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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Eine historische Werbekampagne
Zwischenüberschrift:
Schon im September 1907 warb die Stadt mit Broschüre um Aufmerksamkeit
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Christiana Keller

OSNABRÜCK. Umständlich gestaltete es sich vor 100 Jahren, wenn man in das Ausland reisen wollte. Für die Türkei war zum Beispiel ein Visum der " kaiserlich ottomanischen Botschaft" in Berlin nötig, das nur bei persönlicher Anwesenheit in der Reichshauptstadt ausgestellt wurde. Ab September 1907 einigte man sich auf Reiseerleichterungen, nun stellten auch die türkischen Generalkonsulate, die im Deutschen Reich verteilt ' waren, Visa aus.

Bei hochsommerlichen Temperaturen begann die Spielzeit des Theaters im September. " Zar und Zimmermann" lockte das Osnabrücker Publikum in das Theater an der Großen Gildewart, das bis auf den letzten Platz belegt war. Ausführlich berichtete das Osnabrücker Tageblatt von der Premiere, besprach jede Sängerin, jeden Sänger, Kostüme und Orchester. " Im Übrigen verstehen wir nicht", schrieb gnadenlos der Kritiker, " warum der Darsteller mit so pechschwarz eingerahmten Augen auftrat? Größere Schönheit wurde ihm dadurch nicht verliehen!"

Werbung für sich selbst machte Osnabrück schon vor 100 Jahren. " Osnabrück und seine Berge" hieß eine eigens gedruckte Zeitschrift, die Abbildungen der Stadt zeigte, den Friedenssaal, das Heger Tor, Dom und Marienkirche. Der " Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs" und der Teutoburger Gebirgsverband hatten sich zusammengetan, um die Heimatstadt überregional bekannter zu machen. Und wirklich: Die Hoteliers berichteten, dass Schulen, Vereine und Einzelreisende durch diese Veröffentlichungen auf die Stadt aufmerksam gemacht worden waren und Anfragen stellten.

Michelangelo in Osnabrück! Tatsächlich war im Museum die Nachbildung eines Florentiner Kunstwerkes von Michelangelo zu bewundern. Das Grab von Lorenzo di Medici fand als Gipsabdruck für kurze Zeit Aufstellung im Oberlichtsaal des Museums. Der Dürerbund bemühte sich aber auch um zeitgenössische Kunst. Die Worpsweder Künstler Heinrich Vogeler, Hans am Ende und Fritz Overbeck stellten gleichzeitig Radierungen und Zeichnungen aus. Otto Modersohn und Fritz Mackensen trugen mit Ölbildern zu der Ausstellung bei. In den Steinbrüchen am Piesberg arbeiteten zahlreiche Italiener als Steinhauer. Hier gab es Mitte September einen Zwischenfall. Einige Italiener meinten, beleidigt worden zu sein, und griffen zu Revolvern. Sie schössen auf das Logierhaus und " machten ihrem Zorne Luft", wie die Reporter des Osnabrücker Tageblattes berichteten. Obwohl niemand verletzt wurde, mussten die mutmaßlichen Täter mit ihrer Entlassung rechnen, kündigte die Werksleitung an.

" Nachts zu kühl und tagsüber zu heiß." So lässt sich die Wetterlage im September vor 100 Jahren beschreiben. Der Norden lag inmitten eines starken Hochdruckgebietes, das Sonne und wolkenlosen blauen Himmel mit sich brachte. Bei diesem strahlenden Wetter war die Ernte in vollem Gange. Besonders Pflaumen und Birnen wiesen 1907einen hohen Fruchtsaftanteil auf, denn es hatte mehr als genug geregnet. Die Gurken waren dagegen selten, ihre Ernte fiel dürftig aus. Unter Kartoffelfäule litt die Kartoffelernte. Das nasse Wetter des Sommers und die späte, ungewöhnlich hohe Wärme führten insgesamt zu empfindlichen Ernteausfällen. Erfreulich gestaltete sich dafür die Pilzsuche in den Wäldern des Osnabrücker Landes. Steinpilze und Champignons gab es in überreichen Mengen.

Um die Schulden der Stadt drehten sich die Zusammenkünfte der städtischen Kollegien im September. Auf über 8 Millionen Mark waren die Schulden im vergangenen Jahr gestiegen, 2 Millionen mehr als 1906. Überall galt es Löcher zu stopfen und gleichzeitig die Zukunft und Entwicklung der Stadt im Auge zu behalten.

So musste 1907 der Hasefriedhof dringend erweitert werden, dafür stellten die städtischen Kollegien die nötigen Finanzmittel zur Verfügung. Neue Erbbegräbnisstellen sollten geschaffen werden. Auch der Johannisfriedhof erfuhr eine Vergrößerung. Die Erweiterungen wurden mit " landschaftlichem" Charakter geplant, also mit viel Grün und großzügiger Platzbemessung.

Auf dem Schölerberg und dem Gertrudenberg plante die Stadt, noch weitere Grundflächen zu erwerben, die als Parkanlagen dann der ganzen Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden sollten. Das öffentliche Interesse war hoch, die Menschen verbrachten ihre Freizeit gerne und viel im Grünen. Spielplätze und Rasenflächen, Blumen, Buschwerk und Bäume waren Investitionen für die nächsten Generationen.

Fotountertitel:

Kritik mussten sich die Darsteller im Theater an der Großen Gildewart im September vor 100 Jahren zum Spielzeitauftakt gefallen lassen. Foto: Archiv / Lichtenberg
Autor:
Christiana Keller


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