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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Ein UFO für die Kirchenmusik
Zwischenüberschrift:
"Forum am Dom": Bauarbeiten laufen auf Hochtouren – Diözesanmuseum wird Ende April eröffnet – Ein Rundgang
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Holger Jansing Osnabrück. Im Garten an der Kleinen Domsfreiheit scheint ein außerirdisches Flugobjekt gelandet zu sein, und wenige Meter weiter bauen Handwerker einen Riesentresor auf vier Stelzen mitten in die neuromanische Margaretenkapelle: Wer die interessanteste Baustelle der Stadt sucht, wird im Schatten der Bischofskirche fündig.
Die Bauarbeiten, die im Sommer 2006 begannen, laufen auf Hochtouren. Bereits abgeschlossen ist die umfassende Sanierung des Kreuzganges (siehe Bericht unten). In den Nebengebäuden im Osten und Süden (errichtet am Ende des 19. Jahrhunderts) entsteht bis zum Frühjahr 2008 das neue Diözesanmuseum, das 1917 vom damaligen Bischof Wilhelm Berning gegründet worden war. Die Eröffnung ist für den 18. April geplant. Im Nachkriegsbau im Westen bekommt das Seelsorgeamt renovierte Büros, und die Chöre am Dom können künftig in einem extravaganten Anbau proben.
Alles neu macht der Mai, könnte man meinen, denn der Katholikentag, der vom 21. bis 25. Mai 2008 in Osnabrück stattfindet, hat das seit Jahren geplante und inzwischen fast auf Eis gelegte Bauprojekt " Forum am Dom" beschleunigt. Von der Dynamik sind selbst die Beteiligten überrascht. " Da kann einem manchmal schon die Puste ausgehen", sagt Museumsleiter Dr. Hermann Queckenstedt.
Von außen sind die Bauarbeiten kaum wahrzunehmen. Allein der neue Probenraum für die Domchöre sticht ins Auge. Der ovale Anbau östlich des Kreuzganges ist vollständig mit Kupferplatten verkleidet, die in der Sonne glänzen. Künftig werden sie wie die Hauben der Domtürme grüne Patina ansetzen.
Der Anbau hat inzwischen Gestalt angenommen. Das abfallende Geländeniveau ist beibehalten worden, so dass wie in einem Theater die Sitzreihen mit bis zu 200 Plätzen im Halbrund abgestuft sind. Am tiefsten Punkt ist eine Art Bühne, auf der ein Flügel und der Dirigent Platz finden. Bisher mussten die Domchöre in beengten Räumen proben. Doch schon bald kann Direktor Johannes Rahe seine erfolgreiche Arbeit unter wesentlich besseren Bedingungen fortsetzen und das in spektakulärer Architektur. Wie in einem antiken Tempel fällt Tageslicht durch ein kreisrundes Dachfenster ins Innere.
Im Mittelpunkt des 4, 8 Millionen Euro teuren Umbaus, den der Luxemburger Architekt Christian Bauer geplant hat, steht das neue Diözeanmuseum. Bisher war es nach Ansicht von Spöttern mehr ein begehbares Magazin, ein Sammelsurium, das sich kaum einem Besucher richtig erschloss. Bezeichnend war wohl, dass der Zugang versteckt im Ostflügel des Kreuzganges lag.
Künftig gibt es ein repräsentatives Foyer, das sich zum Domvorplatz im Westen öffnet und auch als Begegnungszentrum genutzt werden kann. Früher war von hier aus lediglich das Seelsorgeamt zu erreichen, nun erschließt sich der gesamte Komplex. Im Untergeschoss wird es Garderoben und Toiletten geben, in der Nähe der Kasse auch einen Shop, wie sich das für ein richtiges Museum gehört.
Museumsleiter Hermann Queckenstedt und seine Mitarbeiterinnen Jutta Gladen und Friederike Dorner sind seit Monaten damit beschäftigt, eine moderne Ausstellungskonzeption zu erarbeiten. Im Kern wird es einen Rundgang durch die Zeit von der Entstehung des Bistums um 800 bis in die Gegenwart geben. Die Sammlung wird ausgedünnt, damit die einzelnen Exponate besser zur Geltung kommen. Details mussten die Handwerker bereits während des Umbaus berücksichtigen. Im ersten Museumsraum hinter dem neuen Foyer verlegten sie eine dicke Estrichschicht, um statt Treppenstufen einen behindertengerechten Übergang zu erhalten. Im Boden wurde eine Öffnung ausgespart, in der künftig unter einer mächtigen Glasscheibe das älteste Objekt im Original präsentiert wird: die 1200 Jahre alte, prächtige Silberfibel und darunter das maßstabsgetreue Foto des Bischofsgrabes, in dem sie gefunden wurde.
Es ging aber auch immer wieder um technische Dinge. Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen seien für wertvolle Ausstellungsstücke tödlich, sagt der Museumsleiter insbesondere für Textilien. Deshalb wurden von innen zusätzliche Fenster mit Isolierglas eingebaut, in die neu gedämmten Wände Heizungsschläuche verlegt und unterm Dach eine komplizierte Klimaanlage installiert. Aus konservatorischen Gründen wird das Tageslicht an vielen Stellen abgedunkelt.
Noch ist die Luft staubig, und überall stehen Gerüste im Weg. Doch schon jetzt lässt sich erahnen, dass etwas Großartiges entsteht. Dieser Eindruck bestätigt sich vor allem in der neuromanischen Margaretenkapelle, die früher von der Kleinen Domsfreiheit aus zugänglich war. Hier entsteht gerade ein Raum im Raum, eine Art Tresor auf vier Stelzen, der mit schwarzen Holzplatten verkleidet wird. Künftig werden dort im Obergeschoss Teile des Domschatzes ausgestellt Gold, Silber und Edelsteine, in einigen der rund 50 speziell angefertigten Vitrinen sicher verwahrt. " Dieser Entwurf ist der Clou des neuen Museums", sagt Hermann Queckenstedt und lobt den Luxemburger Architekten und seine Osnabrücker Partner in höchsten Tönen.
Für diesen und einige der anderen Räume gibt es auch besondere Lichtkonzepte, die die Ausstellungsmacher bis ins Detail ausprobiert haben. Dabei fiel ihnen zum Beispiel auf, dass beleuchtete blaue Seide braun erscheint und deshalb als Hintergrund nur bedingt geeignet ist.
Im neuen Diözesanmuseum wird es eine weitere Attraktion geben. In einen Raum soll quer als Riegel ein Lettner eingebaut werden also ein Bauteil, das früher in der Kirche die Geistlichen von den Gläubigen getrennt hat. Acht insgesamt 600 Kilogramm schwere Apostelfiguren sollen auf dieser Installation ihren Platz finden. Das sei auch eine statische Herausforderung, sagt der Museumsleiter.
Er und sein Team freuen sich, künftig auch eigene Räume für Wechselausstellungen und pädagogische Angebote zur Verfügung zu haben. Die seien bisher immer schon sehr gut angenommen worden, berichtet Jutta Gladen und weist auf die zahlreichen Führungen für Kinder hin. Für die Historikerin steht fest: " Wir sind eine Marke im Kulturbetrieb der Stadt."
Die Präsentationsfläche für die Dauerausstellung im Diözesanmuseum bleibt übrigens in etwa gleich. Und für das wichtigste Exponat ist nicht einmal Platz. Das sei die Bischofskirche selbst, sagt Hermann Queckenstedt: " Alle unsere Überlegungen gehen vom Dom aus." Es sei deshalb nur folgerichtig, auch das Leben in der Diözese heute zu thematisieren. Damit wird der Ausstellungsrundgang künftig enden.
Weitere Motive von den Umbauarbeiten am Dom in unserer Internet-Bildergalerie unter www.neue-oz.de

Bilduntertitel

Glänzende Zeiten: Extravagant ist der ovale, vollständig mit Kupferplatten versehene Anbau, in dem künftig die Chöre am Dom proben werden. Tageslicht ins Innere fällt durch ein kreisrundes Dachfenster. Fotos: Jörn Martens

Installation: Unter einer Glasplatte werden das Foto eines Bischofsgrabes und die 1200 Jahre alte Fibel (kleines Bild) gezeigt. Hermann Queckenstedt, Jutta Gladen und Friederike Dorner (von links) begutachten die Baustelle.

Riesentresor: Handwerker bauen derzeit in die neuromanische Margaretenkapelle einen Ausstellungsraum auf Stelzen, in dem künftig der kostbare Domschatz zu sehen ist. Das ist der Clou des neuen Diözesanmuseums.

Feuervergoldet: Die 3, 6 Zentimeter lange Silberfibel vom Anfang des 9. Jahrhunderts wurde in einem Grab am Dom gefunden wurde.
Autor:
Holger Jansing


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