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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Grammophon auf Ratenbasis
Zwischenüberschrift:
Im Dezember 1907 wurde die Kohle mal wieder teurer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Hier wurde die Musik noch selbst gemacht: Das Foto zeigt eine Osnabrücker Familie, allerdings schon Weihnachten 1902 (aus dem Buch " Getreuer noch als wie im Spiegel"). Foto: Sander
Von Christiana Keller Osnabrück. " Niedrige Preise, Lieferung gegen Monatsraten und ohne einen Pfennig Aufschlag das gab′s noch nie!" Im Dezember 1907 warb mit solch verführerischen Konditionen die Firma Otto Jacob aus Berlin im Osnabrücker Tageblatt für einen Luxusartikel. Es ging um " die beste Concertmaschine der Welt", die damals noch Mill-Opera genannt wurde und später als Grammophon in die Geschichte einging.
Von Christiana Keller
Osnabrück. " Große Lautstärke" wurde garantiert. " Vergessen Sie nicht, dass Sie zum Weihnachtsfeste eine " Opera" haben müssen", mahnte die Werbung. Das Grammophon kostete mit 10 neuesten Platten monatlich 5 Mark, insgesamt wurde aber der stolze Preis von fast 90 Mark fällig. Zum Vergleich: Ein Knabenanzug " von der Stange" war ab 2, 50 Mark zu bekommen.
Während heute über steigende Gaspreise gestöhnt wird, erregten vor 100 Jahren die Kohlepreise die Gemüter. Das nationale Kohlenkontor beabsichtigte noch im Dezember die Preise für den wichtigsten Brenn-stoff des Reiches, die Kohle, deutlich zu erhöhen. 50 bis 60 Pfennig pro Tonne mehr bezeichneten Beobachter als einen Schritt in die falsche Richtung, denn in Zeiten des Rückgangs im Gewerbe drohte so weitere Teuerung. Der Markt zeigte sich beunruhigt.
Anfang Dezember 1907 fand eine allgemeine amtliche Zählung der Viehbestände statt. Gleichzeitig versuchte das Ministerium in Berlin die Anzahl der Hausschlachtungen zu ermitteln. Als Zusatz stand in den Tageszeitungen, die Zählung diene keinesfalls als Mittel, um Steuern zu erheben, sondern nur naturwissenschaftlichen und gemeinnützigen Zwecken.
Um die endgültige Form der befahrbaren Unterführung an der Buerschen Straße verhandelten die städtischen Kollegien. Stadtbaumeister Lehmann erläuterte neun verschiedene Pläne, die der Bahndirektion und der Stadt gleichermaßen zur Diskussion und anschließender Genehmigung vorgelegt werden mussten. Auf einen Plan hoffte man sich zu einigen.
Der Bau des geplantenEms-Weser-Kanals rückte in greifbare Nähe. In Hannover trafen sich Vertreter der Gemeinden und Städte, die zukünftig an diesem Kanal liegen würden und sich, wie Osnabrück, wirtschaftlichen Schwung davon erhofften.
Die Konferenzteilnehmer brachten unter anderem den ermahnenden Hinweis mit, dass alle von der Kanaltrasse betroffenen Grundeigentümer genaue Vermessungsarbeiten dulden mussten und dass es verboten sei, die Vermessungspfähle und Merkzeichen zu verändern oder zu vernichten. Durch derartiges Treiben war dem Projekt in vielen Fällen bereits Schaden zugefügt worden.
Der Magistrat machte per Anzeige darauf aufmerksam, dass alle Erbbegräbnisstätten in und um Osnabrück ab Januar 1908 teurer würden. Wer sich noch im alten Jahr für eine Grabanlage entschied, konnte viel Geld sparen.
Ein Münsteraner Kaufmann suchte per Zeitungsinserat eine Bäckerei, die zweimal wöchentlich Osnabrücker Brot backen und versenden würde. Er bot an, die Laibe mit Pferd und Wagen direkt in Münster abzuholen.
Vor 100 Jahren wurde die wachsende Motorisierung langsam spürbar. In den Zeitungen fanden sich mehr und mehr Anzeigen, mit denen " überflüssige Arbeitspferde" günstig zum Verkauf angeboten wurden.
Auf frischen Fisch mussten die Osnabrücker auch vor 100 Jahren nicht verzichten. In der Johannisstraße verkaufte die Hansa-Fischhalle donnerstags und freitags " hochfeinen" Schellfisch. Grüne Heringe kosteten zu drei Pfund 40 Pfennig. Als Spezialität der Firma galten aber Angelschellfische von der Insel Norderney.
Während heute über PISA-Ergebnisse und die Hauptschule diskutiert wird, stand vor 100 Jahren die Volksschule in der Kritik. Sie vermittle nicht mehr genug Bildung, hieß es in einem Bericht des Osnabrücker Tageblatts. Das liege nicht an der Schule oder den Lehrern, hieß es, sondern vor allem an der großen Masse von lernunwilligen Schülern. Die lernbegeisterten Kinder benötigten anderen Unterricht, daher stand schon als beschlossen fest, dass in Osnabrück ab April 1908 eine neue katholische Knabenschule erbaut werden sollte.
Den katholischen Mädchen musste vorerst die Volks- und höhere Töchterschule genügen. Letztere kam aber nur für Mädchen infrage, die einen " höheren Beruf" erwählten, also etwa Lehrerin werden wollten, wie der Reporter schrieb. Über eine Bürgerschule für katholische Mädchen dachte man bereits nach, erste Umfragen dazu waren erfolgreich durchgeführt worden.
Noch vor dem Fest gastierte ein berühmter Mann in Osnabrück und berichtete über " Zwei Jahre im Eise des Südpols". Professor Otto von Nordenskjold, der die Südpolexpedition geleitet hatte, zeigte 100 Lichtbilder nach Original-Aufnahmen.
Mit der " überraschenden Neuheit Persil" wurden die Osnabrücker Hausfrauen in der Tageszeitung bekanntgemacht. Garantiert unschädlich, chlorfrei, ohne Waschbrett, ohne Bürsten und Reiben schien das Waschmittel für " jede Waschmethode" passend.
Im Verwaltungsbericht für das zurückliegende Jahr konnte man lesen, dass die Stadt 1906 insgesamt 61 000 Einwohner hatte, 30 715 weibliche und 30 285 männliche Personen. Vor 100 Jahren wuchs Osnabrück noch: 2005 Geburten standen 1077 Sterbefällen gegenüber. Mit den 39 097 evangelischen Einwohnern lebten in Osnabrück21 418 katholische und 485 Juden zusammen. 4552 Wohnhäuser gab es damals, in denen im Durchschnitt 12, 5 Menschen wohnten.
Der Konsum von Alkohol hatte nur ein wenig abgenommen und lag im Jahr bei stattlichen 85 Litern Bier und 9, 5 Litern Branntwein pro Kopf der Bevölkerung.
Autor:
Christiana Keller


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