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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das färbt in jeder Straße ab
Zwischenüberschrift:
Osnabrück wird immer bunter: Meist geben Frauen den Ton an
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Es war die Papierserviette auf dem Tisch in einer Pizzeria. Leuchtendes Apricot, irgendwo zwischen Knallig-Orange und Zartrosa. Immer wieder wanderten die Augen von Martina Schwager auf das Zellstoffquadrat neben ihrem Teller. Apricot das war die Antwort auf eine Frage, die seit Wochen im Raum stand. Die Schwagers haben ihr ganzes Haus am Armenholz im Farbton der Serviette streichen lassen.

Osnabrück. Es sind oft die Frauen, die Farbe ins Straßenbild bringen. Weil sie vielleicht etwas mutiger sind. Oder ein feineres Gespür für den Trend haben als ihre Männer. Der Mut zur Farbigkeit konzentriert sich auf kräftige Rot-, Gelb- oder Orangetöne, leuchtend und doch warm in der Ausstrahlung, erdverbunden, aber nicht grell. In fast jeder Wohnstraße von Osnabrück sind ihm einzelne Häuser schon verfallen. Es werden immer mehr. Und manchmal wissen ihre Eigentümer selber nicht, warum es gerade dieser Ton sein musste. Noch vor wenigen Jahren wäre es anrüchig gewesen, mit solchen Farben aufzutrumpfen. Denken wir doch mal an das rote Haus an der Eisenbahnstraße! Aber jetzt es liegt in der Luft, und alle fühlen sich gut dabei.
" Wir wollten immer ein rotes Haus!", sagt Annette Wessels. Die junge Ärztin ist gerade mit ihrer Familie an die Kleine Schulstraße in Hellern gezogen. Das Haus ihrer Großeltern von 1961 ist kaum wiederzuerkennen, kernsaniert mit neuem Grundriss, aber vor allem leuchtend rot. Den Farbton hat sich Anne Wessels an der Lohstraße abgeschaut, am Haus der Kirche, das vor ein paar Monaten fertig geworden ist.
Evelin Schuchardt-Fritsche musste schon etwas weiter reisen, um das richtige Rot zu finden. Sie entdeckte es im Urlaub an einem Wohnhaus auf Mallorca, " ein ganz warmes Rostrot", wie sie schwärmt. Sie fotografierte es und marschierte mit dem Bild ins Farbengeschäft, um sich eine Probe anrühren zu lassen. Sie hatte freie Hand, ihr Mann mischte sich nicht ein. Seit einigen Wochen hat die Doppelhaushälfte an der Voxtruper Straße 30 dieses himmlische Rot, auf das Evelin Schuchardt-Fritsche nun oft angesprochen wird.
Dabei wohnt sie gar nicht in dem Haus, sie hat es mit ihrem Mann kürzlich dazugekauft. Gemeinsamer Wohnsitz ist die andere Haushälfte mit der Nummer 32. Und die bildet ebenfalls einen farbigen Akzent. Das zarte Apricot auf den glatten Flächen würde vielleicht gar nicht auffallen, aber der Farbton steigert sich bei den Fenstereinfassungen, die auf beiden Seiten gleich sind. Und so ergibt sich eine interessante Ensemblewirkung. " Ich habe eine Beziehung zu Farben", bekennt die geborene Thüringerin. Beiden Haushälften den gleichen Anstrich zu verpassen wäre ihr nicht in den Sinn gekommen: " Ich wollte nicht so einen Wohnblock in einer Farbe haben!"
Dass ein kräftiges Rot aber auch einem stattlichen Sechsfamilienhaus gut zu Gesicht steht, lässt sich an der Wersener Straße 18 beobachten. Hinter dem Farbkonzept steht ausnahmsweise ein Mann. Der 69-jährige Paul Schulte hat sich beim Malermeister einfach die Farbkarte angeschaut und sich dann entschieden. Rot war das 80 Jahre alte Haus schon früher einmal, neu ist allerdings, dass an Fenstern und Erkern mit einem weißen Kontrast gearbeitet wurde.
Es geht auch ganz anders: Gelb und Orange, mit grauen Fenstern so haben Jörg und Mirjana Haslage ihrem Siebenfamilienhaus am Kirchenkamp ein neues Gesicht gegeben. Anlass war wie wie bei vielen Häusern die neue Wärmedämmung, mit der die steigenden Gaspreise aufgefangen werden sollen.
Bei der Farbgestaltung ließen sich Jörg und Mirjana Haslage vom Jahn-Carré anregen, das vor drei Jahren fertig wurde. Sie sind nicht die Einzigen, die sich auf das Wohnprojekt an der Jahnstraße berufen. Der Architekt Prof. Carsten Lorenzen aus Kopenhagen hat die Reihenhäuser für das ehemalige Fuhrparkgelände entworfen. Aber das Farbkonzeptentstand in zähem Ringen mit dem Bauherrn Dieter Köster.
Lorenzen sei ursprünglich für rote und graue Töne gewesen, erzählt sein Mitarbeiter Johannes Wienke aus dem Kopenhagener Büro. Köster habe es dagegen bunt gewünscht, mit blauen und gelben Akzenten.
Nach langem Hin und Her hätten sich beide schließlich auf herbstliche Farben geeinigt, auf Rot, Orange und Gelb, " ein Farbkanon, der zueinander passt", wie esWienke ausdrückt.
Sind Lorenzen und Köster nun einem Trend gefolgt, oder haben sie ihn gemacht? Das erinnert an die Frage, was zuerst war die Henne oder das Osterei? Bunt ist jedenfalls schön. Das färbt ab.

Auf Mallorca entdeckte Evelin Schuchardt-Fritsche das Rot, das sie nicht mehr losließ. Hier kann es jeder sehen.
Leuchtend rot wie das Haus der Kirche: Jan und Anne Wessels mit ihren Kindern Lotta (4) und Lasse (1) vor ihrem umgebauten 60er-Jahre-Haus in Hellern. Fotos: Jörn Martens
Das fällt auf: Paul Schulte hat sich das Rot für sein Haus an der Wersener Straße aus dem Farbenkatalog beim Malermeister ausgesucht.
Das leuchtet: Vor wenigen Jahren hätte sich keiner getraut, ein Haus in Gelb und Orange zu streichen. Mirjana und Jörg Haslage freuen sich über die neue Optik am Kirchenkamp.
Eine Papierserviette diente Martina Schwager als Vorlage für das kräftige Apricot, in dem jetzt ihr Haus strahlt.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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