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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Damit am Ende keiner in die Röhre guckt
Zwischenüberschrift:
Beispiel Meller Straße: Wie die Langzeitbaustelle eine kleine Welt verändert
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Originaltext:
Damit am Ende keiner in die Röhre guckt

Beispiel Meiler Straße: Wie die Langzeitbaustelle eine kleine Welt verändert

1, 40 Meter Durchmesser haben die Schmutzwasserrohre, die unter der Meiler Straße verlegt werden. Wir haben uns von Bauleiter Udo Vogelsang (Foto) erklären lassen, warum die Arbeiten fünf Jahre dauern.

Die Arbeiten

6, 50 Meter tief unterhalb der Meller Straße wird das neue Abwasserrohr verlegt.

Präzisionsarbeit braucht Zeit: Im Schnitt schreitet die Baustelle drei bis vier Meter am Tag voran.

Plakate an Baustellen.

Von Jörn Martens und Wilfried Hinrichs

Der letzte Schritt: Auch kurze Abschnitte werden so schnell wie möglich asphaltiert.

Baustellen-Management

Die Stadtwerke sind für die Versorgungsleitungen zuständig, die Stadt für den Straßenbau. Das schafft großen Abstimmungsbedarf, damit die Arbeiten zügig abgewickelt und Doppelarbeiten vermieden werden können. Das gelang in der Vergangenheit nicht immer. Stadt und Stadtwerke haben auf Drängen des Rates einen Handlungskatalog Baustellen-Management erarbeitet. Ein Kernpunkt: Die Ausschreibungen sollen zeitlich enger aufeinander abgestimmt werden.

Die Stadt will außerdem mit den Straßenbauplanungen früher beginnen, um auf Planungsänderungen flexibler reagieren zu können. Kleine Straßenbauarbeiten sollen die Stadtwerke in Zukunft gleich miterledigen. Die Baufirmen sollen strenger zur Einhaltung der Fristen verpflichtet werden.

OSNABRÜCK. Silvia Teske gewährt einen " Baustellenrabatt". In ihrem Imbiss an der Meller Straße 145 gibt' s die Pommes für einsdreißig, Currywurst für einsfünfzig, das Schnitzel für dreifünfzig. " Vorübergehend" gilt das nur, mahnt ein Werbezettel. Allerdings: Wenn Silvia Teske Pech hat, dauert " vorübergehend" bis 2011.

In der Imbissbude ist die Dauerbaustelle an der Meller Straße Dauergesprächsthema - es sei denn, der VfL ist gerade aufgestiegen. Vor eineinhalb Jahren hat Frau Teske den Imbiss übernommen. Der Start war " super-spitzenmäßig", wenn man ihr glauben darf - und die Qualität der Currywurst spricht dafür, dass es so war. Dann kam die Baustelle.

50 Prozent weniger sind seitdem abends in der Kasse.

Loch auf, Loch zu. Die einen legen Asphalt, andere stemmen ihn später wieder auf. Muss das so lange dauern? Wieso arbeitet an manchen Tagen scheinbar keiner auf der Baustelle? Und überhaupt: Kann man die Arbeiten nicht besser koordinieren, damit es schneller geht?

Wir gehen mit Bauleiter Udo Vogelsang von den Stadtwerken über die Baustelle Meller Straße. Das Zentrum der Arbeit liegt zurzeit auf Höhe des Pennymarktes, 6, 50 Meter unterhalb der Erdoberfläche. Auf der Sohle der 20 Meter langen Baugrube schmieren zwei Bauarbeiter das Ende des neuen Schmutzwasserrohres mit einer Art Gleitmittel ein. Würden oben die Bagger nicht rumoren, könnte bei oberflächlicher Betrachtung in der Tat der (falsche) Eindruck entstehen, auf der Baustelle werde gar nicht gearbeitet.

Der Baggerführer nimmt ein sechs Meter langes Teilstück an den Haken, um es gleich zu den Kollegen in die Grube abzusenken. Sind die Teilstücke wasserdicht verbunden, wird der Abschnitt mit Erde gefüllt und der nächste ausgehoben. Die Kanäle wachsen mit einer Geschwindigkeit von 3, 5 bis vier Metern am Tag. Schneller geht' s eben nicht. So wird klar, warum noch bis 2011 auf und unter der Meller Straße gearbeitet werden wird.

Silvia Teske will durchhalten. Es bleibt ihr ja auch nichts anderes übrig. " Aus dem Mietvertrag kommt man nicht raus", sagt sie. Ihr fehlt die Laufkundschaft, die hier vor allem mit dem Auto unterwegs ist. Viele Stammkunden parkten früher vor derTür und huschten schnell rein. Das geht jetzt nicht. Erstens gibt es keinen Durchgangsverkehr mehr, zweitens werden die Parkstreifen als Lagerplatz für das Baumaterial gebraucht. Einen Anwalt hat die Imbissbetreiberin schon gefragt, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, Schadensersatz einzufordern. Keine Chance, sagt der Anwalt. Sie versuchte, mit den Stadtwerken über den Strompreis zu verhandeln oder zumindest eine Stundung der Rechnung bis Ende der Bauarbeiten zu erreichen. Auch keine Chance.

Vorwürfe macht sie den Stadtwerken nicht. Die Baustelle nimmt sie wie ein gottgewolltes Schicksal hin. Wenn gebaut werden muss, dann muss es eben sein.

" Ich bin pleite"

Gudrun Robakowskl, Kiosk-lnhaberln

Die Rohre unter der Meller Straße sind ziemlich genau hundert Jahre alt. Sie müssen raus, bevor sie einbrechen und die Entsorgung lahmlegen. Durch die alten Rohre fließt Regen- und Schmutzwasser. Das neue System führt Regen- und Abwasser getrennt ab, damit bei heftigen Niederschlägen die Kläranlage nicht überläuft. Die

" Ich bin pleite"

Gudrun Robakowskl, Kiosk-lnhaberln

Umstellung vom Misch- auf Trennsystem ist in der Stadt fast abgeschlossen. Die Meller Straße ist das letzte große Projekt dieser Art. Das Abwasser von 10 000 Osnabrückern wird über den Strang Meller Straße entsorgt. Künftig werden 14 000 daran angeschlossen sein, weil aus Voxtrup Wasser zugeleitet wird, um die Kanalisation der Hannoverschen Straße zu entlasten.

" Ich bin pleite." Gudrun Robakowski blickt scharf über denTresen und lässt die Worte etwas wirken. " Also ehrlich, wenn ich nicht so viele treue Kunden hätte, die sich sogar mit dem Rollstuhl durch die Baustelle durchmogeln..." - Ja, dann wäre ihr Kiosk wohl wirklich pleite. 80 Prozent weniger Umsatz macht sie, seit die Straße blockiert ist. Ihr fehlen auch die Fahrkunden, die auf dem Weg zur oder von der Arbeit kurz anhalten, den Lottoschein abgeben, eine Zeitung oder eine Packung Zigaretten kaufen. " Früher", sagt sie, als läge diese Zeit Generationen zurück, " früher, da konnte man nicht über die Straße gehen, so viel Verkehr war hier."

Natürlich weiß sie auch, dass Bauarbeiten manchmal unumgänglich sind. Geärgert hat sie sich aber, als die Trinkwasserleitung im Gehweg verlegt wurde. Der Weg sei sieben Wochen offen gewesen. " Der Laden war zu Fuß fast nicht erreichbar." Der Bau der Trinkwasserleitung sei ein gutes Beispiel, um zu erklären, welche Abstimmungen nötig seien, sagt Bauleiter Udo Vogelsang. Erneuert werden 710 Meter Leitungen für Trinkwasser und 770 Meter für Gas.

Die neue Wasserleitung wurde unter dem Gehweg verlegt, damit sie später bei etwaigen Schäden leichter erreichbar ist.. Auch die Hausanschlüsse müssen erneuert werden. Darum müssen sich die Hauseigentümer kümmern. Und wenn es dabei in einem Haushalt klemmt, wirkt das auf das Ganze. Die neue Leitung kann erst ans Netz gehen, wenn alle Hausanschlüsse eines Abschnittes fertig, die Rohre gespült und desinfiziert sind. Gasleitungen müssen eine Druckprüfung überstehen. Auch das kostet Zeit.

Stromkabel werden gern in langen Strängen verlebt. um möglichst wenig der störanfälligen Verbindungsstücke zu haben. Je länger das Bauloch, umso besser für die Sicherheit, umso größer aber auch die Belästigung für die Anwohner. Ein Zielkonflikt, der Rücksichtnahme auf beiden Seiten erfordert.

Heute wird ein gut hundert Meter langer Abschnitt der Meiler Straße asphaltiert, damit die Häuser wieder erreichbar sind. Morgens wurden die Geräte herangeschafft, abends werden sie wieder abtransportiert. " Das ist ein ziemlicher Aufwand, klar", sagt Udo Vogelsang. Sicher wäre es billiger, ein langes Stück in einem Rutsch zu asphaltieren. Aber darauf werde mit Rücksucht auf die Anwohner verzichtet.

Gut, dass es nicht regnet. Dann hätten die Asphaltierer nichts machen können wie ein paar Tage zuvor an der Parkstraße. Alle Planung und Absprache ist nichts wert, wenn das Wetter nicht mitspielt. Mancher, der sich über vermeintliche Tatenlosigkeit auf einer Baustelle ärgert, übersieht das leicht.

Schluss. Ende. Aus. Hasan Gülec weißelt die Wände in seinem ehemaligen Lebensmittelladen. Er macht Schluss. Die Baustelle habe ihn um seine Existenz gebracht, sagt er. 14 Jahre verdiente er gut an diesem Standort mit frischem Gemüse, Obst, Fleisch. Doch als die Baumaschinen näher rückten, konnte er das Gemüse nicht mehr draußen ausbreiten. " Alles voll gestaubt", sagt er. " Ich hatte nur deutsche Kunden." Aber die sind ausgeblieben, wohl weil sie dachten: Wenn nichts draußen steht, ist der Laden zu.

Genau das ist eingetreten. Hasan Gülec ist der Erste, der in die Röhre guckt.

Die Folgen

Baustellenrabatt gibt Silvia Teske in ihrem Imbiss. Sie ist guten Mutes, obwohl der Umsatz um die Hälfte geschrumpft ist.

80 Prozent weniger in der Kasse hat Gudrun Robakowski. Die Baustelle schnürt ihr die Lebensader ab.

Geschlossen: Hasan Gülec hat wegen der Baustelle seinen Lebensmittelladen aufgegeben.

Baustellen-Marketing

Stadt und Stadtwerke gehen mit einem Baustellen-Marketing in die Offensive. Sie wollen Betroffene schneller und genauer über geplante Bauarbeiten informieren. An größeren Baustellen hängen Plakate mit Angaben, wer für diese Baustelle zuständig ist. Infos bietet auch das Internet. Über die Seiten von Stadt oder Stadtwerken gelangt der Nutzer auf eine Baustellenliste mit Karte. Die einzelnen Baustellen können angeklickt werden. Es öffnet sich ein Fenster mit den Angaben über Zweck der Arbeiten. Dauer und etwaige Verkehrsbehinderungen oder Umleitungen.

Informationen

www.osnabrueck. de/ bau-stellen oder www. stadtwerke-osnabrueck.de

Sabine König. Tel. 344-191 Henrik Storck. Tel. 323-4950


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