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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Auf den Stoppelfeldern war Kaisermanöver
Zwischenüberschrift:
Osnabrück im August 1907: Schnatgang, Roggenernte und Gewitterstürme
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Christiana Keller

OSNABRÜCK. Die Neustadt wuchs und gedieh, das Stadtbild veranderte sich ohnehin rasant in dieser Zeit. Besonders sichtbar wurde dies auch durch die neuen Bahndamme, auf denen der gesamte Schienenverkehr von Norden nach Süden verlief. Gerade am Johannistor waren die Arbeiten in einem Stadium, das schon ahnen ließ, wie der fertige Bahndamm bald aussehen würde. Die Schaulustigen kamen auf ihre Kosten.

Vor 100 Jahren

Sowieso war die Bautätigkeit in der Neustadt, besonders im Bereich Heinrichstraße / Lange Straße, in diesem Jahr besonders intensiv. Die Heinrichstraße war kaum wiederzuerkennen. Entlang der Trasse siedelten sich auch Handwerksbetriebe an: etwa eine große Baufirma, die ein Transmissionshaus, einen Maschinenschuppen, Holzbearbeitungshütten und eine Zimmerei errichtet hatte. Der Hof der Firma war überdacht worden, damit die Arbeiten witterungsunabhängig durchgeführt werden konnten. Zur Heinrichstraße hin befanden sich ein Mietshaus und die Kontorräume.

Die Martinianer-Laischaft beging ihr letztes Schnatgangsfest mit wehmutigem Stolz. Zur Erinnerung an die Laischaftsgeschichte hatten die Martinianer einen Gedenkstein gestiftet, der an einer ihrer Grenzen stehen sollte, umgeben von einem kleinen Ruheplatz mit Sitzbänken.

An der Ecke Martinistraße / Blumenhaller Weg fand der Stein seine Aufstellung, seine lange, plattdeutsch verfasste Inschrift in Gedichtform erzählte die Geschichte der Laischaft in vielen Versen. Zum eigentlichen Fest bemühten sich die Schnatgänger sehr, ihrem Stadtteil ein ,, historisches Schnatgangskleid" anzulegen.

Während die einen in die Sommerferien fuhren, hatten andere in der Stadt nicht das Geld für das Nötigste. Die Natural-Verpflegungsstation ein Vorlaufer der heutigen Osnabrücker Tafel - verzeichnete mit 189 ausgegebenen Essen gegenüber dem Vorjahr einen traurigen Rekord.

An der Miquelstraße öffnete eine neue Kleinkinderschule, Vorläufer des Kindergartens der Lutherkirche, ihre Pforten und begann mit zunächst 67 Kindern ihre Arbeit.

Das Gut Muesenburg auf dem Westerberg warb in der Tageszeitung mit Vorzugsmilch für Kinder und Kranke. ,, Von der Produktionsstelle in die Hände der Konsumenten", hieß es. Kurze Wege, hy-gienisch einwandfrei, in Flaschen abgefüllt oder in Kannen abzuholen zum Preis von 19 Pfennig fur den halben Liter und 30 Pfennig pro Liter.

Pünktlich zum Roggenschnitt Mitte August trat endlich das Sommerwetter ein, worauf bisher alle sehnsüchtig gewartet hatten. Nach dem feuchten Frühjahr war das Stroh im Allgemeinen zu kurz geraten, nur auf dem trockenen Hümmlingsboden aus Sand stimmte die Lange. Nun sollte endlich eine warmere Periode anbrechen, aber keiner getraute sich, ,, den Tag vor dem Abend zu loben", wie der Reporter des Osnabrücker Tageblattes schrieb. Der erste heiße Augusttag hatte nämlich gegen Abend bereits ein Gewitter im Gefolge gehabt.

Im benachbarten Westfalen freute man sich über den Besuch des kaiserlichen Paares. Nach einem üppigen Programm in Münster war auch eine Automobilfahrt nach Tecklenburg geplant. Am Abend wollten die Majestäten dann schon wieder an der Weser sein. Das große Kaisermanöver des Jahres fand nämlich in Ostwestfalen statt. Sonderzüge fuhren auch aus Osnabrück nach Münster und überall dorthin, wo man einen Blick auf die hohen Herrschaften werfen konnte.

Für 500 Mark konnte sich jedermann das Recht erwirken, ein Stück Ödland zur Kolonisation zu erwerben. Die Forderung der inneren Kolonisation der Provinz Hannover sollte durch Genossenschaften betrieben werden.

Alle Gemeinden im Osnabrücker Land wurden aufgefordert, oder Flächen für Heuerlings- oder Eignerstellen zur Verfügung zu stellen.

Junge Mädchen, die in der Stadt Hannover dienen wollten und aus der Provinz dort hinzogen, um eine Arbeitsstelle anzutreten, wurden auch im Osnabrücker Tageblatt darauf hingewiesen, dass sich ein Verein gegründet hatte, der als Anlaufstelle diente. Der " Verein der Freundinnen junger Mädchen zu Hannover" half den jungen Frauen bei der Orientierung und dem Einleben in der neuen, unbekannten großen Stadt.

In den städtischen Kollegien besprach man sich über die Begradigung der Straße Neuer Graben vor dem Schloss. Das Verkehrshindernis wurde ausgelöst durch einen Teil der alten Schloss-Remise, die in die Straßenflucht hineinragte. Zuständig für jede Veränderung am Schloss und seiner Umgebung war das Hofmarschallamt. Aber auch mit dem Landwirtschaftsministerium und dem Kriegsministerium musste die Stadt verhandeln. Man kam überein, dass die Stadt das Areal von 982 Quadratmetern kaufen musste, zum Vorteilspreis von 25 Mark pro Quadratmeter. Je ein Drittel der Kaufsumme ging an die beteiligten Ministerien und Ämter. Natürlich musste die Stadt auch die Kosten des Abbruchs und der Reparaturarbeiten am Anschlussgebäude übernehmen.

Dafür konnte eine gerade Straßenführung vom Neumarkt zum Martinitor gewonnen werden, auch die Straßenbahn konnte alsbald in westlicher Richtung aus der Stadt fahren. Das finanzielle Opfer für die Stadt würde sich also zukünftig rentieren.

Bildunterschrift:

Der letzte Schnatgang der Martinianer Laischaft fand im August 1907 statt. Wie es dem Geist der Zeit entsprach, setzte sie noch ein .. Denkmal der Laischaftsarbeit" - und löste sich dann auf.
Autor:
Christiana Keller


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