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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Stadt stoppt Preispoker am Neumarkt
Zwischenüberschrift:
Kerngrundstück ist zu teuer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Die Aussicht auf eine neue Einkaufsgalerie am Neumarkt schwindet. Die Verhandlungen sind in eine Sackgasse geraten, weil der Eigentümer des ehemaligen Wöhrl-Kaufhau-ses einen hohen Preis verlangt. Die Stadt will dem Verhandlungspoker nicht länger zusehen und hat eine endgültige Frist bis zum 30. September gesetzt.

Bis Ende des Monats hat die Immobilienentwicklungsgesellschaft CM aus Münster noch Zeit, die Kaufverhandlungen zu einem Ergebnis zu bringen. CM bemüht sich seit zwei Jahren um eine Vermarktung des südlichen Neumarkt-Kom-plexes. Ziel ist der Bau eines Einkaufszentrums mit Eingang an der Ecke Johan-nisstraße/ Neumarkt. Andere Hauseigentümer sind offenbar zum Verkauf bereit. Doch das Schlüsselgrundstück fehlt in der Sammlung: das ehemalige Wöhrl-Kaufhaus.

Der Geschäftsführer der Projektgesellschaft offenbarte in dieser Woche dem Neumarkt-Lenkungsausschuss das Scheitern der Gespräche mit dem Immobilienfonds. " Die Kaufpreiserwartungen der jetzigen Eigentümer können wir bei bestem Willen nicht erfüllen", teilte CM-Geschäftsführer Dr. Christian Lingg gestern mit. Eigentümer ist der Immobilienfonds Whitehall, eine Tochter der Investmentbank Goldman Sachs. Anfang 2007 hat der milliardenschwere Fonds das Gebäude von der Versicherungsgesellschaft ERGOübernommen.

Die Stadt hatte der CM-Projektentwicklung eine bis / um 30. September befristete Option eingeräumt, in Kooperation mit dem Architekten Georg Gewers aus Berlin, den Neumarkt zu entwickeln. Die Frist wird nicht verlängert. Am 30. September muss CM Ergebnisse vorweisen oder aussteigen. Der Neu-markt-Lenkungsausschuss, dem Vertreter aller Fraktionen angehören, sehe keinen Sinn in einer Verlängerung der Option, " weil die Mitwirkungsbereitschaft der Eigentümer der Kerngrundstücke an der Gesamtentwicklung des Neumarktes nicht erkennbar ist", heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

Ziel des Masterplans ist auch ein Neubau auf dem Eckgrundstück an der Hase (mit dem Cafe Coppenrath) und eine Verlegung der Bushaltestellen vom Landgericht zum Wöhrl-Haus. Für das Gesamtkonzept hat der Rat ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet und eine Veränderungssperre verhängt. Das heißt, keiner kann zurzeit am Neumarkt etwas bauen, was der Planung entgegenstehen würde. " Auf private Grundstücksgeschäfte können wir aber mit diesen Instrumenten kaum Einfluss nehmen", erklärte Stadtbaurat Wolfgang Griesert. Die Stadt werde weitere " Steuerungsmöglichkeiten" prüfen, um Grundstücksspekulationen zu verhindern.

Die Stadt setzt ein Ausrufezeichen: Bis zum 30. September soll der milliardenschwere Immobilienfonds Whitehall erklären, ob er das ehemalige Wöhrl-Haus zu einem akzeptablen Preis an den Projektentwickler CM verkaufen will. Foto: Gert Westdörp

Oberbürgermeister Boris Pistorius (SPD) will dem Rat vorschlagen, das Bebauungsplanverfahren auf jeden Fall fortzusetzen, appelliert aber gleichzeitig an die Eigentümer, " auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren". " Eine Lösung, bei der das Wöhrl-Gebäude auf Jahre im Abseits jeglicher städtebaulicher Entwicklungen stehenbleibt, kann ich nicht akzeptieren", so Boris Pistorius.

KOMMENTAR

Eigentum verpflichtet

Von Wilfried Hinrichs

Liebe Heuschrecken und Immobilienhaie, zu Ihrer Kenntnis hier Paragraf 14, Absatz 2 unseres Grundgesetzes: " Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen." Wie Sie, liebe Immobilien-Manager. mit dem Wöhrl-Haus umgehen, verstößt gegen das Grundgesetz.

Ist es Desinteresse, weil das Haus für Sie nur ein Spekulationsobjekt darstellt? Oder ist es kalte Arroganz, mit der Sie um den letzten Cent pokern, weil Sie zu wissen glauben, dass Stadt und Entwicklungsgesellschaft beim Neumarkt unter öffentlichem Druck stehen? Aber so viel Ortskenntnis trauen wir Ihnen gar nicht zu. Deshalb noch mal zur Erklärung: Zum ersten Mal seit Jahren gibt es ein von einer großen Mehrheit getragenes Konzept für den Neumarkt. Davon könnten auch Sie profitieren. Wenn Sie diese Chance verspielen, bleiben die Schaufenster Ihres Glas-Klotzes wohl noch auf Jahre leer. Vertrauen Sie nicht darauf, dass die Stadt einknickt. So sind die Leute in unserem Rathaus nämlich nicht gestrickt.

Wir wissen, dass Sie mit Milliarden jonglieren und diese Immobilie in dieser kleinen nieder-sächsischen Stadt - zur Erinnerung: Osnabrück ist der Name - für Sie keine nennenswerte Größe dar stellt. Aber lesen Sie mal das Grundgesetz.

w.hinrichs@ neue-oz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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