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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Über die unheilvolle Geschichte stolpern
Zwischenüberschrift:
Kölner Künstler verlegt erste Steine in der Stadt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
jan Osnabrück. Die Betonwürfel haben eine Kantenlänge von zehn Zentimetern. Fest darin verankert sind polierte Messingplatten, auf denen die Namen von Osnabrückern stehen, die im Dritten Reich verfolgt, verhaftet und ermordet wurden. Acht dieser Stolpersteine hat der Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig gestern in Osnabrück verlegt. Weitere werden folgen.
Der Stadtrat hatte vor einem Jahr beschlossen, sich an dem ehrgeizigen Projekt des 1947 geborenen Künstlers zu beteiligen. Den ersten Stolperstein hatte Gunter Demnig, der sich selbst als " Spurenleger" bezeichnet, 1997 auf eigene Faust und ohne behördliche Genehmigung in einer Pflasterfläche in Berlin-Kreuzberg eingelassen. Inzwischen sind es in ganz Deutschland und in einigen europäischen Nachbarstaaten mehr als 13 000 geworden. Für sein Engagement ist der Künstler mit dem Bundesverdienstkreuz und anderen Auszeichnungen geehrt worden.
Das Interesse in der Öffentlichkeit ist gewaltig, inzwischen stehen die Kommunen Schlange, um einen Termin zu bekommen. Gestern nun kam der Künstler mit Hut und rotem Halstuch nach Osnabrück, um hier mit Zementeimer, Maurerkelle und Wasserkanister ans Werk zu gehen. Erste Station war an der katholischen Christus-König-Kirche in Haste, wo auf dem Vorplatz das kleine, glänzende Mahnmal künftig an den Priester Johannes Prassek erinnert, der das NS-Regime kritisiert hatte und dafür am 10. November 1943 in Hamburg enthauptet wurde. Während des Ortstermins sagte Oberbürgermeister Boris Pistorius vor mehreren Hundert Teilnehmern, dass es wichtig sei, die zwölf Jahre des Grauens im Alltag sichtbar zu machen. Die unheilvolle Geschichte habe auch in Osnabrück stattgefunden. Das dürfe nicht vergessen werden. Der OB wies darauf hin, dass die Stadt seit vielen Jahren eine ausgeprägte Gedenkkultur pflege. Das Recht dürfe nie wieder so mit Füßen getreten werden wie im Dritten Reich.
Drei Stolpersteine auf dem Bürgersteig vor dem repräsentativen Eckhaus an der Martinistraße 67a erinnern an das Schicksal der Familie van Pels, die hier bis 1937 im ersten Stock wohnte. Auch hier fordern die kleinen Kunstwerke am Boden zum Innehalten auf. Die Sache werde persönlich, sagte Domkapitular Prof. Dr. Heinrich Jacob: " Wir dürfen uns der Last der Vergangenheit nicht entledigen, sondern müssen sie annehmen und tragen." Hermann und Auguste van Pels und ihr Sohn Peter sind durch das Tagebuch der Anne Frank bekannt geworden, mit deren Familie sie sich gemeinsam in einem Hinterhaus in Amsterdam mehr als zwei Jahre versteckten.
An der Großen Rosenstraße 1 lebten Oswald Winter und Marie Schmidt mit ihren Kindern Ramona und Werner, die am 1. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden. Über die Sinti-Familie ist nur wenig bekannt. Aus dem Polizeiprotokoll geht hervor, dass sie unter anderem einen Kinderwagen in Osnabrück zurückließen. Auf dieses erschütternde Detail wiesen gestern Jugendliche der Gesamtschule Schinkel hin, während Gunter Demnig die vier Stolpersteine verlegte. Der Sohn wurde nur ein, die Tochter gerade einmal vier Jahre alt.
Autor:
jan


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