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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Cabrio-Gefühl ohne Aufpreis
Zwischenüberschrift:
Aus reiner Lust: Was sind das für Leute, die fast immer das Rad nehmen?
Artikel:
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Originaltext:
Mal flink, mal gemütlich auf dem Fahrrad unterwegs, das ist reizvoll, abwechslungsreich und gesund. Es kann eine Lust sein, durch Osnabrück zu radeln. Mit frischer Luft um die Nase erlebt man sich und die Stadt intensiver als hinter der Windschutzscheibe.

Galt manchen früher das Radeln als die Mobilitat derjenigen, die sich weder Auto noch Busfahrkarte leisten können, greift heute die Erkenntnis um sich, dass man mit dem Fahrrad viel mehr kann, als nur auf Pedale zu treten. Man sieht mehr: den Himmel, die Wolken, die Kirchtürme, die Häuser, die Vorgärten. Man ist näher dran an den Menschen, an den großen und kleinen Läden, am Leben auf der Straße.

Man kann mehr riechen: je nach Jahreszeit den Duft des Flieders, der Linden, des Herbstlaubs. Auch mit welchem Fett in der Pommesbude gebrutzelt wird, erschließt sich per Fahrrad sofort. Aus Cafes lockt der Geruch von Kaffee, Tee und Kuchen.

Man kann neue Wege erkunden: Blechlawinen und Abgaswolken auf den Hauptverkehrsadern der Stadt lassen jeden Radler und jede Radlerin nach anderen Routen suchen. Der Haseuferweg, die Katharinenstraße, der Weg durch die Kleingarten sind nur einige der Entdeckungen, die man dabei machen kann. Die Stadt zeigt sich ruhiger, grüner und gemütlicher.

Wir wollen an dieser Stelle nicht verschweigen, dass Fahrradfahren in Osnabrück überraschend abenteuerlich werden kann: Survival-Training - Überleben im Verkehrsgewühl, riskante Beinahe-Berührungen mit Automobilisten und wenig kollegialen Radfahrern. Offroadtrekking - plötzlich ist der Radweg zu Ende, mal mitten auf dem Wall, mal kurz vor der großen Kreuzung. Und im Winter: Wo früher der Radweg war, türmt sich ein Schneegebirge. Outdoor-Event - Wind und Regen peitschen ins Gesicht, hoffentlich halt die Regenkleidung dicht. Wer es gemütlicher mag in diesem verregneten Sommer, steigt dann ab, stellt sich unter, setzt sich in ein Cafe. Manche Menschen fahren fast immer mit dem Rad. Zum Einkauf, zur Arbeit, zum Besuch bei Freunden oder zum Theater. Benzinpreise, Staus und Parkplatznote kümmern sie nicht, sie genießen ihre Bewegung mit dieser Maschine - mal sportlich, mal entspannt. Das Cabrio-Gefühl gibt' s ohne Aufpreis dazu. Einige dieser Radler und Radlerinnen, die oft und liebend gerne mit ihrem Gefährt unterwegs sind, stellen wir heute vor.

Der Einkauf wird gebracht

Diese Familie fährt immerzu mit dem Rad, denn das Auto wurde bereits vor 15 Jahren abgeschafft. Carola, Andreas, Paula (8) und Hanna (6) Jacobi sind sowohl in ihrem Osnabrücker Alltag als auch in den Ferien mit dem Rad auf Achse. Möbel, Getränkekisten und auch manchen Einkauf lassen sich die Jacobis ins Haus liefern - und das ist, so haben sie nachgerechnet, immer noch viel günstiger für sie, als ein Auto anzuschaffen. Zwar wurde ihnen prohezeit ,, Sobald das zweite Kind kommt, habt ihr wieder in Auto!". Aber, so Carola Jabi, das haben wir dann sportlich gesehen!" Auch Hanna findet " auf' m Fahrrad hat man immer schöne frische Luft".

Nur einmal, als sie ganz durchnässt vom Regen war, sagte sie zu ihrer Mutter: " Können wir nicht Auto fahren wie alle anderen normalen Menschen auch?"

Ganz ohne Auto kommt diese Familie aus. Paula. Hanna. Carola und Andreas Jacobi beim Start zu einer Radtour Foto: Hermann Pentermann

Nach dem Schrecken wieder aufs Rad

Eva Birth mag die Leichtigkeit

Das große Rad des Lkw rollte ganz knapp an ihrem Kopf vorbei. Eva Birth lag auf der Straße. Der Fahrer hatte sie beim Rechtsabbiegen übersehen, das schwere Gefährt hatte sie erfasst und zu Boden gerissen. Für Eva Birth war es der erste Unfall nach 30 Jahren Fahrradfahrerin. Sie hatte Glück und nur den Schrecken und Prellungen. Und sie entschied sich, obwohl ihr manche heftig davon abrieten, weiterhin ihre Wege in Osnabrück mit dem Rad zu fahren.

" Radfahren ist für mich Therapie", sagt Eva Birth. Ich bewege mich ohne Gelenkschmerzen, und es ist auch gut für die Seele. Ich mag diese Leichtigkeit, ich bewege mich gerne, es tut mir gut" Foto: Pentermann

Da wundern sich die Patienten

Dr. Ltitticke kommt mit dem Rad

Zuerst wollten einige Patienten Dr. Ludger Lütticke nicht reinlassen. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass der Doktor mit dem Fahrrad zum Hausbesuch kommt. Aber das ist nun schon 17 Jahre her, und mittlerweile finden es viele Patienten toll, dass ihr Doktor Fahrrad fährt.

" Am Anfang wurde ich auch von Kollegen nur belächelt", erinnert sich Ludger Lütticke, aber seit in der Ärztezeitschrift " Medical Tribune" ein Beitrag über den radelnden Arzt erschien, ist er damit auch in Kollegenkreisen akzeptiert.

Er liebt die sportliche Betätigung und weiß, dass Fahrradfahren aus gesundheitlicher Sicht viele Vorteile hat, z. B. seine Gelenke zu bewegen ohne Gewichtsbelastung.

Radelnder Doktor Ludger Lütticke.

Foto: Hehmann

Ein Sparkassenangestellter radelt auch bei Regen

Peter Rossmann radelt jeden Tag zur Arbeit

Er sitzt mit Anzug und Krawatte auf dem Fahrrad. Peter Rossmann, Angestellter bei der Sparkasse Osnabrück, kommt seit acht Jahren jeden Tag auf Pedalen zur Arbeit.

Wenn es regnet oder schneit, hält ihn das auch nicht ab. Dann entscheidet er sich für moderne Goretex-Kleidung, die er über der Bürokleidung trägt und anschlieftend in seinem Büroschrank zum Trocknen aufhängen kann. Ihm macht das Radfahren Spaß, er will sich bewegen. Und nach der Arbeit? ,, Da bin ich erfrischt, der Heimweg auf dem Rad ist für mich der erste Teil der Entspannung."

Allerdings: " Man muss konzentriert fahren und aufpassen." Viele Radwege seien, findet er, z. B. für Linksabbieger, nicht gut angelegt.

Kein Problem mit der Kleiderordnung: Peter Rossmann arbeitet bei der Sparkasse und radelt jeden Tag. Foto: Lewandowski

Im Einklang mit der Schöpfung

Pastor Günter Baum ärgert sich manchmal über Autofahrer

Pastor Günter Baum von der evangelisch-reformierten Gemeinde macht fast alle seine Wege in seiner weiten Gemeinde mit dem Fahrrad - und das seit 20 Jahren. Er liebt die Bewegung, die frische Luft und die Pausen. Damit meint er die Zeit, in der er z. B. zwischen zwei Terminen mit dem Fahrrad unterwegs ist und in dieser Zeit abschalten und die Gespräche verarbeiten kann.

Er ist zurückhaltend damit, aber auf Nachfrage bestätigt er: Als Christ fühlt er sich wohl mit seiner Entscheidung fürs Rad. Mit jedem Autokilometer verschwenden wir wichtige Ressourcen. Die Bewegung zu Fuß oder mit dem Rad ist mehr im Einklang mit der Schöpfung." Aber er ist damit nicht pastoral, sondern bekennt freimütig. Manchmal empfinde ich ganz und gar unchristlichen Ärger über rücksichtslose Autofahrer!"

Pause auf dem Rad: Pastor Günter Baum.

Foto: Hehmann

Wasserfest und Atmungsaktiv

Von Holger Jansing

Fluchen nützt nichts. Obwohl heute wieder einer dieser Tage wäre. Zu Hause bin ich trocken losgefahren und - unterwegs fängt es an zu regnen. Es ist immer das Gleiche und sofort stellt sich die Gretchenfrage: Zieh ich jetzt die Regenklamotten an, die in der Satteltasche schlummern, oder nicht? Das ist umständlich, hält auf und ist im Stadtverkehr nicht gerade angenehm. Und außerdem: Garantiert bricht kurze Zeit später die Sonne wieder durch, sobald Jacke, Hose und Gamaschen übergestülpt sind. Und dann dauert es nicht lange, und der Schweiß schießt aus allen Poren, denn die neue Funktionsbekleidung ist zwar (wie versprochen) wasserdicht, aber alles andere als atmungsaktiv. Wie man' s macht, macht man' s verkehrt. Vor einigen Wochen zum Beispiel. Bis zur Redaktion sind es nur noch ein paar hundert Meter, als es zu tröpfeln beginnt. Ich setze die Fahrt in Hemd und Hose fort - und, siehe da, prompt prasselt vom Himmel ein sintflutartiger Guss herab. Der Start in den Tag mit einer klitschnassen Jeans, prima!, Osnabrück verlangt Fahrradfahrern einiges ab. Es regnet viel, im ersten Halbjahr 2007 schon an rund 90 Tagen. Anders ausgedrückt heißt das: An jedem zweiten Tag hat es geregnet, manchmal mehr, manchmal weniger und zum Glück nicht immer dann, wenn man selbst mit dem Rad unterwegs ist. Und, mal ehrlich, so schlimm ist Regen nun auch wieder nicht. Gegenwind ist viel unangenehmer. Und davon gibt es in Osnabrück reichlich.
Autor:
Gunhild Seyfert, Holger Jansing


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