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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das neue Jahr kam mit Eisblumen
Zwischenüberschrift:
Im Januar 1908 warnte das Militär vor "homosexuellen Gefahren"
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Karl der Große, die Sandsteinskulptur am Rathausportal, war Gesprächsthema vor 100 Jahren. Foto: Jörn Martens
Von Christiana Keller

Osnabrück.

Der Januar 1908 kam mit Eisblumen, denn das Quecksilber sank auf minus 8 Grad Celsius. Sehr zur Freude der eislaufbegeisterten Osnabrücker, die sich auf der Wiese hinter dem Schlachthof und an der Nürenburg tummelten. Auch die Brauereien nutzten das Eis, um ihre Lager wieder aufzufüllen, sie waren schon am 2. Januar dabei, den nötigen Jahresvorrat einzukellern. In der folgenden Woche zeigte das Thermometer sogar minus 14 Grad an.
Von Christiana Keller
Osnabrück.

In der Großen Straße und in der Johannisstraße eröffneten zu Beginn des Jahres wieder die Volksküchen. An jedem Wochentag konnte man sich dort für 10 Pfennig eine warme Mahlzeit kaufen.
Das " Osnabrücker Tageblatt" berichtete natürlich auch über Reichsangelegenheiten und Militärnachrichten. Im Januar erfuhren die Leser in einer kleinen Notiz, dass das Militär seit kurzem regelmäßig eine Art " homosexuelle Aufklärung" betrieb, eine Belehrung über die Gefahren der " männlich-geschlechtlichen Versuchungen". In " diskreter Form" wurden die Rekruten und älteren Jahrgänge gesondert auf die Gefahren aufmerksam gemacht, " die sich auf diesem Gebiet den Mannschaften in mancherlei Form nähern", wie es damals wörtlich hieß.
Die städtische Gasanstalt bestand im Januar 1908 bereits seit 50 Jahren. Mit einem festlichen Akt feierten Offizielle und alle Bediensteten dieses Jubiläum. Die elf dienstältesten Mitarbeiter, die länger als 25 Jahre im Dienst der Anstalt standen, bekamen als Anerkennung jeweils einen Umschlag mit 100 Mark überreicht.
Über den " Fortschritt der Musik-Instrumenten-Fabrikation" wurde auf Veranlassung der Deutschen Grammophon-Aktiengesellschaft im Vereinshaus berichtet. Hier fand das erste Osnabrücker Grammophon-Konzert statt. Gesangsvorträge von Caruso und Toselli, Instrumentalstücke und humoristische Wortbeiträge wurden im Wechsel geboten. " Das Grammophon war erstaunlicherweise in der Lage, den ganzen Saal zu erfüllen", berichtete der Reporter. Besonders die " Gesangsperlen" wurden bewundert und begeistert beklatscht. " Jedenfalls", schloss der Berichterstatter, " hat die Grammophon-Gesellschaft mit dem Abend einen großen Erfolg erzielt."
Ein Gesetzentwurf zur völligen Sonntagsruhe lag vom Minister für Handel und Gewerbe vor. Ähnlich wie schon für Industrie und Handwerk durchgesetzt, strebte das Ministerium auch für Handel und Gewerbetreibende eine vollständige Sonntagsruhe an. Selbst Hilfspersonal sollte an Sonn- und Feiertagen nicht mehr beschäftigt werden. In Ausnahmefällen konnte allenfalls eine dreistündige Öffnung bestimmter Geschäfte erlaubt werden. Vorerst hatten die Verbände der Betroffenen, die Handelskammer und die Regierungspräsidenten gutachterlich über den Gesetzentwurf zu beraten.
Mit dem neuen Jahr kamen zwei für Osnabrück bedeutende Bände auf den Markt. Die " Kunstdenkmäler der Provinz Hannover" veröffentlichten ihr Heft 7 und 8 des Gesamtwerkes: " Die Denkmäler der Stadt Osnabrück." Dass der Osnabrücker Band in Anordnung und Bearbeitung vortrefflich gelungen sei, merkte der Redakteur des " Osnabrücker Tageblattes" an, denn es befanden sich alle bemerkenswerten Denkmäler der Stadt in Wort und Bild in diesem Buch. Der Preis der Publikation betrug stolze 12 Mark.
Die Denkmalbehörde teilte der Öffentlichkeit über die Tageszeitungen mit, dass alle unter obrigkeitlicher Aufsicht stehenden Gebäude, etwa Kirchen und Rathäuser, sowie deren Inventare, also Kanzeln, Altäre, Orgeln, Bildwerke, welche vor 1870 entstanden waren, ohne Genehmigung der zuständigen Stellen weder verändert noch umgebaut oder verkauft werden durften. Genehmigungspflichtig waren auch Arbeiten an Heizungen und Blitzableitern, Lichtanlagen kurz: Renovierungen und Restaurierungen aller Art.
Über die Kaiserbilder am Rathaus hielt der Oberlehrer und Historiker Ludwig Hoffmeyer vor dem evangelischen Jünglings- und Männerverein einen sehr gut besuchten Vortrag. Hoffmeyer ging der Frage nach: " In welcher Beziehung stehen die dort dargestellten Kaiser zur Geschichte und Entwicklung der Stadt Osnabrück?" Karl den Großen und den " Reichsgründer" Wilhelm I., die beide Ehrenplätze an der Rathausfassade einnehmen, stellte Hoffmeyer besonders heraus.
Mit dem ganzen Reich feierte und jubelte auch ganz Osnabrück wie jedes Jahr am 26. Januar zum Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. Überall kam man zusammen zu Paraden, Festbanketten, Kommersen, Schüleraufführungen und Gottesdiensten. Ein festliches Programm umrahmte dieses nationale Fest. Der Kaiser beging in diesem Jahr seinen 49. Geburtstag.
Autor:
Christiana Keller


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