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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Schlosswall als Flaniermeile
Zwischenüberschrift:
Juni 1907: Umgestaltung durfte nicht viel Geld kosten - Hohe Säuglingssterblichkeit
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Der Wall war vor 100 Jahren keine Autobahn, sondern eine Flaniermeile. Im Juni 1906 beschlossen die städtischen Kollegien, dass auch der Schlosswall so gestaltet werden solle wie die bereits ausgebauten Wallstücke, dazu mit Rasen, Buschwerk und Bäumen. Die sichtbar gewordene Schlossparkmauer galt als unschön und musste bepflanzt werden.

Noch wurde der Schlosswall zwischen dem Ratsgymnasium und der Schlossstraße herablassend als eine Strecke bezeichnet, " auf der die Tannen stehen", wie es im Kommentar des Osnabrücker Tageblattes hieß. Die Neuanlegung und Umgestaltung der Wege

Sauberes Trinkwasser

und Fußsteige durfte allerdings nicht viel Geld kosten. Vom Oberhofmarschallamt gab es allerdings erste Hinweise darauf, dass im Herbst möglicherweise die Schlossstraße offengelegt würde. Die Fertigstellung der Kreuzung war also dringend erforderlich. Tatsächlich bewilligte man 7360 Mark für den Ausbau.

Trinkwasserbrunnen anzulegen war bei anwachsender Bevölkerungszahl ein wichtiges Anliegen der Kollegien. Der Brunnen am Neumarkt bewies, dass die Bevölkerung davon regen Gebrauch machte. Alle Stadtbewohner mussten Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, daher plante man noch weitere Trinkanlagen. Am Heger Tor war ein Becken aus Piesberger Stein vorgesehen, flankiert von einer kleinen Hundetränke.

Der Vaterländische Frauenverein benötigte mehr Unterstützung, denn die Statistik hatte gezeigt, dass auch in Osnabrück eine hohe Säuglingssterblichkeit herrschte. Besonders im Sommer war Hilfe nötig. In manchen Jahren überlebte nicht einmal die Hälfte der Neugeborenen die heiße Zeit. Diese Kinder starben, weil sie nicht richtig gepflegt und ernährt wurden, wie es im Osnabrücker Tageblatt hieß. Das geschah teils aus Gleichgültigkeit, teils aus Unkenntnis der Mütter in der Säuglingspflege.

Prämie fürs Stillen

Hier sollten die städtischen Fürsorgestellen durch " Belehrung der Mütter" eingreifen, aber auch durch Überwachung der Kinder im ersten Lebensjahr und Abgabe einwandfreier Milch. Ein Prämiensystem belohnte Mütter, die ihre Babys selbst stillten. Dringliche Aufgaben dieser Art finanzierte die Stadt mithilfe einer alten Stiftung, damit die Zuwendungen von Spenden an den Verein anderen Aufgaben zukommen konnten.

Es war die sogenannte " Tenge' sche Stiftung" von 1819, von der ab 1907 jährlich 600 Mark an den Vaterländischen Frauenverein floss. Die Armenkasse und das Krankenhaus bekamen ebenfalls Geld aus dieser Quelle.

Der Sommer 1907 zeigte sich als ein recht " windiger Geselle", heftige Stürme und Gewitter, dazu im Juni mäßige Temperaturen von gerade 15 Grad verdarben manchem Biergartenbesucher den Spaß. Von den orkanartigen Böen wurden überall Vogelnester mit Küken herabgerissen.

Ein Gleisarbeiter fand auf der Strecke der Teutoburger-Wald-Eisenbahn ein besonderes Nest. Hier hatte sich ein Steinschmätzerchen-Paar seinen Nistplatz unter einer Hauptweiche gesucht. Das Nest befand sich an einem vollkommen sicheren Platz, obwohl täglich bis zu 15 Züge darüber hinwegrollten.

Bildunterschrift: Spaziergang auf dem Kanzlerwall, dem heutigen Heger-Tor-Wall. Nach diesem Vorbild sollte vor 100 Jahren auch der Schlosswall gestaltet werden. Das Foto stammt aus dem Buch " Alt-Osnabrück", Band 1. erschienen im Verlag H. Th. Wenner.
Autor:
Christiana Keller


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