User Online: 1 | Timeout: 14:31Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Wo ist die Lösung für das Nadelöhr?
Zwischenüberschrift:
Die Sommerredaktion an der heimlichen Westumgehung in der Gluckstraße
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
von Frank Henrichvark und Thomas Wübker

OSNABRÜCK. Auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, als ob zum Thema Westumgehung schon alles gesagt wäre, taucht dann doch noch ein neues Argument auf: ,, Die Feinstaubbelastung wird das Thema dringlich machen", sagte Dr. Klaus Busch, ,, wenn der Wall zu ist, muss die Stadt ja was tun."

Die Betroffenen haben das Wort: ,, Die Westumgehung muss her", war die Meinung vieler Bürger, die gestern die Sommerredaktion der Neuen OS an der Glucksstraße belagerten. Viele Anwohner äußerten ihren Unmut, waren diskussionsfreudig und stimmgewaltig, da sie zum Teil gegen den Verkehrslärm in der Wohngegend anschreien mussten. Freilich ist auch Sarkasmus im Spiel - offensichtlich glaubt nach 30 Jahren folgenloser Debatte niemand wirklich fest daran, dass die Westumgehung tatsächlich gebaut wird.

In seinem Auto wartete Gunter Steins an der Bushaltestelle Liszthof bereits auf das Eintreffen der Sommerredaktion. Der stellvertretende Vorsitzende der Interessen-gemeinschaft Gluckstraße kam mit dem Pkw, weil er in seinem Kofferraum zahlreiche Aktenordner mitgebracht hatte.

Steins wohnt seit 1966 am Westerberg und verfolgt seitdem die Entwicklung vor Ort. ,, Eigentlich gibt es keine Alternative zur Umgehungsstraße", sagte er und fügte an: Mit 4000 Autos könnten wir leben." Das war die Zahl der Autos, die Ende der sechziger Jahre gemessen wurde. Er verwies auf ein Gutachten aus dem Jahr 2003, in dem der Bau einer Trasse neben der Paracelus-Klinik über das Brachland bis zur Sedanstraße favorisiert wurde.

Schon seit Jahren warten Gunter Steins und seine Leidensgenossen darauf, dass die Politiker ihr Versprechen umsetzen und die Westumgehung bauen. Aus einem seiner Aktenordner zog er einen Artikel aus der Neuen OZ vom 28. September 2002, in dem der damalige Verkehrsplaner Hans-Jürgen Apel einen Modellversuch versprach, in dem die Mozartstraße zur Anliegerzone erklärt werde, die für alle restlichen Autofahrer tabu sei. Geschehen ist aber nichts, sagte Gunter Steins enttäuscht, eher das Gegenteil: Die Mozartstraßfte wird vermehrt als Verbindungsstraße zwischen der Rheiner Landstraße und der Pagenstecher Straße genutzt, auch von Lkw, die gar nicht durch das Wohngebiet fahren dürfen.

Auch Doris Bubinger wartet darauf, dass etwas passiert. Sie ist vor 15 Jahren in das Wohngebiet am Westerberg gezogen. ,, So kann ich Osnabrück nicht liebgewinnen", meinte sie. Denn hätte sie damals die Entwicklung geahnt, so wäre sie womöglich nie an die Max-Reger-Straße gezogen.

Viele Anwohner sehen den Rat in der Pflicht. ,, Wir fühlen uns von der Stadt geleimt", waren sie sich einig. ,, Man wird ständig vertröstet", fügte Klaus-Peter Müller an. Die Anwohner forderten, dass mehr Schilder aufgestellt werden sollten, um den Autofahrern deutlich zu signalisieren, dass sie in einer Tempo-30-Zone fahren. Auch Fuftgangerüberwege werden vermisst: ,, Die Alten aus dem Küpper-Menke-Stift kommen doch kaum über die Straße."

Manche forderten deshalb ,, mehr Polizeipräsenz", da die meisten Autofahrer rücksichtlos fahren. ,, Die Einzigen, die vorsichtig fahren, sind die Engländer", erzählt Renate Hügelmeyer. Die 6' 8-jährige Irmgard Kuhlmann berichtete, dass sie schon mal von einem Raser angefahren wurde, als sie mit dem Fahrrad unterwegs war.

Sie brauchte übrigens nur mit ihrem 74-jährigen Mann Kurt über die Gluckstraße zu gehen, um zur Sommerredaktion zu gelangen. Das Ehepaar hat trotz des Lärms seinen Humor nicht verloren. Auch nicht, als die Eheleute über die Straße wieder nach Hause gehen wollten und sehr lange warten mussten, bis die Straße frei war. Sie zuckten die Achseln und lachten.

Obwohl viele Anwohner nicht mehr an den Bau einer Westumgehung glauben, will Gunter Steins seinen Kampf weiter führen. Der 70-Jährige will weiterhin die Ratsmitglieder mit Anfragen behelligen, die Diskussionen um das Thema dokumentieren und Autos fotografieren, die widerrechtlich oder zu schnell durch die Gluckstraße fahren: ,, Ich gebe nicht auf. In meinem Schrank ist noch genug Platz.." Er ist optimistisch und glaubt daran, dass die Stadt noch eine Lösung aus dem Hut zaubern wird.

Sein Mitstreiter Klaus Busch bemüht sich derweil um versöhnliche Töne aus der Interessengemeinschaft Gluckstraße. Autofahrer seien ja nicht per se Unmenschen, sagt er, sie suchten eben immer nur nach der kürzesten oder schnellsten Verbindung von A nach B - auch wenn die dann durch ein Wohngebiet führe. Und deshalb sei es Aufgabe der Stadt, die Rahmenbedingungen zu definieren und dann auch durchzusetzen.

In der Praxis führt die subjektiv empfundene Überlastung der Anwohner aber schon mal zu stillen Protestaktionen. Sein Auto bewusst auf der ja offiziell ,, verkehrsberuhigten" Tempo-30-Straße zu parken zum Beispiel, um so die " Raser" zu bremsen. Resultat einer solchen Aktion: Anderntags finden die Autobesitzer dann Zettel unter der Windschutzscheibe mit der unverhohlenen Mahnung ,, Dieses Auto ist verkehrsgefährdend abgestellt" und der Aufforderung, künftig anderswo zu parken. Ein Verlangen, das zwar objektiv der Grundlage entbehrt, aber auch den gereizten Ton in beiden Lagern unterstreicht.

Der Eindruck nach zwei Stunden Sommerredaktion unterm Regenschirm: Die Situation rings um das Projekt Westumgehung scheint ziemlich verfahren zu sein. Es mussten eben Alternative!! her, sagt Anwohner Heinz-Gunter Brinkmann. Vielleicht konnte nach 40 Jahren Planung und 25 Jahren fruchtloser Debatte - in deren Verlauf sich die Baugebiete immer weiter an die ursprüngliche Trasse herangeschoben haben - die Suche nach einem Ausweg helfen: von Hellern nach Eversburg etwa, am Flugplatz Atterheide vorbei und über den Autobahnzubringer Leyer Straße. ,, Wir sind gespannt, was aus der Kaserne in Eversburg wird", hieß es dazu.

Bilduntertitel:

20 000 Fahrzeuge pro Tag - eindeutig zu viel, so die stete Klage zwischen Rheiner Landstraße und Natruper Straße.

Sommerredaktion unterm Regenschirm: Über die Verkehrsbelastung an der Westumgehung wurde gestern an der Gluckstraße heftig geklagt. Fotos: Gert Westdörp
Autor:
Frank Henrichvark, Thomas Wübker


Anfang der Liste Ende der Liste