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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Mal weit und rot - mal eng und holprig
Zwischenüberschrift:
Der Radverkehr in der Stadt: Einiges hat sich verbessert, aber an vielen Stellen drückt noch der Schuh
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Mit Münster kann und will sich Osnabrück nicht messen. " Im bundesweiten Vergleich liegen wir aber im oberen Drittel." Das meint Heike Stumberg, die neue Verkehrsplanerin der Stadt. Sie muss es wissen, denn sie hat sich mit dem Radverkehr in verschiedenen Ecken Deutschlands auseinandergesetzt.

Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren in Osnabrück einiges verbessert. Es gibt inzwischen einen Radverkehrsplan (siehe den gelben Kasten), an vielen Hauptverkehrswegen wurden neue Fahrradwege markiert, und der Haseuferweg als Verbindung abseits der normalen Strecken soll bis auf ein kleines Stück in der Innenstadt bis 2010 durchgängig befahrbear sein. Es gibt weitere Verbesserungen: An mehreren Knotenpunkten (etwa an der Liebigstraße) hat die Stadt " aufgeweitete Radaufstellstreifen" angelegt. Das sind rot markierte Flächen, auf denen sich Radfahrer sicher vor dem wartenden Autoverkehr in Position bringen können. Weitere Kreuzungen werden jetzt folgen. " Auch für die Fahrradwege haben sich die Rotmarkierungen bewährt", sagt Ulla Bauer, die bei der Stadt schwerpunktmäßig für den Radverkehr zuständig ist.

Bewährt haben sich offensichtlich auch die so genannten Schutzstreifen, die auf mehreren schmalen Straßen mit gestrichelten Linien markiert wurden. Bei normalem Verkehr halten Autos mehr Abstand, begegnen sich zwei Lastwagen, dürfen sie die Schutzstreifen überfahren. Gut angenommen wird auch das indirekte Linksabbiegen an großen Kreuzungen wie dem Berliner Platz. Neben dem Radweg wurden spezielle, ebenfalls rot markierte Führungshilfen angelegt.

Geplant sind ein neuer Fahrradstadtplan für Osnabrück und weitere Abstellmöglichkeiten wie am Hasetor, die zu einer guten Infrastruktur dazugehören. Und in diesem oder im nächsten Jahr sollen flächendeckend kleine innerstädtische Wegweiser angebracht werden (grünes Fahrradsymbol auf weißer Tafel), um für Alltagsradler die besten und sichersten Routen von einem zum anderen Punkt asuszuschildern. Dafür hat das Land Fördergelder in Aussicht gestellt. " Wir haben uns ehrgeizige Ziele gesetzt, und daran arbeiten wir", sagt Ulla Bauer. Als innovatives Beispiel für eine gelungene Entwicklung bezeichnet ihre Chefin Heike Stumberg die neue Situation an der Bierstraße. Hier können Pedalritter ab der Lohstraße jetzt entgegen der Einbahnstraße zum Rißmüllerplatz fahren und bei Gegenverkehr auf kleine rote Flächen am Straßenrand ausweichen.

Diese Lösung gefällt auch der Fahrradlobby, die seit Jahren darauf gedrängt hatte. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club in Osnabrück lobt auch die anderen Projekte, und trotzdem gibt es reichlich Kritik. So vermisst Dr. Bernd Schneider, Vorsitzender der ADFC-Kreisgruppe, noch immer ein grundsätzliches Umdenken hin zu einer fahrradfreundlichen Verkehrspolitik. Indizien dafür seien die arg begrenzten Mittel, die für die Baumaßnahmen zur Verfügung stünden, und Straßenbauarbeiten wie auf der Möserstraße, bei denen die Belange des Radverkehrs nicht berücksichtigt würden. Für Alltagsradler sei es wichtig, schnell und sicher mit dem Fahrrad zur Schule oder Arbeit zu kommen, sagt Bernd Schneider. Und hier drückt nach seinen Worten an vielen Stellen der Schuh: Baumwurzeln oder Einfahrten machen Radwege zu Holperstrecken, an Hauptstraßen (etwa am Wall) sind sie oft zu eng und deshalb gefährlich, und auf kombinierten, mit Bordsteinkanten von der Straße abgetrennten Geh- und Radwegen kommt es regelmäßig zu Konflikten zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern (Beispiel Knollstraße). Der ADFC kritisiert außerdem, dass an einigen Kreuzungen die Radwege über die Fußgängerfurt der Ampel verschwenkt werden. Das koste Zeit und ist aufgrund der schlechten Sichtbeziehungen unsicherer. Bernd Schneider und seine Mitstreiter plädieren grundsätzlich für geradlinige, durchgehende Radwege, möglichst auf Straßenniveau.

Zufrieden ist der ADFC, das sich an zwei Knotenpunkten die Situation für Radler verbessern wird: Der Heinrich-Lübke-Platz (Ecke Martinestraße/ Blumenhaller Weg) wird 2008 umgebaut. Und noch dieses Jahr erhalten Fahrradfahrer auf der Wittekindstraße stadtauswärts in Höhe der Buerschen Straße unter der Eisenbahnbrücke mehr Platz und neu markierte Wege. Am Neumarkt wird allerdings weiter großes Durcheinander herrschen. Hier will die Stadt so lange warten, bis eine Gesamtplanung realisiert wird.

Der Radverkehrsplan 2005

Nach mehrjähriger Diskussion wurde Ende 2005 der Radverkehrsplan für Osnabrück verabschiedet. Darin sind unter anderem 260 Baumaßnahmen aufgelistet, die die Stadt Stück für Stück realisieren will. Das Tempo wird durch die begrenzten Haushaltsmittel vorgegeben. In diesem Jahr sind lediglich 230 000 Euro ausgewiesen. An der Ausarbeitung des Radverkehrsplans hatten sich Vertreter des ADFC, der Lokalen Agenda, der Uni und des Seniorenbeirats beteiligt. Zuvor hatte ein Planungsbüro Osnabrück einen hohen Standard bei der Radverkehrsinfrastruktur bescheinigt.

Bildunterschrift 1: Berliner Platz: Hier gibt es wie an anderen Kreuzungen Führungshilfen für das indirekte Linksabbiegen. An einigen Stellen springen die Ampeln für Radfahrer auch früher auf Grün.

Bildunterschrift 2: Hasetorbahnhof: Die Stadt hat zahlreiche Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen. Solche Parkplätze gehören zu einer guten Infrastruktur für den Radverkehr dazu.

Bildunterschrift 3: Liebigstraße: Der aufgeweitete Radaufstellstreifen bringt hier wie an einigen anderen Stellen Radfahrer in eine sichere Position vor den wartenden Autoverkehr.

Bildunterschrift 4: Neumarkt: Hier herrscht ein großes durcheinander. Die Wege für Radfahrer, Fußgänger und Linienbusse sind nicht eindeutig gekennzeichnet. Konflikte sind programmiert.

Bildunterschrift 5: Knollstraße: Radfahrer verstehen nicht, warum sie an der Kreuzung einen Bogen über die Fußgängerampel fahren müssen. Der ADFC setzt sich für eine geradlinige Führung ein.

Bildunterschrift 6: Wittekindstraße: Der enge Radweg zwischen den Fahrspuren an der Ecke zur Buerschen Straße gehört schon bald der Vergangenheit an. Er wird verbreitert, die Haltelinie vorgezogen.

Fotos: Klaus Lindemann
Autor:
Holger Jansing


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