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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
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Überschrift:
Erste Kneipe macht dicht
Zwischenüberschrift:
Wirtin gibt wegen Rauchverbots auf
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Bevor es zu spät ist und es finanziell eng wird, packt Wirtin Gisela Werremeier lieber jetzt ein. Wenn das Nichtraucherschutzgesetz nicht gewesen wäre, hätte sie noch einige Jahre lang weitergemacht. Foto: Jörn Martens
Von Cathrin Mahns

Osnabrück. Das Nichtrauchergesetz hat ein erstes Opfer in Osnabrück gefordert: Die Ein-Raum-Kneipe Kleiner Lord hat dichtgemacht. Indes geht der Fachbereich Bürger und Ordnung Hinweisen auf Verstöße gegen das Gesetz nach.
Gisela Werremeier packt Sekt- und Weingläser in braune Kartons. Boden und Theke sind vollgestellt mit Kisten. Am Morgen hat Warsteiner seinen Zapfhahn abgeholt. Seit einigen Tagen schon gibt es den Kleinen Lord in der Krahnstraße nicht mehr: Werremeier räumt das Feld, bevor es zu spät ist.
Die Wirtin sah schwarz, als das Nichtraucherschutzgesetz in seiner heutigen Form beschlossene Sache war. Ende Juni kündigte sie ihren Pachtvertrag. " Das war eine reine Vorsichtsmaßnahme", erklärt sie. " Ich bin 63 und möchte mich nicht verschulden."
Also zog Werremeier die Reißleine. Hätten sich die Dinge anders entwickelt als befürchtet, hätte sie die Kündigung bei ihrem Pächter rückgängig machen können. Doch mit dem Rauchverbot setzte im August tatsächlich der Gästeschwund ein.
Die Übergangsphase ohne Bußgelder hielt Werremeier für unsinnig: " Da hat sich doch sowieso keiner dran gehalten", sagt die 63-Jährige. Auch sie nicht. Ab November sagte sie sich: " Ich breche das Gesetz." Werremeier ließ ihre Gäste weiterrauchen. Wäre es zu einem Bußgeld gekommen, hätten ihre Gäste die Strafe mitgetragen, erzählt sie.
Auch andere Kneipen hatten es zunächst auf diese Tour versucht. Mittlerweile akzeptieren aber offenbar Wirte und Gäste das Nichtraucherschutzgesetz: Wer in diesen Tagen durch die Altstadt bummelt, wird in keiner Kneipe mehr einen Gesetzesverstoß feststellen. Auch im Neumarkt-Tunnel herrschen nun nach anfänglicher Unsicherheit der Bürger klare Verhältnisse: Nach Auskunft der Stadt muss der Glimmstängel dort fortan ausbleiben, wie Pressesprecher Sven Jürgensen sagt.
Enttäuscht zeigt sich Gisela Werremeier derweil vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga): " Erst als schon alles zu spät war, fing er an, rührig zu werden." Der Verband versucht unter anderem mit einer Unterschriftenaktion, eine Sonderregelung für Ein-Raum-Kneipen beim Niedersächsischen Landtag durchzubekommen. Gisela Werremeier ist den Tränen nahe, als sie von den letzten Jahren erzählt. " Wir sind alle sehr, sehr traurig", sagt sie und spricht damit für sich und ihre Gäste. " Das war eine Familie." Sieben Jahre lang hatte Werremeier die 14, 4 Quadratmeter kleine Bierkneipe gepachtet. Sieben Jahre lang hat sie durchgearbeitet. Nur zwischen den Jahren blieb die laut Guinness-Buch der Rekorde " kleinste Kneipe der Welt" geschlossen. Jetzt geht das Licht für immer aus.
Autor:
Cathrin Mahns


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