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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Wie kommt Ökostrom in meine Steckdose?
Zwischenüberschrift:
Der Anteil regenerativ erzeugter Energie am Strommix soll bis 2013 auf 25 Prozent steigen
Artikel:
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Von Henning Müller-Detert Osnabrück. Eine gute Wärmedämmung und natürlich die Stand-by-Funktionen ausgeschaltet. Vielleicht die Photovoltaikanlage auf dem Dach und ein Miniblockheizkraftwerk im Keller. Auch im Osnabrücker Land haben Haushalte viele Ansatzpunkte, Energie zu sparen, und mittlerweile auch Möglichkeiten, sie zu produzieren. Wie sieht es nun aus, wenn Verbraucher ausschließlich Ökostrom beziehen möchten?
Von Henning Müller-Detert
Osnabrück. In den vergangenen Jahren hat sich einiges getan: Laut gesetzlicher Vorgabe soll der Anteil regenerativ erzeugter Energie bis 2010 auf 12 Prozent steigen. Tatsächlich ist die Marke schon in diesem Jahr geknackt worden, und der Anteil nimmt weiter zu. 2013 wird voraussichtlich jede vierte Kilowattstunde Strom grün erzeugt werden. Wegen steigender Energiepreise hat sogar Umweltminister Gabriel einen Wechsel des Stromanbieters empfohlen. Warum also nicht zugleich den grünen Strom weiter nach vorn bringen? In Melle wurden bereits 2003 mit Photovoltaik, Wind und Biogas annähernd 50 Prozent des Energiebedarfs der privaten Haushalte erzeugt. Mittlerweile dürfte der Anteil sogar bei über 50 Prozent liegen, sagt Holger Hämel, Geschäftsführer der EEG Energie Expertise GmbH.
Verbraucher können nun mit Anbietern Verträge abschließen, deren Strom zu 100 Prozent grün erzeugt wird. Doch so einfach ist die Rechnung allerdings nicht. Aus der Steckdose kommt nämlich dennoch ein Strommix. Entsprechende Durchschnittszahlen liegen auch für den Landkreis vor. Den beliefert zu großen Teilen der Energiekonzern RWE. Ausnahmen sind Hagen, Georgsmarienhütte, Hasbergen, Bad Laer und Glandorf sowie das Zentrum von Bramsche, wo Konzessionsverträge mit anderen Betreibern wie etwa Stadtwerken abgeschlossen wurden. Das Ergebnis: 63 Prozent fossile und sonstige Energieträger (Steinkohle, Braunkohle, Erdgas), 24 Prozent Kernkraft und 13 Prozent erneuerbare Energien, berichtet Evita Schäfer, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei RWE.
1998 wurde in Deutschland der Energiemarkt liberalisiert (siehe Infokasten). Das Ziel: Mehr Wettbewerb sollte her und der Anteil regenerativer Energien steigen. Das erscheint zunächst einmal schwierig. Soll jeder Anbieter Parallelnetze zu bestehenden Kabelsträngen verlegen? Also wurde die Stromlieferung in Beschaffung und Transport zerlegt. Wettbewerb ist nun bei der Erzeugung von Strom möglich, der aber über die bestehenden Leitungen in die Haushalte geliefert wird, erläutert Marcus Bergmann, Leiter Energieeinkauf bei den Stadtwerken Osnabrück. Aber erst ein Eingriff des Staates sorgt dafür, dass der Anteil des Ökostroms wächst: 2000 verabschiedete die damals rot-grüne Bundesregierung das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Vereinfacht gesagt: Das Netz wird zunächst mit grünem Strom gespeist und dann mit anderen Energieträgern aufgefüllt.
So gibt es beispielsweise die Windräder der Kommanditgesellschaften Region Regenerativ Melle Energiegesellschaft und RRM 2002 Energiegesellschaft, die den Strom bei RWE einspeisen und dafür eine Vergütung erhalten.
Da die Herstellung von alternativem Strom in der Regel noch teurer ist als beispielsweise aus Kernkraft, wird der Verbraucher stärker zur Kasse gebeten. So liegt die Stromrechnung jedes Haushalts daher um rund fünf Prozent höher, als wenn keine grün erzeugte Energie eingespeist würde.
Verwirrend für den Verbraucher sind in diesem Zusammenhang spezielle Ökostrom-Angebote. Dem Kunden wird hier häufig nur rein rechnerisch regenerativ erzeugter Strom zugeordnet. Physikalisch gesehen bezieht der Verbraucher aber den gleichen Strommix wie zuvor. Die Stromrechnung weist aber zu 100 Prozent den teureren grünen Strom aus. Zugleich verringern sich die Kosten wenn auch kaum spürbar für die Allgemeinheit: Die Entscheidung eines Haushalts für regenerativ erzeugte Energie verringert rein rechnerisch den Anteil grünen Stroms, der für die Bevölkerung zur Verfügung steht. Der Anteil der günstigeren Stromarten steigt und verringert damit die Stromrechnung.
Bergmann hält die Konstruktion dennoch für einen Fortschritt: " Die Steigerungsraten von Ökostrom sind enorm." Vor Einführung des EEG habe es lediglich " Lippenbekenntnisse" gegeben. Außerdem: Die Stromanbieter verwenden die zusätzlichen Erlöse für den vermeintlichen Ökostrom für umweltfreundliche Anlagen. " Damit kann jeder seinen Beitrag leisten", sagt Evita Schäfer.
Die Stadtwerke Osnabrück haben etwa das Projekt " Ökostrom" aufgelegt. Der Kunde zahlt zwei Cent zusätzlich pro Kilowattstunde. Die Stadtwerke verdoppeln diese Summe bis zu 25 000 Euro jährlich und finanzieren so spezielle Projekte in der Region. Jüngste Investitionen: Photovoltaikanlagen, etwa in der Grundschule im Stadtteil Sutthausen, bei der Nordwestbahn oder dem Nettebad.

Bilduntertitel:

Einen Mix aus ökologisch und konventionell erzeugtem Strom beziehen in der Regel auch diejenigen Verbraucher, deren Stromrechnung zu 100 Prozent den teureren grünen Strom ausweist. Foto: AP
Autor:
Henning Müller-Detert


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