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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Sehnsucht nach dem alten Tunnel
Zwischenüberschrift:
Lebhafte Diskussion im Verkehrsgewühl auf dem Neumarkt
Artikel:
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Originaltext:
OSNABRÜCK. Es ist laut. Wer auf dem Neumarkt eine Diskussion führen will, muss gegen den Verkehrslärm anschreien, sobald die Ampel auf Grün springt. Da kann es schon mal zu Missverständnissen kommen.

" Wir brauchen mehr Qualität auf dem Platz", sagt Hans Siebe, und beendet damit seinen Vortrag über eine bessere " Aufenthaltsqualität". " Ganz genau, mehr Qualität", ruft ein anderer in die Runde und fährt fort: " ich will ohne Störungen von Hellern nach Belm fahren können." Das bedeutet für ihn Qualität auf dem Neumarkt, wie sich herausstellt. Genau das Gegenteil also.

Unterirdisches Kaufhaus

Je länger über den Neumarkt diskutiert wird, umso weiter scheinen die Meinungen auseinanderzudriften. Das ist eine Erkenntnis, die die rollende Sommerredaktion der Neuen OZ gestern gewonnen hat. Zwei Stunden diskutierten wir auf dem verkehrsreichsten Platz der Stadt über die Frage " Neumarkt, was wird aus dir?"

Manche forderten, den Verkehr komplett vom Neumarkt zu verbannen, andere befürworteten den sechsspurigen Ausbau der Straße über den Platz im Mittelpunkt Osnabrücks. Einige wollen einen Autotunnel, andere ein unterirdisches Kaufhaus. Einig waren sich fast alle Befragten nur in einem Punkt: Der aktuelle Zustand ist unhaltbar. In der Kritik stehen die teilweise Schließung des Tunnels, der ungeordnete Fußgängerübergang und der Zustand der Fassaden.

" wir wollen unseren alten Tunnel wiederhaben." Diese Meinung diktierte der überwiegende Teil der Befragten der rollenden Redaktion in die Blöcke. Auch Jutta Linnemeyer forderte, die Passage in ihrer ursprünglichen Größe und Funktion wiederherzustellen. Der Umbau in Kleinformat sei eine " Kurzschlusshandlung" der Politik gewesen. Geschäfte könnte es da unten geben, müsste es aber nicht. Denn wichtig sei es, autoverkehr und Fußgänger zu trennen. Der Verkehr sollte auf dem Neumarkt möglichst flüssig fließen, denn jede Stockung verursache unnötigen CO2-Ausstoß. " Der Neumarkt ist eben ein Verkehrsknotenpunkt."

Auch ein 23-jähriger Auszubildender würde den Fußgängerüberweg sofort schließen und den Tunnel möglichst bald wieder komplett öffnen. Eine ältere Dame meinte, sie sei richtig traurig, dass der Tunnel nicht mehr zum Verweilen einlade. Mehr Gastronomie würde ihn verschönern. " In das Loch will doch keiner mehr", sagte sie.

Schandflecke

Noch tiefer als der Tunnel ohnehin nie war, ging ein Osnabrücker, der ein mehrstöckiges Kaufhaus in Moskau als Vorbild für den Neumarkt vorschlug. Unten sollten die Passanten einkaufen, oben der Verkehr über eine sechsspurige Straße rollen.

Auch mit dem äußeren Bild des Neumarkts gingen viele hart ins Gericht. Vor allem das grün gekachelte Gebäude an der Ecke zur Johannisstraße und das ehemalige Wöhrl-Kaufhaus seien " Schandflecke". Das leer stehende Kaufhaus veranlasste viele zu der Aussage, dass die Stadt keine neuen Geschäfte und auch kein neues Einkaufscenter vertrage. Vielmehr solle der Platz zum aushängeschild Osnabrücks und renaturiert werden. Den ausblick auf die Hase wünschten sich Helmut Lautsch und Dietmar Neumann, die beide " Vorfahrt für die Menschen" forderten.

Horst Wolf - der nach eigenen Worten sein FDP-Parteibuch zurückgab, als die Liberalen 2000 begannen, den autofreien Neumarkt zu propagieren - fordert mehr Realismus in der Neumarkt-Diskussion: " Den Zustand hinnehmen" müsse man, und den Mut loslassen zu können und sich von Illusionen lösen".

Christopher Cheeseman, Ratsmitglied der Linken, suchte gezielt die sommerredaktion auf, um seine Meinung zu sagen. Grundsätzlich könne er sich eine Gestaltung vorstellen, wie im Masterplan vorgesehen - mit Dreispurigkeit, einem Eckgebäude vor H & M und einer Verlegung der Bushaltestellen vom Neumarkt zum ehemaligen Wöhrl-Haus. Ein Autotunncl sollte aber im Blick bleiben, weil ein solches Projekt,, auf Jahrzehnte ausstrahlen" und dem Neumarkt seine Funktion als Bindeglied zwischen der Alt-und der Neustadt zurückgeben würde.

Ein Foto, das alles sagt

Erwin Messger meint, nur große Lösungen würden auf lange Sicht helfen. Also entweder die Autos nach unten oder die Fußgänger die alIerdings dann in eine großzügige Passage. Die Verkleinerung des Tunnels ist für ihn " ein Witz", und dass es zwei große Eingänge an der Großen Strafte gibt, hält er für Verschwendung. Ein 49-jähriger Hobbyfotograf stellte sich auf unser Bitten der Aufgabe, den Charakter des Neumarktes fotografisch darzustellen. Seine Vorstellung von einem Foto, das alles sagt: Aus mittlerer Höhe würde er durch die Glaskästen der Tunneleingange hindurch das grüne Kachel-Eckhaus ins Bild nehmen. " Der Kontrast von Alt und Neu", sagt er. Und vielleicht würde auch deutlich, dass vieles auf dem Neumarkt nicht zusammenpasst.

Ordentlich schrubben

Eine 69-Jährige trauert dem alten Tunnel nach und ärgert sich über ,, das Gewühle" auf dem Fußgänger-Überweg. ,, Als Autofahrerin habe ich immer Angst, dass mir einer vors Auto läuft." Und diese hässlichen Fassaden: " Als Erstes würde ich mal die grüne Kachelwand da drüben ordentlich schrubben."

Bildunterschrift 1: Die Neue-OZ-sommerredaktion machte gestern Nachmittag Station auf dem Neumarkt. Das Thema: Neumarkt, was geschieht mit dir?

Bildunterschrift 2: Zwei Eingänge nebeneinander - warum eigentlich?

Bildunterschrift 3: Ein " Schandfleck": Die Fassade müsste mal ordentlich geschrubbt werden, sagte eine Frau.

Fotos: Klaus Lindemann
Autor:
Wilfried Hinrichs
 
Thomas Wübker


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