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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
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Überschrift:
Osnabrück vor dem großen Umbruch
Zwischenüberschrift:
Museum Industriekultur zeigt Fotos von Rudolf Lichtenberg
 
"Das Spannende, das die Fotos erzählen, sind die Alltagsgeschichten", Dr. Birte Tost. Co-Autorin der Ausstellung
 
"Eine dritte Ausstellung wird es nicht geben", Rolf Spilker, Museum Industriekultur
Artikel:
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Originaltext:
OSNABRÜCK. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich Osnabrück in einem großen Umbruch: Das Stadtbild wandelt sich, die Häuser an den Haupt- und Geschäftsstraßen werden modernisiert. Etwa 100 Fotos aus dieser Zeit zeigt das Museum Industriekultur ab Sonntag in der Ausstellung " Lichtenberg - Bilder einer Stadt II".

Eng wirkt die Große Straße auf diesen Bildern. Rechts und links war sie von Bürgersteigen gesäumt, in ihrer Mitte verliefen Straßenbahnschienen. Erst ein Teil der Häuser ist mit großzügigen Schaufenstern ausgestattet, obwohl die Straße bereits damals eine wichtige Einkaufs-und Geschäftsstraße war.

Leuchtreklame gab es Ende der 1920er-Jahre noch nicht. Die Namen der Geschäfte waren zumeist auf die Wände der Häuser gemalt oder standen auf Metallschildern, die an die Fassade geschraubt waren.

Diese und weitere Details aus den ersten dreißig Jahren des vergangenen Jahrhunderts zeigt die Ausstellung im Industriemuseum. Sie führt überwiegend durch die Haupt- und Geschäftsstraßen Osnabrücks.

Die fotografische Reise beginnt am Hauptbahnhof, verläuft über die Johannisfreiheit und die Johannisstraße, über den Neumarkt, die Große Straße und den Nikolaiort. Weiter geht es durch die Krahnstraße, die Bierstraße, entlang der Hasemauer über den Vitihof bis hin zum Hasetorbahnhof.

" Wir werfen auch einen Blick in die Nebenstraßen", betont Rolf Spilker, der Leiter des Museums Industriekultur. Denn durch den Vergleich werde die Entwicklung Osnabrücks vom Ackerbürgertum zur modernen Stadt besonders deutlich: Abseits der großen Straßen veränderte sich die Stadt langsamer. Hier fanden sich über längere Zeit noch kleine Krämerläden und Handwerksbetriebe.

Bilder, die Lichtenberg hier aufgenommen hat, zeigen, dass Osnabrück vor dem großen Umbruch durchaus dörflichen Charakter hatte. Beispiele finden sich an der Hasemauer oder auch am Vitihof. " An manchen Stellen hatte die Stadt ein mediterranes Flair", meint Spilker. Beispielsweise in dem Garten, den die Familie Brandenburg zwischen Hasetorbahnhof und Gertrudenberg angelegt hatte. Er war damals schon in einem eher unaufgeräumten Zustand. Die Anlage existiert heute noch.

Ortswechsel. Am Kamp pulsiert heute hinter strengen Fassaden das Geschäftsleben. Ganz anders im Jahr 1911. Eine holperige Straße führt vorbei an ungepflegten Häusern, zwischen denen Gärten ihren Platz hatten. Doch auch hier ist der Wandel abzulesen. So zeigt ein Foto den Krämerladen von Wilhelm Bauer. Die Fassade des Hauses ist bereits mit Werbeschildern plakatiert.

" Diese Alltagsgeschichten, sind das wirklich spannende, das Lichtenberg mit seinen Bildern erzählt", sagt Dr. Birte Tost. Sie hat einen Teil der Texte für die Ausstellung und den Ausstellungskatalog erarbeitet.

" Es war manchmal richtige Detektivarbeit herauszufinden, wann die Fotos aufgenommen wurden und warum", erzählt die Journalistin. Um Klarheit zu gewinnen, waren Tost und Spilker im Staatsarchiv und im Bauordnungsamt auf Spurensuche.

Das Ergebnis sind informative Texte, die den etwa 100 Bildern Lichtenbergs im Ausstellungskatalog beigestellt sind. Er beinhaltet auf 190 Seiten hoch aufgelöste Fotos Rudolf Lichtenbergs. Das Buch " Bilder einer Stadt II. Fotografische Ansichten Osnabrücks 1900 bis 1930" ist im Rasch-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich. Wie der erste Band enthält es Beschreibungen zu den abgebildeten Häusern inklusive Hinweisen zum Standort des Fotografen.

Die jetzige Ausstellung schließt an die Präsentation aus dem Jahr 1995 an, bei der das Industriemuseum " Protokolle des Aufbruchs in die Moderne.Lichtenbergs Osnabrück 1890-1930" zeigte. Sie drehte um die städtische und verkehrsräumliche Entwicklung der Stadt.

Die Ausstellung zeigt nicht nur Fotografien. So befindet sich in einem der Schaukästen ein Bildband Rudolf Lichtenbergs, den er zum Dank einem Piloten geschenkt hat. Der hatte ihn 1919 über die Stadt geflogen, sodass Lichtenberg einige Luftaufnahmen von Osnabrück machen konnte.

Wird es nach der zweiten auch noch eine dritte Lich-tenberg-Ausstellung geben? Doch so langsam ist der Fundus mit Lichtenberg-Fotos erschöpft: " Nein, das ist definitiv die letzte", sagt Spilker.

Lichtenberg: Sein Leben

Daten und Fakten

mlb OSNABRÜCK. Rudolf Lichtenberg jun. wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Stadtbauamt beauftragt, die Veränderungen Osnabrücks fotografisch festzuhalten. Auch aus eigenem Interesse fotografierte er unzählige Motive Osnabrücks.

Entstanden ist eine Foto-Dokumentation der Jahre 1900 bis 1940. Sie zeigt, wie sich die Ackerbürgerstadt zum Industriestandort mauserte. Lichtenberg lieferte Material für nostalgische Bildbände und protokollierte eine schleichende Verunstaltung Osnabrücks.

Geboren wurde Rudolf Lichtenberg 1875 in Düsseldorf als Sohn des Landschaftsmalers Rudolf Lichtenberg. 13 Jahre später zog die Familie um nach Osnabrück, wo der Vater ein Foto-Atelier in der Herrenteichs-straße/ Süsterstraße eröffnete. Im selben Jahr begann der Junior hier seine Ausbildung.

Nach einem dreimonatigen Praktikum bei der Firma Sellin in Berlin stieg er 1899 in das Atelier des Vaters ein, übernahm es später mit seinem Bruder Emil und führte es ab 1912 allein weiter.

1910 veröffentlichte er den Fotoband " Alt-Osnabrück". In den Folgejahren erhielt er einige Foto-Ehrenpreise und stellte seine Werke aus. 1914 war er an der Ostfront als Feldfotograf tätig, ein Jahr später wurde er Hoffotograf der Familie von Schaumburg-Lippe.

Rudolf Lichtenberg jun. starb am 21. März 1942. Das Wohnhaus Lichtenbergs in der Möserstraße 42 und auch sein Foto-Archiv wurden noch im Jahr seines Todes bei einem Bombenangriff zerstört. Dabei wurden über die Hälfte der Aufnahmen vernichtet, die er selbst, sein Bruder Emil und sein Vater zur Osnabrücker Baugeschichte gemacht hatten. Negative von Kundenporträtaufnahmen gibt es nicht mehr.

Bildunterschrift: Der Fotograf Rudolf Lichtenberg jun.

Zur Ausstellung

Die Ausstellung " Lichtenberg - Bilder einer Stadt II. Fotografische Ansichten Osnabrücks 1900-1940" ist vom 29. April bis 28. Oktober im Magazingebäude des Museums Industriekultur am Süberweg zu sehen. Das Museum ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung sind Stadtführungen mit StadtRad unter dem Titel " Auf den Spuren von Lichtenberg" geplant. Außerdem wird in Kürze ein Wettbewerb mit dem Titel " Ein Bild meiner Stadt" ausgeschrieben. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 0541/ 122447 und im Internet: www.industriekultur-museumos.de.

Bildunterschrift 1: Die Hirschapotheke ist auch heute noch ein Blickfang am Nikolaiort. Verändert haben sich die Geschäftshäuser Niemeyer und Schäffer.

Bildunterschrift 2: Dörflich wirkte Osnabrück um 1910 stellenweise, wie hier an der Hasemauer. Diese Häuser standen vormals direkt hinter der Stadtmauer.

Bildunterschrift 3: Mitten auf dem Neumarkt standen bis zum 2. Weltkrieg Gebäude. Die Aufnahme um 1930 zeigt links den noch sehr schmalen Neuen Graben.

Bildunterschrift 4: Nicht die Lotter Straße, sondern die Johannisstraße ist auf dieser Aufnahme von 1933 zu sehen. Auch hier gab es ein Akzisehaus. Es stand an der Ecke zum Johannistorwall.

Bildunterschrift 5: Dieses Neorenaissance-Gebäude stand um 1910 an der Ecke zwischen Iburger Straße (rechts) und Meller Straße (links). Im haus war damals die Polizei untergebracht.

Bildunterschrift 6: Einsam dreht der Wachtmeister 1910 seine Runde vor dem Hauptbahnhof, der damals abgelegen vom stadtzentrum lag. Am linken bildrand ist die südliche Ecke des Bahnhofs zu sehen.
Autor:
Marie-Luise Braun


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