User Online: 1 | Timeout: 17:17Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Einen Bunker braucht niemand mehr
Zwischenüberschrift:
arMarlene Hartmann durfte ehemalige Schutzanlage in Schinkel besichtigen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
mlb Osnabrück. Seltsam still ist es im Inneren des Bunkers in Schinkel. Es riecht muffig, feuchte Kälte kriecht vom Fußboden die Waden hinauf. Schier endlos reihen sich im Flur die Sitzbänke aneinander. Mittendrin steht Marlene Hartmann (8) und schaut sich mit großen Augen um.
" Ich hab mir so was viel kleiner vorgestellt", sagt das Mädchen. 38 Meter ist der Bau an der Buerschen Straße lang, elf Meter breit und 16 Meter hoch. 1200 Menschen sollten hier im Ernstfall auf drei Etagen Platz finden, wenn Bomben auf die Stadt fallen. Zu ihrem Schutz wurde massiv gebaut: Die Außenwände des Bunkers sind 1, 10 Meter stark, die Decke sogar 1, 60 Meter. Und dem Beton der Wände ist viel Eisen beigemischt.
Den Bomben des Zweiten Weltkriegs hielt der 1942 fertiggestellte Bau ohne weiteres stand: " Für heutige Verhältnisse ist das Ding aber sinnlos", erklärt Jürgen Dahlke. Er ist Sachbearbeiter Katastrophenschutz bei der Feuerwehr und sieht mit einem Kollegen im Auftrag des Bundes wöchentlich nach dem Rechten.
Richtig instand gehalten wird die Anlage aber nicht mehr. " Sie soll verkauft werden", sagt Dahlke. In anderen Städten würden Bunker für die Zucht von Champignons genutzt. Der Bau in Schinkel sollte einmal als Möbellager umgebaut werden, doch das scheiterte an den Kosten.
Betreten wird der Bunker durch eine große hydraulische ABC-Tür aus Metall. Das heißt, sie schirmt das Gebäude vor atomaren, biologischen und chemischen Waffen ab. Innen ist es mit dem Wichtigsten ausgestattet, was für einen mehrstündigen Aufenthalt nötig ist– aber auf ganz einfachem Niveau. Die Liegen sind vierstöckig übereinandergeschraubt. Mit Strom versorgt wurde das Gebäude im Ernstfall durch einen Schiffsdieselmotor wie schon am Geruch im Erdgeschoss zu erkennen ist. Es gibt eine Anlage zur Luftreinigung, eine zur Aufbereitung von Frischwasser und eine für das Abwasser.
Der Bunker in Schinkel ist der letzte Osnabrücks, der noch ausgestattet ist. Ein zweiter steht an der Redlingerstraße, aber der ist leer. Funktionsfähige Bunker gibt es nicht mehr in der Stadt. Für Ernstfälle, zum Beispiel wenn Gift entwichen ist, gibt es heute vier Evakuierungszentren: " Das sind zumeist Schulen", sagt Dahlke.
Und warum wollte sich Marlene einen Bunker von innen angucken? Wegen ihrer Mutter: Die arbeitet im Klinikum am Natruper Holz. Weil es dort ein unterirdisches Krankenhaus gibt, interessiert sie sich für Bunkeranlagen. " Gruselig", findet Marlene die Stimmung im Bunker. Aber was sie ihrer besten Freundin als Erstes von dem Besuch erzählen wird, das weiß sie noch nicht.

Bilduntertitel

Ab in den Bunker: Marlene Hartmann besichtigte mit Jürgen Dahlke die Anlage in Schinkel. Foto: Hermann Pentermann
Autor:
mlb


Anfang der Liste Ende der Liste