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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der ganze Stolz eines Kaufmanns
Zwischenüberschrift:
Das Haus Tenge
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vom Markt aus und mit dem Rücken zum Rathaus haben die Fotografen damals wie heute das Haus Tenge in der Krahnstraße 1/ 2 aufgenommen. Zu dem klassizistischen Bau führt unsere heutige Zeitreise.

Große Bürger- und Handelshäuser standen früher in der Krahnstraße. Sie entwickelte sich entlang der Befestigungslinie zu einer von Handel und Gewerbe geprägten Marktstraße. Hier entstand um 1795 das Haus Tenge. In Auftrag gegeben wurde der Bau von Ernst Friedrich Tenge und seiner Gattin Dorothea Elisabeth. Das Paar gehörte zu einer einflussreichen Osnabrücker : Familie, die eine Kompanie t für Leinen-, Tuch- und Tabakhandel betrieb und über weitreichende Handelsbeziehungen verfügte.

Die vornehme, denkmalgeschützte Fassade aus Sandsteinquadern weist mit ihren drei Geschossen und sieben Achsen enge Bezüge zur Hirschapotheke auf. Wie sie gehört das Haus Tenge zum Osnabrücker Klassizismus.

Gekrönt ist das Gebäude von einem Dreiecksgiebel, der auf einem dreiachsigen Mittelrisalit sitzt. Die Mitte des Hauses ist zudem durch Pilaster betont. In der ersten Etage setzen Rundbogenfenster Akzente.

Um den großzügigen Bau verwirklichen zu können, wurden zwei Gebäude zusammengelegt. Außerdem ist in das Haus ein Steinwerk aus dem 13. Jahrhundert integriert, das hinter dem Gebäude an der Heger Straße errichtet wurde.

Wie die historische Aufnahme zeigt, betrieb um 1915 der jüdische Kaufmann Samson David im Erdgeschoss ein Konfektionsgeschäft. Es wurde in der Reichspogromnacht am 10. November 1938 verwüstet. Otto David, der damalige Eigentümer, wurde ins KZ Buchenwald verschleppt. Später war er im Lager Ohrbeck und als Zwangsarbeiter in Bielefeld. Nach dem Krieg kehrte er zurück in die Krahnstraße. DasHaus hatte den Krieg überstanden.

Einige Jahre lang betrieb das Möbelhaus Möllmann hier eine Dependance. Sie schloss 1999. Seither befindet sich in dem Gebäude das " La Vie", ein Restaurant für Feinschmecker. Vor der Eröffnung wurde der ursprüngliche Zustand der Fassade wieder hergestellt, in die Anfang des 20. Jahrhunderts große Schaufenster eingelassen worden waren. Die freischwebende Hausecke, die auf dem historischen Foto zu sehen ist, ließ Samson David bereits früher beseitigen. Sie war vermutlich eingebaut worden, damit Droschken besser um die Kurve kamen. Das " La Vie" bietet Platz für 30 Gäste, die sich zum Beispiel an " Bresse Taubenbrust im Sud exotischer Aromen" laben können. Die Weine werden im Steinwerk optimal klimatisiert und gelagert.

Bildunterschrift 1: Aufwendig restauriert ist das Haus schöner denn je.

Bildunterschrift 2: Samson David führte bis in die Nazi-Zeit ein Konfektionsgeschäft im Haus Krahnstraße 1/ 2. Dazu wurden auch die großen Schaufenster in die Fassade gebrochen.
Autor:
Marie-Luise Braun


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