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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Vierbeiner in städtischen Diensten
Zwischenüberschrift:
Februar 1908: Dem Schmuddelwetter folgte der Schnee
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Bildtext: Automobile waren vor 100 Jahren noch Fremdkörper in der Stadt. Am 1. Februar versank die Stadt unter einer weißen Schneedecke und sah wohl so ähnlich aus, wie sie Lichtenberg 1905 an der Bocksmauer fotografiert hatte. Text: Von Christiana Keller Osnabrück. Der Februar begann mit einem Donnerschlag: Nach einem Gewitter und langem Donnergrollen begann es am 1. Februar heftig zu schneien.
Das Schmuddelwetter der Vorwochen war schlagartig beendet, und binnen Stunden lagen Stadt und Land unter einer weißen Decke verborgen. Einen Tag und eine Nacht schneite es, danach bot sich zwar landschaftlich ein herrliches Bild, aber die Telefonverbindungen über Land waren stark beeinträchtigt und funktionierten zum Teil nicht mehr. Der Winter griff erneut zu.
Zwei Extrazüge mit Rückwanderern aus Amerika passierten den Osnabrücker Bahnhof. Etwa 900 Menschen verbrachten einen kurzen Aufenthalt im Bahnhof, bis ihre Anschlusszüge sie weiterbefördern konnten. Nach Ungarn und Russland wollten die bedauernswerten Menschen zurück, nachdem sich ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben jenseits des Ozeans zerschlagen hatten.
Kollwitz im Museum
In Osnabrück waren Automobile noch Fremdkörper, man hielt treu an Pferd und Wagen fest. Allein 19 Pferde standen den städtischen Dienststellen zur Verfügung. Alle Beförderungsmittel waren noch vierbeinig, sowohl der Krankenwagen, der Desinfektionswagen als auch die Kutschen zum Gefangenentransport, ebenso Müllabfuhr, Feuerwehr und Polizei. Der Kostenüberblick des städtischen Fuhrparks für 1908 hatte ein höheres Volumen als erwartet. Neue Pferde und steigende Lohnkosten hatten die Kosten so in die Höhe getrieben.
Schon zwei Jahre gab es nun die Osnabrücker Straßenbahn. Zu Ehren dieses Tages kamen die Angestellten der Elektrischen im Festsaal am Schlosswall zusammen und feierten die erfolgreichen Monate im Dienst der Osnabrücker Bürger.
Der Dürerbund, dem die Verbreitung moderner Kunst am Herzen lag, eröffnete eine Ausstellung im Museum und zeigte neben anderen Künstlern Radierungen " einer Dame aus Berlin", die Käthe Kollwitz hieß. Der Kritiker des Osnabrücker Tageblattes zeigte sich erstaunt über die " wilden, kriegerischen, fast revolutionären Themen" der Künstlerin. Gezeigt wurden Kollwitz′ Blätter aus den Zyklen " Weberaufstand" und " Bauernkrieg".
Die große Influenza-Welle erfasste im Februar auch die Stadt Osnabrück. Die Krankenstationen waren voll belegt und behandelten besonders Grippekranke mit Lungenschwäche. In jedem Jahr, schrieb die Zeitung, zeige sich der Krankheitserreger aggressiver.
Frauen in der Bütt
Die städtischen " milden Stiftungen für gemeinnützige Zwecke" legten ihren Kostenvoranschlag für 1908 vor, nach dem 7500 Mark zu verteilen waren. Nicht nur Kinderhort und Kleinkindbewahranstalt bekamen Zuschüsse, es gab auch Zuwendungen an ein Milchfrühstück für bedürftige Volksschulkinder und den Wöchnerinnen-Verein. Eine Handvoll Vereine, die sich um ihre Mitmenschen bemühten, bekamen etwas aus dem Topf der Stiftung. Kurios mutet an, dass 1908 noch Gelder an " Witwen und Töchter heimgegangener Veteranen" des Krieges von 1813–15 ausgezahlt wurden.
Auf Karneval in Osnabrück musste man auch vor hundert Jahren nicht verzichten. Im Hotel Germania fand eine große Sitzung statt, die außerordentlich gut besucht war. Damen waren nicht nur dabei, sondern auch besonders erwünscht, gab es doch in diesem Jahr sogar zwei Büttenreden von Frauen. Besonders bejubelt wurde die Närrin, die als weiblicher Droschkenkutscher ihren Beruf darstellte. Natürlich gab es auch " Pseudo-Damen", die Reden hielten, so ein Karnevalist in der Rolle einer Frauenrechtlerin und zwei Herren, die sich mit den Problemen der Backfische von 1908 auseinandersetzten.
Autor:
Christiana Keller


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