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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Unkrautvernichtung mit Messer und Gabel
Zwischenüberschrift:
Wie Brennnessel und Co auf angenehme Weise aus dem Garten verschwinden
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Marie-Luise Braun

OSNABRÜCK. Im Beet sind sie für viele Gärtner ein Ärgernis: Brennnesseln, Löwenzahn und der hartnäckige Giersch müssen immer wieder gejätet werden, um den Gemüse-Ertrag zu sichern oder die Schönheit der Blumenrabatten zu erhalten. Doch mit diesen " Unkräutern" lassen sich leckere Gerichte zubereiten.

Vogelmieren-Suppe? Salat mit Gänseblümchen? Brennnessel-Crepes? Taubnessel-Spinat? So richtig verlockend klingt das erst mal nicht, was Wildkräuter-Kochbücher in ihren Rezepten anpreisen. Auch wenn die Gerichte auf den Fotos noch so lecker angerichtet sind.

Doch Michael weiß es besser. " Knoblauchrauke mit Avocado. Das ist ein Gedicht", schwärmt er. " Da brauchst du nicht mal Salz und Pfeffer dazu", fügt er hinzu und stapft über die Wiese. Seine Augen sind immer auf das Grün gerichtet. Hier drin sollen sie sich verbergen, die kulinarischen Köstlichkeiten.

" Nur die schönen Blätter ernten!" Björg Dewert, Umweltpädagogin

So behauptet es zumindest die Umweltpädagogin Björg Dewert. Sie leitet den Kurs " Delikatessen am Wegesrand", den sie im Frühling am Technisch-ökologischen Lernort Nackte Mühle anbietet. Zwölf Teilnehmer hören ihr aufmerksam zu, schnuppern an Blättern und knabbern vorsichtig an ihnen.

.. Brennen die Lippen, ist Vorsicht geboten", warnt die Kräuter-Expertin. Mit Bedacht vermittelt sie den Teilnehmern, welche Merkmale die Kräuter haben und wo sie jeweils wachsen. Für Ungeübte sind manche Kräuter nicht ohne Weiteres zu erkennen. Erwischen sie ein falsches Kraut, kann das mit Magen- oder Kopfschmerzen unangenehm werden und sogar tödlich enden, beispielsweise wenn statt des Wiesenkerbels der Wasserschierling auf dem Essteller landet.

Was wächst denn da? Helmer sucht auf der Wiese an der Nackten Mühle nach der Goldnessel. Er nimmt Teil an dem Kurs " Delikatessen am Wegesrand", der Hobbyköchen die Verwendung von Wildkräutern auf dem Teller nahebringt. Foto: Uwe Lewandowski

Am Geruch sind Krauter zu erkennen. Foto: Uwe Lewandowski

Löwenzahnblüten Obstsalat. Foto: Klaus Lindemann

Etwa zehn Kräuter stellt Björg Dewert in der Veranstaltung ausführlich vor, um den Teilnehmern eine erste Auswahl für die Verwendung in der Küche anzubieten. Mit dabei sind Giersch und Gundermann, Taub- und Goldnessel, Klettenlabkraut und Knoblauchrauke. Sie sind relativ einfach uu erkennen und kommen am Ende des Kurses in den Kochtopf oder die Salatschüssel.

Auch Prof. Dr. Renate Scheibe rät zur Vorsicht im Umgang mit Wildkräutern. Die Pflanzenphysiologin von der Uni Osnabrück zitiert Paracelsus: " Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist." Nicht umsonst, könne man Wildkräuter nicht in großen Mengen essen, erklärt die Wissenschaftlerin. So beinhalten einige Wildkräuter viele Bitterstoffe, die nicht nur bitter schmecken, sondern auch verdauungsfördernd wirken. Wer zu viel davon isst, muss mit Durchfall rechnen. Das gilt zum Beispiel für den Löwenzahn oder das Gänseblümchen. Letzteres soll als Kapernersatz allerdings vorzüglich schmecken, sagt die Kursleiterin.

Nach einem Überblick über die Kräuter schwärmen die Teilnehmer aus, um die Wildkräuter für das gemeinsame Abendessen zu suchen. Kurze Zeit später schnipseln elf Erwachsene mit Kinderscheren in der Wiese herum und füllen Schüsseln mit den gewünschten Mengen der Kräuter.

" Erntet nur die schönen Blätter", ruft Björg Ewert den Teilnehmern zu. Blätter mit Fraßspuren, Löchern oder Gallen sollten besser stehen bleiben. Hier könnten sich weniger leckere Gäste zur vegetarischen Kost gesellen

und den Appetit verderben. Helmer und Michael sind in der Wildkräuterküche bereits versiert und finden in der grünen Wiese schnell das gewünschte Kraut. Sabine nimmt an dem Kurs teil, weil sie gerade die Geheimnisse der Natur für sich entdeckt und: " Ich möchte, dass meine Zwillinge auch etwas davon mitbekommen", erklärt sie.

Kurze Zeit später stehen die sieben Frauen und die vier Männer um Biertische und bereiten das Essen zu. Helmer greift beherzt in die Brennesseln. " Das macht mir nichts", sagt er. Für empfindlichere Haut hat er Tipps: " Entweder Handschuhe anziehen oder die Nesseln in eine Tüte tun und mit dem Nudelholz durchwalken. Das zerstört die Brennhaare."

Umgeben vom Duft nach Knoblauch, würzigen Pfannkuchen und frischem Obst, folgt dann das Abendessen unter freiem Himmel. Das beschreibt Sabine kurz mit: " Lecker." Und für die Hobbygärtner im Kurs gilt: Ab jetzt wird nicht mehr gejätet, sondern gegessen.
Autor:
Marie-Luise Braun


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