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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Wohnen in der "Kloake am Markt"?
Zwischenüberschrift:
Protestbrief von St. Marien
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. So ein Satz verheißt nichts Gutes: " Wir haben diesen Zustand nun lange genug ertragen." Die Kirchengemeinde von St. Marien hat der Stadtspitze einen Protestbrief geschrieben: Kirchenvorstand und Anwohner rings um den Marktplatz haben sprichwörtlich " die Nase voll" angesichts der Begleitumstände bei Großveranstaltungen auf dem Marktplatz.
Das zweiseitige Schreiben von Kirchenvorstand und Pfarramt der St.-Marien-Gemeinde zugleich im Namen der Anlieger an der Marienkirche ist überaus drastisch, wenn es die anrüchigen Auswirkungen von Großveranstaltungen wie Weihnachtsmarkt, Maiwoche oder Karneval schildert: dass nämlich Männer wie Frauen " reihenweise und ungehindert an die Kirche pinkeln" oder Türen und Hauseingänge " noch Tage später nach Urin stinken".
Gipfel (und Auslöser des Protests) muss demnach wohl die Aufstiegsfeier für den VfL am 2. Juni gewesen sein. Da ist von den " Exzessen einer betrunkenen Menge" und dem " müllkippenartigen Zustand des zentralen historischen Platzes dieser Stadt" die Rede: " Es macht über die Grenzen Osnabrücks hinaus keinen guten Eindruck, wenn am Sonntagmorgen die Besucher der Gottesdienste im Dom und St. Marien durch Unrat und Scherben waten müssen und während des Gottesdienstes die Aufräumarbeiten geleistet werden."
Anstand, Scham und öffentliche Hygiene dürften nicht ungestraft " den Bach hinuntergehen", weshalb die Stadtverwaltung auch als Hüter der Ordnung gefordert sei: " Wir haben nicht das geringste Verständnis dafür, dass zwei bis drei hilflose Angestellte eines privaten Ordnungsdienstes um die Ecke schauen und lieber schnell wegblicken."
Und dann folgt ein drastischer Satz, in dem sich der ganze Ärger der Anwohner über die unzumutbaren Verhältnisse konzentriert: " Wir protestieren gegen die Zumutung, zu Bewohnern eines Großraumpissoirs, einer Kloake gemacht zu werden." So wörtlich in dem von Pastor Gottfried Ostermeier im Auftrag von Kirchenvorstand, Pfarramt und Anliegern unterzeichneten Schreiben.
Wenn die Stadt also Konzessionen für Großveranstaltungen vergebe, dann sei sie auch in der Pflicht, ihre Ordnungsaufgabe wahrzunehmen. Dabei sehen die Verfasser des Briefes durchaus die Schwierigkeiten, die es bei der Durchsetzung der öffentlichen Ordnung gerade bei Großveranstaltungen geben kann. Gleichwohl sei mittlerweile die Grenze des Zumutbaren überschritten, und die Stadt müsse handeln, wolle sie nicht den Anschein " exekutiver Schwäche" erwecken.
Das Schreiben der Kirchengemeinde von St. Marien liegt seit zwei Wochen bei der Stadtverwaltung. Dr. Sigrid Pees-Ulsmann als Kirchenvorstand-Vorsitzende hat eine Eingangsbestätigung bekommen.
Im Rathaus wird jetzt über diese " anrüchige Affäre" und mögliche Lösungsstrategien nachgedacht. Wie Günter Landwehr als Leiter des Oberbürgermeister-Büros berichtete, soll zunächst der sachlich zuständige Fachbereich Bürger und Ordnung eine Stellungnahme erarbeiten. Beispielsweise habe sich herausgestellt, dass die begrenzte Kapazität der Kanalanschlüsse die Aufstellung zusätzlicher Toilettenwagen verhindere. In einem zweiten Schritt werde es dann ein Gespräch mit der Kirchengemeinde geben. Ein Termin sei noch nicht vereinbart.

Bitte mit Augenmaß
Von Frank Henrichvark
Müssen Anwohner es eigentlich ertragen, wenn bei Großveranstaltungen in der Stadt ihre Häuser und Wohnungseingänge oder Kirchenportale und Grünflächen zugesaut werden? Die Antwort im Stil von Radio Eriwan lautet: Im Prinzip nein, aber in der Realität schon. Denn wer will noch dazwischengehen, wenn der Harndrang so groß ist und die Schamschwelle so niedrig?
Nun hat die Stadt Osnabrück in der Vergangenheit aber doch mehrfach bewiesen, dass ihr die öffentliche Ordnung wichtig und teuer ist. Es gibt einen Sündenkatalog, wonach jede weggeworfene Bananenschale und jeder Hundehaufen, ja sogar jede Zigarettenkippe auf dem Pflaster Geld kostet. Wildes Pinkeln ist übrigens am teuersten, es kostet (theoretisch) 50 Euro.
Also kommt es darauf an, das bestehende Instrumentarium auch einzusetzen. Aber mit Augenmaß. Sonst könnte der Eindruck entstehen, als würde nach Tugendwächtern und Sittenpolizei gerufen. Aber immerhin: Mit Alkoholkontrollen für Jugendliche beim Ossensamstag ist ein Anfang gemacht. Das lässt hoffen.
Autor:
fhv


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