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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Das große Aufräumen hat begonnen
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Orkan "Kyrill" und die Folgen: Wer jetzt in den Wald geht, braucht starke Nerven
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200 PS, Motorsäge amTeleskoparm: Mit einem Harvester aus Schweden werden jetzt am Haster Berg die Folgen des Orkans " Kyrill" beseitigt. Das Team hat allein in den Wäldern von Freiherr Ostman von der Leye Arbeit für drei Monate. Foto: Klaus Lindemann

Das große Aufräumen hat begonnen

Orkan " Kyrill" und die Folgen: Wer jetzt in den Wald geht, braucht starke Nerven.

Von Frank Henrichvark

OSNABRÜCK. Kreischend frisst sich die Motorsäge ins Holz, dass die Späne fliegen. Heinz Zachert ist hoch konzentriert: Jeden Moment ist die dicke Fichte durchgeschnitten, dann schnellt der Stamm in die Höhe. Windwurf-Flächen wie hier am Haster Berg aufzuarbeiten ist eine Arbeit für Männer mit guten Nerven.

Zachert und sein Kollege Justin Friedrich, der hinter ihm die Harvester genannte Holzerntemaschine bedient, kommen aus Fürstenberg an der Havel: Hier im Osnabrücker Land sei im Moment wohl mehr zu tun als daheim in Brandenburg, sagen sie. Bis die Sturmschäden nach " Kyrill" allein in den Ostmanschen Wäldern beseitigt sind, werden wohl drei Monate vergehen.

Während Justin Friedrich mit dem 200 PS starken Harvester die 20 Meter langen Fichtenstämme in handliche Abschnitte zerlegt, turnt Heinz Eichert vorweg durch den Verhau. Er arbeitet als " Abstocker", trennt die Stämme vom umgekippten Wurzelstock. Das ist brandgefährlich, weil die Bäume gespannt sind wie Flitzebogen. Manchmal fliegen Zachert die Brocken um die Ohren. Und in seiner Branche gibt es eine lakonische Rechnung: Auf eine Million Festmeter Sturmholz kann es selbst bei Profis einen tödlichen Arbeitsunfall geben.

350 000 bis 400 000 Kubikmeter Holz hat Orkan " Kyrill vor vier Wochen allein im Landkreis Osnabrück zu Boden geworfen. Nach einer Phase der Schadensbegrenzung und der Planung kommt jetzt schrittweise die Aufbereitung des Sturmholzes in Gang. Und die Zeit drängt: In drei Monaten, wenn die nächste Generation des gefräßigen Borkenkäfers ausschwärmt, sollte ein Großteil der gefallenen Fichtenstämme aus dem Wald gerückt sein. Sonst droht nach dem Sturm die nächste Katastrophe.

" Unser Schaden beträgt bis zu 15 Millionen Euro", Johannes Meyer zum alten Borgloh

Nur für Leute mit guten Nerven: Heinz Zachert trennt die gefallenen Baume vom Wurzelstock.

Allein in den Wäldern von Dominik Freiherr Ostm' an rings um Osnabrück, am Haster Berg, bei Gut Leye, Gut Stockum, im Frankensundern und in Altenhagen, dürften 15 000 Festmeter Sturmholz gefallen sein, so schätzt Christoph Böckmann. Der Privat-Forstmeister betreut neben dem 15, 34 Hektar großen " Clemens-Forst" des Barons in Brandenburg auch die 520 Hektar Ostman' sche Wälder bei Osnabrück. " Vom Sturm betroffen sind 40 bis 50 Hektar", berichtet Böckmann, " teils auf ganzer Fläche, teils aber nur punktuell."

Ohnehin sind die Waldbesitzer schwer geschlagen. Auf 10 bis 15 Millionen Euro schätzt Johannes Meyer zum alten Borgloh, der Vorsitzende der Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd, die finanzielle Einbuße der Waldbauern im Landkreis: " Die Zahl errechnet sich aus den erhöhten Umschlagkosten, Wertverlust und Aufforstung, immer unter der Voraussetzung, dass wir das Holz marktgerecht absetzen können."

Deshalb verfassten die Waldbauern jetzt auch eine Resolution an die Adresse von Landwirtschaftsminister Ehlen in Hannover: Angesichts dieser " schlimmsten Katastrophe seit 100 Jahren" möge er doch dafür sorgen, dass die Minister-Zusagen für Hilfen bei der Konservierung des Sturmholzes im Nasslager nun von der Agrarverwaltung zügig umgesetzt würden.

Denn sobald die 15 Harvester-Maschinen, die Forstamtsleiter Ludwig Hackelberg in Aussicht hat, in den nächsten Tagen losbrummen, werden gigantische Gebirge aus Holzabschnitten mit Längen zwischen fünf und zwei Meter aufgetürmt. 1000 Kubikmeter pro Woche beträgt die Arbeitsleistung eines Harvesters.

" Das gi' ößte Problem sind die fehlenden Transportkapazitäten" Ludwig Hackelberg, Forstamtsleiter

Abschnitt für Abschnitt dürfte damit allein rings um Osnabrück ein Gebirge von 300 000 Kubikmetern Holz zusammen kommen. Die örtlichen Sägewerke sind mit diesen Mengen überfordert. Sie haben ohnehin schon ihren Bedarf für die nächsten Monate vor der Haustür liegen, müssen aber auch einen Vorrat für die nächsten ein bis zwei Jahre schaffen. " Wir verhandeln mit Sägewerken in Wismar, mit Holzkäufern in Schleswig-Holstein und Belgien", berichtete Hackelberg, " das größte Problem sind zurzeit die Transportkapazitäten." Lastwagen, Eisenbahn, Binnenschiff: Die Bahn zum Beispiel kann gar nicht so viele Güterwagen stellen, wie benötigt würden. Damit noch nicht genug: Im nächsten Jahr, so warnen Experten, könnten die Forstpflanzen für die Wiederaufforstung knapp werden.
Autor:
Frank Henrichvark


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