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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Jetzt reicht die Busfahrt für ein gutes Buch
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Das neue Liniennetz der Stadtwerke sorgt für unterschiedliche Reaktionen: Eine erste Bilanz
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Originaltext:
" Der Bus ist der Regenschirm des Fahrradfahrers "

Dr. Stephan Rolfes, Stadtwerke-Vorstand

Von Cathrin Mohns (Text) und Jörn Martens (Fotos)

OSNABRÜCK. Von Ärger über Gleichmut bis hin zur Freude über einen neuen praktischen Anschluss - die Reaktionen der Osnabrücker auf das neue Busliniennetz sind verschieden. Der eine muss fortan etwas entbehren, der andere bekommt etwas dazu. Die Stadtwerke jedenfalls zeigen sich zufrieden.

Überall auf der Strecke hängen DIN-A4-Blätter an Bäumen oder Laternenpfählen. Zum Schutz vor Regen sind sie in Plastikfolie geschweißt. Sie sollen den Fahrern mit schwarzen Pfeilen den richtigen Weg weisen. Probleme habe es seitens der Busfahrer bislang nicht gegeben, meint der Fahrer der Linie 92.

Sein Gelenkbus ist voll. Nicht übermäßig voll, aber voll. Hin Mann in brauner Cordjacke sitzt auf einem Zweisitzer am Fenster. Er scheint weiter fahren zu müssen als die anderen: Boris Polinski ist in ein Buch vertieft. Vor zwei Wochen hat der junge Mann noch nicht im Bus gelesen. Denn da fuhr er lediglich zehn Minuten nach Hause - vom Neumarkt aus in die OKD-Straße in Hellern. " Da hat sich das Lesen noch nicht gelohnt", sagt der 24-Jährige. Doch seit dem 30. August braucht sein Bus manchmal mehr als doppelt so lang, erzählt er. " Das Bummeln durch die Wüste ist nicht gerade erquickend", findet der Einzelhandelskaufmann.

Doch eine Sache stört ihn noch viel mehr: " Früher konnte man die Uhr nach dem Bus stellen. Heute ist er regelmäßig unpünktlich. Das ist bitter, wenn man 20 Minuten früher aus dem Haus muss, weil man einen wichtigen Termin hat", meint Polinski.

Dass es noch einige Schwächen im " Netz 07* gibt, räumt auch Stephan Rolfes vom Vorstand der Stadtwerke Osnabrück ein. Das sei aber normal, sagt er. Bei der Linie 92 etwa muss der Bus derzeit die Parkstraße mit ihren Baustellen umfahren. Daher komme es noch zu Verspätungen.

Außerdem blieben laut Rolfes einige Faktoren stets schwer einkalkulierbar: " Ein Schuljahreswechsel ist immer unvorhersehbar", führt er als Beispiel an. In diesem Jahr stiegen plötzlich überall in der Stadt die Schülerzahlen höher an als angegeben, so dass die Stadtwerke auf einigen Linien bereits mehr Busse oder größere Gelenkbusse einsetzen mussten.

Auch die nächsten Monate lassen laut Rolfes wiederum andere Fahrgastzahlen erwarten; denn über den Winter steigen viele Radler auf den Bus um. " Der Bus ist der Regenschirm des Fahrradfahrers", schmunzelt Rolfes. Insgesamt gibt sich der Stadtwerke-Vorstand sehr zufrieden mit der Umstellung auf das " Netz 07': " Der betriebliche Start hat ausgesprochen gut funktioniert."

Inzwischen ist Polinski längst ausgestiegen und die 92 auf dem Weg zurück in die Stadt. Kurz vor der Haltestelle Gymnasium in der Wüste eilt ein modisch gekleideter junger Türke aus dem hinteren Busteil nach vorn zum Fahrer. " Entschuldigung?", fragt der Junge hektisch. " Fahren Sie nicht zum Neumarkt?" Der Busfahrer kennt das schon: Viele Fahrgäste wissen nichts von der Umstellung. Überraschte Gesichter gehören seit zwei Wochen zum Alltag dazu.

Der Mann klärt seinen jungen Fahrgast darüber auf, dass er sehr wohl zum Neumarkt fährt - nur eben über die Wüste. An diese Neuerung muss auch er selbst sich gewöhnen: " Gerade die Wüste ist immer ziemlich zugeparkt. Da ist es manchmal schwierig zu manövrieren", erzählt er und dreht unter Einsatz seines gesamten Oberkörpers an dem riesigen Lenkrad, um den Bus um die nächste Kurve zu bringen. Die Straßen seien eben nicht wirklich für Busse geeignet, resümiert der Fahrer.

Auch einigen Anwohnern in der Wüste sind die Busse ein Dorn im Auge. Sandra Fenkl etwa wohnt in der Laischaftsstraße. " Es ist wirklich ohrenbetäubend - gerade in den Abendstunden, wenn alle halbe Stunde ein Bus an den Ampeln halten und dann wieder anfahren muss", sagt Fenkl.

Die nagelneue Bushaltestelle " Hochschulen / Westerberg" direkt vor seinem Haus stört Karl-Heinz Brönstrup hingegen nicht. Sie mache kaum Lärm. Der 83-Jährige wohnt auf dem Westerberg an der Ecke Albrechtstraße / Schoellerstraße, wo nun die Linie 21 verkehrt. Nutzen wird er den Bus nicht, das meiste erledigt er zu Fuß.

Umso mehr freut sich Geo-Informatik-Student Hannes Holm über die neue Linie. Der 21-Jährige kommt jetzt von seinem Institut auf dem Westerberg direkt mit dem Bus in die Stadt - etwa zur Mensa. Sein Kommentar: " Ich finde das super und denke, die Linie wird viel genutzt werden."

Auf der anderen Seite der Stadt ist eine Linie weggefallen: Alle halbe Stunde brachte die 61 vor allem ältere Anwohner der Ber-ningshöhe zu ihren Ärzten in der Iburger Straße oder am Salzmarkt - ohne Umstieg. Die Ersatzlinie E 51 fährt nur noch einmal pro Stunde; und mit der Linie 51 müssten die Leute über die Wüste fahren und am Neumarkt umsteigen, erklärt Wolfgang Quade vom Bürgerverein Neustadt. Er wohnt selbst auf der Berningshöhe.

Noch ungünstiger haben es Ottoernst und Lieselotte von Glasenapp in der Weststadt getroffen. Ihre Haltestelle Rückertstraße am Kurt-Schuhmacher-Damm wird von keinem Stadtbus mehr angefahren, seit die Linie 92 durch die Wüste fährt. Die nächsten Haltestellen liegen fast einen Kilometer entfernt - zu weit für ältere Leute.

" Sonntags können wir nun nicht mehr in die Kirche gehen" meint Ottoernst von Glasenapp, Anwohner, enttäuscht.

Wiederum positiv zu erwähnen ist der Neu- und Umbau vieler Haltestellen durch die Stadt: 42 neue Schutzhäuschen sind entstanden. Außerdem sind viele Haltestellen behindertenfreundlich, zum Beispiel mit taktilen Streifen ausgestattet worden. So können sich nun auch Blinde zurechtfinden. Und Rollstuhlfahrern wird der Einstieg mit erhöhten Bordsteinen und absenkbaren Bussen erleichtert.

Das " Netz 07": Was ist neu?

Vieles wurde beibehalten, im Wesentlichen geändert hat sich Folgendes: Streckenteile der Linien 92 und 51 wurden zusammengelegt zur Linie 92, die jetzt bis nach Hörne durch die Wüste fährt. So stößt sie erst ein Stück weiter stadtauswärts als früher auf den Kurt-Schumacher-Damm: Die Haltestellen Mittagskamp und Rtickertstraße werden ausgespart. Hier fährt einmal stündlich der Überlandbus X 493. Die Linie 51 fährt von der Berningshöhe aus in Richtung Dodesheide zunächst wie früher den Berg über den Hauswör-mannsweg, die Haltestellen Kalkhügel und Lai-schaftsstraße hinunter. Danach bleibt sie aber nicht bis zum Hoffmeyerplatz auf der Parkstraße, sondern biegt vorher in die Laischaftsstraße ab und erreicht den Neumarkt nicht mehr über die Stadthalle, sondern über die Süster- und die Johannisstraße. Hier wurden zwei neue Haltestellen am Finanzamt und der Agentur für Arbeit eingerichtet. Die Linie E 51 hat den Anschluss auf die andere Seite der Berningshöhe über den Wilhelm-Mentrup- Weg in Richtung Iburger Straße und den Rosenplatz übernommen. Früher wurde die Berningshöhe auf dieser Seite mit der Linie 61 bedient. Geringe Fahrgastzahlen führten jedoch dazu, dass die 61 den Linienarm von der Iburger Straße aus zur Berningshöhe nicht mehr mitbedient. Die E 51 fährt nun stündlich von der Höhe aus zum Rosenplatz. Verband früher die* Linie 21 die Stadtteile Voxtrup Süd und Schölerberg mit der Innenstadt, so heißt die Linie auf diesem Wen heute 53. Die neue Linie 21 startet nun vom Zoo in Nahne aus und fährt dann vom Bahnhof weiter über die Martinistraße auf den Westerberg. So werden nun die Einrichtungen Universität, Fachhochschule und Botanischer Garten zwischen Saarplatz und Se-danplatz miteinander verbunden. Danach geht es wie gehabt nach Alter. Die Linien 31/ 32/ 33 verkehren nun nicht mehr nur zwischen Atter und Hauptbahnhof, sondern fahren von der Innenstadt aus über das Landeskrankenhaus zum Nettebad (32/ 33) und in die Dodesheide (31).

Weitere Infos im Mobilitätszentrum am Neumarkt, Tel. 05 41/ 344-724 oder im Internet auf www.stadtwerkeosnabrueck.de

Bilduntertitel:

Kritisch beäugt Wolfgang Quade vom Bürgerverein Neustadt den neuen Fahrplan. Am liebsten wäre es ihm, wenn das alte Liniennetz noch gelten würde.

Glückspilz Hannes Holm (mit Freundin Marina Sloot) profitiert von der neuen Linie 21.

DerTest mit Antje Horstmann vom Behindertenforum: Der Abstand zum Bus ist groß.
Autor:
Cathrin Mohns


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