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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
MEIN FAHRRAD & ICH
Zwischenüberschrift:
Nachts um halb drei vor der roten Ampel
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Es gibt ja Leute, die fahren mit dem Auto bei Rot über die Ampel. Jedenfalls nachts um halb drei, wenn keiner zuguckt. Ich würde das nie tun. Jedenfalls nicht mit dem Auto. Aber wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin und ganz Osnabrück schläft, sind mir rote Ampeln, ehrlich gesagt, ziemlich egal. In jedem Radler steckt ein verkappter Anarchist. In mir auch. Verraten Sie' s aber nicht der Polizei!

Einmal wurde ich erwischt. Nicht von der Polizei, viel schlimmer. 15 Jahre ist es her oder noch länger. Es war nachts zur fraglichen Stunde vor dem Heger Tor. Leichter Nieselregen, die Ampel rot und ich in Eile. Bin ich der Knecht eines primitiven Schaltrelais, das den Verkehr regeln soll, obwohl es nur bis drei zählen kann? Das mich aus reiner Bosheit im Regen stehen lässt, obwohl ich es doch verdient hätte, Grün zu bekommen? Weil sich die Ampel nicht bewegt, bewege ich mich und trete in die Pedale.

Plötzlich aus dem Dunkel vor dem Heger Tor eine triumphierende Stimme: " Herr Lahmann-Lammert, das hätte ich ja nicht von Ihnen gedacht!" Auweia, ausgerechnet Herr Brickwedde von der CDU, damals noch nicht bei der Umweltstiftung, aber schon ausgekocht genug, mir diesen Ausrutscher bis zu meiner Pensionierung aufs Butterbrot zu schmieren. Kann ja sein, dass mir jemand vorwirft, ich hätte in all den Jahren zu CDU-freundlich berichtet. Dann war es sicher eine Folge dieses nächtlichen Zwischenfalls.

Wenn Doping-Vergehen von Radrennfahrern nach zehn Jahren verjährt sind, bin ich, strafrechtlich gesehen, inzwischen aus dem Schneider. Aber die Geschichte holt mich immer wieder ein. Bin ich - selten genug - mal wieder nachts unterwegs, passe ich höllisch auf, dass es für meine anarchistischen Verfehlungen vor roten Ampeln keine Zeugen gibt.

Einmal wollte ich mich, wieder vor dem Heger Tor, besonders vorsichtig nach allen Seiten absichern. Kein Auto, kein Fußgänger, kein Brickwedde. Also los! Just in dem Moment bog ein Streifenwagen aus der Bergstraße und kam genau auf mich zu. Mein Atem stockte. Aber die beiden Polizisten wollten wohl gerade einen richtigen Verbrecher jagen. Oder sie hatten keine Lust, sich mitten in der Nacht mit mir armem Sünder zu beschäftigen.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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