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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die "große Wäsche" der städtischen Abwässer
Zwischenüberschrift:
Ausbau der städtischen Kläranlage zur Reinhaltung der Hase.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Um die Reinhaltung der Hase hat sich die Stadt Osnabrück nun schon jahrelang bemüht, indem sie durch die Beseitigung aller den Hasefluß verschmutzenden Quellen wieder geordnete Zustände im Flußlauf zu schaffen, bestrebt war. Es sind in den letzten Jahren allein für die Kanalisation des Stadtteiles Schinkel, dessen Abwässer in offene Gräben geleitet und damit ungereinigt der Hase unmittelbar zugeführt wurden rund 400 000 RM aufgewendet. Neuerdings ist auch die Firma Schoeller unter Anwendung erheblicher Geldmittel bemüht, durch den Ausbau ihrer Abwässerreinigungsanlagen alle ungelösten Schmutzstoffe ihrer Fabrikabwässer von dem Hasefluß fernzuhalten. Der Belmer Mühlenbach, früher infolge seines zu großen Klärraumes und seiner unzweckmäßigen Form eine der Hauptverschmutzungsquellen für die Hase ist in vier Becken aufgeteilt worden. Die sinnreiche Konstruktion dieser Becken ermöglicht eine annähernd 100prozentige Zurückhaltung der Sink- und Schwebestoffe und eine bequeme Beseitigung des abgesetzten Schlammes. Bei allen diesen Maßnahmen, deren günstige Einwirkung bereits im Sommer 1935 festzustellen war, handelte es sich aber nur um die Bereinigung und Reinhaltung der Hase innerhalb des bebauten Stadtgebietes. Unterhalb des bebauten Stadtgebietes wird die Hase noch stark verunreinigt durch die Einleitung sämtlicher städtischen Abwässer und der Fabrikabwässer der Papierfabrik Brüder Kämmerer. Um auch im Haselauf unterhalb der Stadt geordnete Verhältnisse zu schaffen, wird von der Stadt z. B. die neue Abwässerreinigungsanlage gebaut. In dieser Anlage werden alle neuesten Errungenschaften auf dem Gebiete der Klärtechnik ausgewertet. Die Arbeiten sind seit Anfang Juli 1935 im Gange und so weit vorgeschritten, daß der Besucher der Baustelle schon eine gute Übersicht über die Gesamtanlage gewinnen kann. Im Vordergrunde an der Straße liegen die drei Absetzbecken und das Regenspeicherbecken. In Form und Größe besteht zwischen beiden Beckenarten kein Unterschied. Die Becken haben eine Länge von 48 Meter, eine Breite von 10 Meter, eine Wassertiefe von 2, 20 Meter. In diese Absetzbecken wird das gesamte Abwasser nachdem es mittels Grobrechen vorgereinigt worden ist, durch offene Gerinne eingeleitet. Infolge der sehr geringen Strömung mit der das Abwasser die Absetzbecken durchfließt, sinken die von ihm mitgeführten mechanisch beigemengten Schmutzstoffe und setzen sich auf der Beckensohle ab. Die Ausscheidung der Schmutzstoffe infolge der geringen Strömung ist so stark, daß z. B. schon 5 Minuten nach Eintritt des Abwassers in die Becken etwa 45 Prozent der gesamten ungelösten Stoffe ausgeschieden werden. Die gesamte Durchflußzeit des Abwassers durch die Becken beträgt etwa zwei Stunden. Der auf der Sohle abgesetzte Schlamm wird mittels eines elektrisch betriebenen Schlammausräumers in die am Beckeneinlauf liegenden Schlammtrichter geschoben und von hier aus mittels Schlammpumpen in die Faultürme befördert. Das oben bereits erwähnte Regenspeicherbecken hat den Zweck, bei eintretenden starken Niederschlägen die Absetzbecken vor Überlastung zu schützen. Die über deren Leistungsfähigkeit hinaus anfallende Regenmenge wird durch einen Regenauslaß in das Speicherbecken geleitet und hier aufgespeichert. Nach Beendigung des Regens wird das aufgespeicherte Wasser in die Absetzbecken zurückgepumpt und ebenfalls gereinigt.
Im Hintergrunde, am Ablaufende der Becken, sieht der Besucher die beiden im Bau befindlichen Schlammtürme. Die Türme haben einen Durchmesser von 15 Meter, eine Höhe über Gelände von rund 10 Meter und eine Tiefe unter Gelände von rund 5 Meter. In diesen Schlammtürmen wird der Schlamm dauernd auf 25 Grad Celsius erwärmt. Die Erwärmung erfolgt mittels drehbarer Heizschlangen und hat den Zweck, die Ausfaulung des Schlammes zu beschleunigen. Der Ausfaulprozeß ist nach etwa 4 - 6wöchiger Lagerung beendet. Der ausgefaulte Schlamm, der nur noch schwach wie etwa nach verbranntem Gummi riecht, wird auf Trockenbeete geleitet, wo ihm das noch anhaftende Wasser entzogen wird. Nach einer etwa 14-tägigen Lagerung auf den Trockenbeeten ist der Schlamm stichfest und kann in diesem Zustande als wertvoller humusbildender Dung verwertet werden.

Bei dem Ausfaulprozeß des Schlammes in den Faultürmen bildet sich das bekannte hochwertige Methangas (Grubengas). Während unser Leuchtgas beim Verbrennen etwa 4500 Wärmeeinheiten erzeugt, erzeugt das gereinigte Methangas etwa 7000 - 8000. Ein Teil des anfallenden Methangases wird für die Erwärmung des Schlammes benutzt. Es wird erwogen, den Überschuß an Gas für den Betrieb von städtischen Kraftwagen der Müllabfuhr und Straßenreinigung zu verwenden, um auf diese Weise von ausländischen Treibstoffen unabhängig zu werden.
Die Anlage wird nach den Entwürfen des Stadtbauamtes, die dem Ruhrverband zur Begutachtung vorgelegen haben, ausgeführt. Sämtliche Arbeiten sind in beschränkter Submission ausgeschrieben worden. Die Erd-, Wasser-, Eisenbeton- und Maurerarbeiten werden von der Firma Windschild & Langelott, Bremen, die maschinellen Einrichtungen von den Spezialfirmen Passavantwerke in Michelbach (Passau) und Schulze, Gladbeck i. W. ausgeführt. Becken, Schlammtürme, Zulauf- und Ablaufgerinne werden in Eisenbeton hergestellt. Zu ihrer Herstellung sind etwa 60 Ladungen Zement und rund 160 000 Kilogramm Rundeisen neben dem Kies und Sand erforderlich.
Hier ist eine Anlage im Entstehen, die zu der Hoffnung berechtigt, daß nach ihrer Inbetriebnahme die jahrelangen berechtigten Klagen über die Verschmutzung des Haseflusses aufhören und der Zustand der Hase wieder erträglich werden wird. Zu dieser Hoffnung berechtigt allein schon ein Vergleich zwischen der alten und der neuen Anlage. Während in der alten Anlage mittels der Siebtrommel nur etwa 15 Prozent der Schmutzstoffe zurückgehalten werden können, werden durch die neue Anlage etwa 95 - 98 Prozent aller absetzbaren Schmutzstoffe zurückgehalten werden. Der im Abwasser noch verbleibende Rest an ungelösten Stoffen ist so gering, daß die Hase aller Voraussicht nach in der Lage sein wird, diesen biologisch abzubauen und Fäulniserscheinungen nicht mehr auftreten werden. Die Kosten der gesamten Anlage sind auf 300 000 RM veranschlagt. Die Stadt bringt demnach ein erhebliches finanzielles Opfer. Aber es ist ein Anlagekapital, das gemessen an dem Wert für Gesundheit und Wohlbefinden der Bewohner Zinsen tragen wird nach dem Wort des großen Arztes Virchow in seinem Gutachten über die Berliner Kanalisation im Jahre 1869: Krankheiten fernzuhalten ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gemeinden. Erst Gesundheit, dann Bildung! Kein Geld ist rentabler angelegt, als dasjenige, das der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Bewohner dient.


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