wirkt. / Bildtext: Gegenstand des Parteienstreits: das als Museumsanbau errichtete Felix-Nussbaum-Haus. Foto: Gert Westdörp
Autor:
Stefan Lüddemann


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